Unfälle mit Lkw

24,2 Millionen Fahrzeuge hat das Autobahnrevier Börde 2017 auf der Autobahn 2 gezählt. Im Vergleich zu 2016 sind das rund 200 000 Fahrzeuge mehr. Im Durchschnitt befahren täglich etwa 66 000 Fahrzeuge die A 2, davon sind etwa 17 000 Lkw.

Auf der A 2 gab es 2017 insgesamt 1353 Unfälle. Das sind 125 mehr als im Jahr 2016. Dabei wurden 191 Menschen leicht und 78 schwer verletzt. Zu beklagen waren 10 Tote. Bei etwa 33 Prozent der Verkehrsunfälle waren im vergangenen Jahr Lkw-Fahrer Schuld am Unfall.

Hauptunfallursachen sind zu geringer Sicherheitsabstand (24 Prozent), Fehler beim Nebeneinander- beziehungsweise Vorbeifahren (19 Prozent), Wildwechsel (16 Prozent) und fehlerhaftes Überholen beziehungsweise Wiedereinordnen (8 Prozent). Fahruntüchtigkeit durch Alkohol oder Drogen beziehungsweise Übermüdung waren für 6 Prozent Ursache der Unfälle.

Fehlende Notbremsassistenten: Seit November 2015 sind sie bei allen Neuzulassungen vorgeschrieben. Experten schätzen, dass höchstens die Hälfte aller Lkw damit ausgerüstet ist. Der ADAC geht davon aus, dass die Bremssysteme von den Fahrern oft ausgeschaltet werden. Untersuchungen besagen, dass bei einem Viertel der Lkw-Unfälle die Fahrer nicht gebremst haben.

In Deutschland werden jährlich nur noch 15 000 Lkw-Führerscheine ausgegeben. 20 000 bis 30 000 Kraftfahrer gehen zeitgleich in den Ruhestand. Das bedeutet auch stärkere Belastungen der Fahrer durch Extraschichten. Außerdem fehlt es massiv an nötigen Parkplätzen. Entlang der A 2 stauen sich an Parkplätzen abends Lkw oft bis bis auf die Einfahrten und Standspuren zurück, Warnblinkanlagen sind angeschaltet, während die Fahrer schlafen.

Zu wenige Pausen: Allein 2016 kontrollierte die Autobahnpolizei Börde 6000 Lkw. Dabei wurden 55 Prozent beanstandet, meist wegen Nichteinhaltens der Lenk- und Pausenzeiten.

Bur/Genthin l „Unerfahrene Kameraden lassen sich von der Vorstellung Lkw-Unfall erschlagen“, sagt Torsten Krusewitz, Berufsfeuerwehrmann aus Düsseldorf. „Wir wollen ihnen mit unserem Sonderlehrgang Angst und Unsicherheit nehmen, denn eigentlich ist es vom technischen Herangehen bei der Personenrettung eigentlich einfacher als bei einem Pkw.“

Diese Aussage erstaunt den Laien und Unerfahrenen – auch bei der jüngsten Schulung im Feuerwehrtechnischen Zentrum (FTZ) in Burg. Krusewitz muss schmunzeln - trotz ernster Angelegenheit. „Wenn ein Auto unter einen Lkw geraten ist, dann ist das eine viel kniffligere Lage, um eingeklemmte Menschen zu retten, als im Normalfall einen verletzten Fahrer aus einem Lkw zu holen.“

Der wichtigste Unterschied zum Unfall mit Pkw stellt sich für Krusewitz beim Erkunden der Lage dar. „Diese Erkundung ist viel umfangreicher.“ Es müsse genau geklärt werden, was der Lkw geladen habe, die Menge an auslaufender Flüssigkeit sei viel größer. „Wird nicht genau erkundet, kann ich Einsatzkräfte in Gefahr bringen“, so Krusewitz.

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Er und sein Kollege Gerhard Jürgens von der Berufsfeuerwehr Mönchengladbach hatten Kameraden der Feuerwehren aus Genthin, Burg, Möckern und Möser sowie Mitglieder des Technischen Hilfswerkes, Ortsverband Burg, zur Ausbildung da.

An jedem dritten der gut 1350 Unfälle im Jahr auf der Autobahn 2 in Sachsen-Anhalt tragen nach Angaben der Autobahnpolizei Lkw-Fahrer die Schuld. Abstände sind zu gering, Notbremssysteme funktionieren unter zehn Metern nicht mehr Richtung. Oder sie werden ganz ausgeschaltet. Fahrer sind auf ihren langen Touren oft genug abgelenkt. Bei jedem vierten Lkw-Unfall hat der Fahrer nicht gebremst, haben Untersuchungen ergeben.

Nicht nur, dass es immer öfter zu Sprachbarrieren zwischen den Rettungskräften und den verunglückten Lkw-Fahrern kommt, auch die Ladung und die bauartbedingten Höhenunterschiede zu Pkw machen solche Rettungseinsätze für die Einsatzkräfte schwierig.

Deshalb bot der Landkreis in Zusammenarbeit mit einer Fachfirma, die sich auf die Herstellung und den Vertrieb von hydraulischen Rettungssystem spezialisiert hat, einen Sonderlehrgang „Lkw-Rettung“ an. An ihm teilnehmen durften Angehörige von Feuerwehren, die im Autobahndokument des Landkreises für Einsätze auf der A2 vorgesehen sind.

„Wir wollen den Feuerleuten einen roten Leitfaden für Einsätze bei Lkw-Unfällen an die Hand geben. Er ist nicht starr, es sind Schubladen. Je nach Situation kann man diese oder jene öffnen. Wir wollen die Kameraden befähigen: Es gibt keine 0815-Lösungen für alle Fälle. Sie bekommen das Werkzeug, situativ das Richtige zu entscheiden“, sagt Torsten Krusewitz. Im Standardseminar geht es um „Personen-Rettung“.

„Nach dem A und O, dem Erkunden, muss der Patient, das Unfallopfer, betreut werden. Auch das Üben wir“, sagt Krusewitz. „Der eingesetzte Kamerad muss das Opfer betreuen. Er muss je nach Verletzungsmuster signalisieren, haben die Einsatzkräfte keine oder viel Zeit.“

Und dann sind da die anderen Größenverhältnisse. „Üblicherweise haben die Feuerwehren geübt, wie man mit Spreiztechnik mit einigen wenigen Schnitten ein Autodach aufklappen kann, wer hat das schon bei einer Lkw-Fahrerkabine gemacht?“, sagt Krusewitz. Jürgens und er hatten einen Spezial-Lkw dabei. Dort konnten die Feuerwehrleute üben, wie sie mit zwei, drei Schnitten eben eine solche Fahrerkabine aufschneiden können. Mit Aha-Effekt sozusagen.

Nach vier Stunden Lehrgang im Feierabend überwog bei den Ehrenämtlern der Erkenntnisgewinn für künftige Einsätze: „Den Standard-Lkw-Unfall gibt es nicht. Stattdessen muss es immer einen Plan B, C, D oder E muss.“ Der nächste Unfall ruft bestimmt.