Gommern l Um kurz nach 2 Uhr war Donnerstagmorgen für die Ortsfeuerwehren Karith, Gommern und Nedlitz die Nacht zu Ende gewesen. Sie wurden zu einem Dachstuhlbrand in Karith gerufen. Vermutlich hatte ein Blitz das Feuer entfacht. Danach türmten sich die Alarmierungen. So dass schließlich alle zwölf Ortsfeuerwehren und zusätzlich die Gübser Wehr im Einsatz waren, um die Unwetterschäden zu beseitigen. Neben einzelnen Problemen in Nedlitz, Vehlitz und Karith war nach Auskunft der Einsatzzentrale vor allem das Gommeraner Stadtgebiet betroffen.

Schlimmer als Ende Mai

Um 3 Uhr morgens sei in den Kellern noch alles in Ordnung gewesen. „Eineinhalb Stunden später stand alles unter Wasser“, berichtete Ursula Schröter gestern in der Max-Planck-Straße. Sie schob mit einem Besen das Wasser in Richtung Sauger der Feuerwehr. Die Kellerräume der Mieter waren erst beim vergangenen Starkregen Ende Mai voll gelaufen. „Aber damals war es nicht ganz so schlimm“, sagte Ursula Schröter, und Mieter aus den umliegenden Blöcken stimmten ihr zu.

„Wenn das Wasser nicht mehr abläuft, kann man nichts machen“, sagte Ruth Balzer, bis zu den Waden im Wasser stehend. In ihrem Aufgang musste die Feuerwehr die Kellerräume noch auspumpen.

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Straßen unter Wasser

Um 3.10 Uhr hatte bei Ingo Ludwig, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft „Glückauf“, das Bereitschaftstelefon geklingelt. Eine Mieterin informierte ihn über die kritische Lage. Er rief sofort die Leitstelle an. Mit dem Auto kam er gar nicht mehr ins Wohngebiet, so sehr standen in den frühen Morgenstunden die Straßen unter Wasser. „Mein Dank gilt der Feuerwehr und den Mietern, die mithelfen.“ Alle Hausmeister, Reinigungsfirmen und Pumpen seien im Einsatz. „Dieses Mal war es schlimmer als Ende Mai.“ Er verwies auf die Naturgewalten, denen keine technischen Vorrichtungen gewachsen wären, wollte nach den Aufräumarbeiten aber dennoch das Gespräch mit der Stadt suchen, ob nicht doch Veränderungen oder Vorkehrungen möglich seien.

Keine Betreuung in der Kita

Ganz hart wurde die DRK-Kindertagesstätte „Max & Moritz“ getroffen. Im Heizungskeller stand das Wasser bis über die Knie. Auch die im Keller befindliche Küche ist dieses Mal arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Hausmeister war ab 4 Uhr morgens in der Einrichtung, Kita-Leiterin Gabriele Eggert war eine halbe Stunde später da. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen rief sie alle Eltern an, dass die Kinder heute nicht betreut werden können. „Die Eltern waren sehr verständnisvoll“, sagte Gabriele Eggert. Geplant sei, heute die Einrichtung aufzuräumen und zu säubern, um möglichst ab Montag wieder öffnen zu können. Wie schon beim Unwetter Ende Mai war die Prödeler Wehr in der Kita eingesetzt und kannte sich deshalb schon aus. Unterstützung erhielten sie von den Dornburger Feuerwehrleuten.

Am Donnerstagvormittag hatten sich die Einsatzstellen allein in der Einheitsgemeinde Gommern auf 86 summiert, Tendenz steigend. „107 Feuerwehrleute sind im Einsatz“, sagte Stadtwehrleiter Heiner Wolter, der gemeinsam mit Ralf Fröhlich und Heiko Sauermilch die Einsätze koordinierte.

Brückenrampen abgerutscht

Auswirkungen hatten der Regen auch auf den Auto- und Bahnverkehr im Bereich Gommern. Bis auf weiteres voll gesperrt ist ein Teil der B 184-Ortsumgehung Gommern im Bereich der Bahnbrücke. Die starken Niederschläge hatten an den Brückenrampen Teile der Böschung abrutschen lassen. „Derzeit sind Fachleute vor Ort, um das genaue Ausmaß der Schäden zu begutachten und die erforderlichen Schritte zu deren Behebung festzulegen“, teilte Peter Mennicke, Pressesprecher im Landesverkehrsministerium mit. „Erst danach wird sich entscheiden, wie lange die Vollsperrung der Strecke voraussichtlich aufrechterhalten werden muss.“

Solange wird der Verkehr über die B 246a und die „alte“ B 184 durch Gommern umgeleitet (Magdeburger Straße, Martin-Schwantes-Straße sowie Karither und Vehlitzer Straße). Gesperrt ist der Abschnitt vom Abzweig B 246a bis zur Kreuzung mit der Kreisstraße (K) 1220 in Richtung Karith (Pöthen).

Ausfall der Gleise

„Eine Überflutung im Bahnhof hat zum Ausfall der Gleise geführt“, erklärte Jörg Börnisch, Pressesprecher der Deutschen Bahn zu den Streckenstörungen der Strecke Magdeburg-Dessau bei Gommern. „Die elektrische Spannung der Gleise verträgt sich nicht mit dem Hochwasser. Unsere Techniker arbeiten derzeit daran, das Wasser zu beseitigen und anschließend die Reparaturen an den Gleisen vorzunehmen.“

Eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs werde „vor Betriebsschluss nicht erwartet“, so Bönisch. Unter bahn.de/aktuell sei die Sperrung aufgeführt. Der Bericht werde regelmäßig überarbeitet. Für die Strecke wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.