Niegripp l Der 40 Jahre alte Plattenweg ist die einzige Zufahrt, um das idyllische Naherholungsgebiet am Niegripper See zu erreichen. Auf der holprigen Strecke fallen schon mal Schlüssel aus der Tasche oder Tassen aus dem Wohnmobilschrank. Für den Wohnmobilfahrer kann der Moment der Zeitreise deshalb ganz schön lang sein.

Dabei hat das offizielle Badegewässer der Stadt Burg diese Zufahrt wahrlich nicht verdient. Pächter und Campingplatzbetreiber Andreas Paßlack hat den Strand mit dazugehörigem Zeltplatz, zusammen mit den Dauercampern des Campingvereins Niegripp, nach langer Zeit des Schattendaseins, wieder wachgeküsst.Von Jahr zu Jahr steigen die Besucherzahlen, der Platz ist ausgebucht: „Jetzt, am ersten langen Mai-Wochenende, ist kein Fleck mehr frei“, freut sich Paßlack. 2017 hatte er 5000 Übernachtungen. 20 Prozent mehr wie im Jahr zuvor.

Besonderes Erlebnis

Die meisten Gäste kommen mit dem Wohnwagen, bleiben drei, vier Nächte und ziehen dann weiter. „Das Wohnmobil bleibt einfach stehen und die Leute erkunden die Gegend mit dem Rad.“ Gerade für ältere Radfahrer sei die Gegend um Burg ein besonderes Fahrerlebnis sagt Paßlack: „Hier gibt es ja keine Berge, und die Landschaft ist doch wunderschön.“

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Nicht nur aus Deutschland – aus vielen anderen Ländern kamen zahlreiche Gäste: aus Holland, Österreich, Schweden. Selbst eine australische Familie wollte unbedingt den Elberadweg erkunden und wählte den Campingplatz als Stützpunkt.

Mit dem Saisonstart vor zwei Wochen zeigte sich auch das Wetter von seiner sonnigen Seite. Das kam der neuen Photovoltaikanlage zu Gute, die im Probebetrieb heißes Wasser lieferte. Paßlack installierte während der Winterpause die Solarzellen auf dem Dach des Mehrzwecksanitärgebäudes. Er gestaltete die Rezeption um und erneuerte Zäune und Tor. Am Herzen liegt ihm die Versorgung seiner Gäste, Dauercamper wie Tagesbesucher.„Von der einfachen Bockwurst mit Brötchen über Pommes bis hin zu selbst gebackenem Kuchen haben wir alles da.“ Er weist darauf hin, dass die Würstchen nicht aus dem Großhandel, sondern von einer örtlichen Fleischerei stammen; „Das schmecken die Gäste“, so Campingplatzbetreiber.

Reichlich Platz

Für Durchreisende hält Paßlack etwa 35 Plätze bereit. Dazu kommen insgesamt 100 Dauercampingplätze. 80 davon hat er an den Campingverein Niegripper See verpachtet. Der Platz ist so gefragt, dass es eine Warteliste von Interessenten gibt. Monika und Horst Blum aus Magdeburg sind solch passionierte Dauercamper: „Seit über 40 Jahren campen wir hier. Als wir den Platz das erste Mal betraten, wussten wir – hier bleiben wir.“ Ihnen gefällt die familiäre Atmosphäre und dass sich der Pächter intensiv um den Platz und um seine Gäste kümmere, sagen sie. Sie selbst machen „Frühjahrsputz“ an und in ihrem Bungalow und starten damit in die Campingsaison 2018.

Auch Harald Nabs aus Burg weckt einen Bungalow aus der Winterruhe, schließt eine Wasserleitung an, schraubt gelöste Zaunlatten fest: „Es ist so herrlich hier und – es ist nicht weit weg.“ Mit dem Zusammenleben auf dem Gelände sei er zufrieden. Hier ist so vieles neu entstanden, sagt er, alles sei sauber und aufgeräumt: „Man kennt sich und man hilft sich.“

Auch die ersten Laga-Gäste machen hier schon Station. Drei Wohnmobile haben angedockt. Ihre Besitzer tragen sich mit der Absicht, die zahlreichen Ausstellungen in Burg mit dem Fahrrad zu erkunden. Leider, so meint Paßlack, müssen die Radfahrer bis zur Kanalbrücke mit einem sehr holprigen Weg vorlieb nehmen: „Schade, das ist die schönste Strecke, und doch muss man hier vor allem auf den Weg achten.“ Trotz dieser Widrigkeiten erwartet der Pächter einen Anstieg der Übernachtungen. Viele Kurzzeitcamper haben sich angesagt, im Sommer gebe es kaum noch freie Plätze. Landesgartenschau und Camping passten halt gut zusammen, meint Paßlack und freut sich auf einen ganz großen Moment im Monat Mai: „Zu Pfingsten gibt es eine Theater-Aufführung im Niegripper See.“ Zeitreise einmal anders.