Lübars/Loburg l Nach einem Vierteljahrhundert hat man durchaus einen Überblick über die Population des Weißstorchs. Und nach aktuellen Zählungen sieht es in Sachsen-Anhalt nicht ganz so gut für den Adebar aus. Die Zahl der Horstpaare ist gegenüber dem Vorjahr deutlich rückläufig. Zählten die meist ehrenamtlichen Storchenfreunde im Jahr 2015 noch 626 Horstpaare, so waren es im Jahr 2016 nur noch 575 , so Dr. Mechthild Kaatz, die am Sonnabend die jüngsten Zahlen für Deutschland vorstellte.

Nach einer Zunahme der Horstpaare bis zum Jahr 2014 zeigen sich nun unterschiedliche Entwicklungen in den nordöstlichen und südwestlichen Bundesländern. Für die nordöstliche Population bedeutet das rückläufige Zahlen bei den Brut- oder Nistpaaren.Ausnahme scheint lediglich das Nachbarland Niedersachsen zu sein.

In Sachsen-Anhalt kommt das Jerichower Land auf 56 registrierte Horstpaare. Im Jahr zuvor waren es noch 62 gewesen, im Jahr 2014 zählten die Storchenfreunde 63 Paare. In Anhalt-Bitterfeld ging die Zahl der registrierten Horstpaare von 39 auf 37 zurück. Im Jahr 2014 waren noch 42 Paare registriert worden.

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Kritik an Monokulturen

Gründe für den Rückgang nennt Mechthild Kaatz gleich mehrere: da wäre zum Einen die Landwirtschaft mit großen Monokulturen, fehlenden Brachflächen und immer weniger Weidehaltung. „Durch fehlende Nahrungsflächen suchten die Altstörche vermehrt an Straßenbanketten Futter. So nahmen die Verkehrsunfälle zu“, erläutert Mechthild Kaatz. Unfälle ereignen sich zudem an Windkraftanlagen, wenn die Vögel an die Rotoren gelangen.

Zum Anderen sorgte die Trockenheit im Jahr dafür, dass verstärkt Jungtiere von ihren Eltern aus dem Nest gestoßen wurden, aus Nahrungsknappheit.

Keine Seltenheit sei es, dass die Storchenhorste „fremdbesetzt“ werden, etwa von den heimisch gewordenen Nilgänsen oder Waschbären.

Auch ein geändertes Verhalten bei der Routenauswahl in die Südgefilde spielt eine Rolle: „Während die westziehenden Störche zum größten Teil sehr zeitig im Frühjahr in Deutschland eintrafen, kamen die auf der Ostroute ziehenden Störche sehr spät an“, so Dr. Kaatz. Das hatte die Folge, dass die angestammten Horste durch Westzieher schon besetzt wurden, so dass viele Ostzieher herumvagabundieren mussten oder mit ihren Spätbruten kaum Jungtiere haben aufziehen können. Auch die dadurch stattfindenden Kämpfe um die besetzten Horste haben schon die ein oder andere Brut vernichtet.

Neue Mitarbeiterin

A propos „Nachwuchs“: Der Storchenhof Loburg kann sich über eine zusätzliche Mitarbeiterin freuen, die vom Landkreis Jerichower Land angestellt worden ist. Dörte Wendt wird für die kommenden fünf Jahre für die Loburger Vogelschutzwarte unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit und Behördenkommunikation übernehmen. Möglich wurde die neue Personalstelle durch eine großzügige Förderung des Landes Sachsen-Anhalt, erklärte Landrat Steffen Burchhardt. Die Förderung falle deutlich höher aus, als in den Vorjahren.

Der Landrat lobte die Arbeit des Storchenhofes als eine Institution, welche seit Jahrzehnten immer wieder Kompetenz nachgewiesen habe. Er zitierte aus einem Grußwort der sachsen-anhaltischen Landwirtschaftsminbisterin Claudia Dalbert, welche den Storchenhof Loburg als „Kompetenzzentrum“ beschrieb. Dalbert hatte sich für die Tagung entschuldigen lassen.