Storchensaison

Vehlitz hofft auf Storchenpaar

Seit den 1980er Jahren hat kein Storchenpaar mehr in Vehlitz genistet. Dies soll sich nun ändern.

Von Von Thomas Schäfer

Vehlitz l „Hartmut, willst du dich nicht mal reinsetzen? Dann hätten wir den ersten Vogel im Nest“, ruft Birgit Specht ihrem Mann Hartmut, seines Zeichens Ortsbürgermeister von Vehlitz, unter lautem Lachen zu. Der lehnt dankend ab, für eine Specht ist das Nest nicht gedacht...

Da war es kurz nach 11 Uhr. Das Werk war vollbracht. Ein neues Storchennest thronte oben auf einem alten Strommasten in der Nähe der Ehle im Darreweg. Birgit Specht war gerade dabei, einen Korb mit Sekt und Bechern aus dem Auto zu holen. Kurz zuvor hatten noch knapp 30 Vehlitzer unter großem Applaus den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Gommern für ihren Einsatz gedankt. Jetzt konnte auf den Erfolg angestoßen werden.

„Die eigentliche Idee, ein Storchennest in Vehlitz anzubringen, hatten Monika und Horst Jassmann“, sagt Birgit Specht, die sich hauptverantwortlich um die Anbringung des Nestes für den Verein „Wir in Vehlitz“ eingesetzt hat. Die Idee entstand vor etwa zwei Jahren. Wo das Nest hinkommen würde, war auch schnell klar. Der alte Strommast im Darreweg.

Bis Sonnabend prangte dort seit Jahren eine große, runde Vorrichtung, die Störche einladen sollte, ein Nest zu bauen. Doch schon seit Ende der 1980er Jahre hat sich kein Storchenpaar mehr in Vehlitz niedergelassen. „Damals war es das letzte Mal, dass Störche bei uns genistet haben“, erzählt Birgit Specht. Nur ein einziges Mal gab es auch Nachwuchs - dokumentiert vom Storchenhof Loburg. Das soll sich nun ändern.

Nach einer Radtour des Vereins zum Storchenhof im September letzten Jahres nahm die Idee Formen an. „Wir haben uns genau erkundigt, was alles beachtet werden muss und uns generell über Störche informiert: Wie weit müssen andere Nester entfernt sein, dass das Männchen das Nest aussucht, haben Kontakt mit dem Landkreis wegen des Standorts aufgenommen - alle Parameter, die wichtig sind“, erklärt Birgit Specht.

Ein Nest muss beispielsweise wegen Nahrungskonkurrenz zwei Kilometer von einem anderen entfernt sein. In Vehlitz kein Problem, es gibt keine weiteren Nester. Zudem ist Vehlitz auch dabei, kommunale Flächen nicht mehr auf Wimbledon- Niveau zu mähen. Die Naturbelassenheit soll für ein größeres Nahrungsangebot an Mäusen und Insekten für Vögel - und somit auch für die zukünftigen Störche - sorgen.

Doch für Störche braucht es ein Nest. 200 Euro hat der Verein „Wir in Vehlitz“ in die Hand genommen, um den alten Eigenbau auf dem Strommasten mit einem stabilen Untergestell samt vorgefertigtem Nest von den Storchenprofis in Loburg zu ersetzen.

Punkt 10 Uhr waren am Sonnabend vier Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Gommern vor Ort, um mit Hilfe von Drehleiter und teilweise akrobatischem Körpereinsatz das neue Nest in knapp zehn Metern Höhe zu installieren.

„Es war eine einfache Montage. Für jeden, der etwas handwerklich begabt ist, ist das kein Problem“, sagt Christian Malchau, der zusammen mit Lutz Scholz das Nest auf dem Mast befestigt hat. „Für uns als Feuerwehr erst recht nicht. Es war etwas windig und stürmisch, aber das passt schon“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Was für eine windige und wacklige Angelegenheit es war, spielt er mit einem Lachern herunter.

Wohl kaum einer die vielen Schaulustigen hätte mit den Kameraden der Feuerwehr tauschen wollen. „Wir haben es gern gemacht. Als Feuerwehr sind wir für alle Orte der Gemeinde da und leben dafür“, erklärt Christian Malchau noch, warum er sich für diesen Einsatz freiwillig gemeldet hat. Ihr Dank war der Applaus der Vehlitzer und eine „flüssige Aufmerksamkeit“ des Ortsbürgermeisters.

„Ich hoffe, dass das Nest angenommen wird. Zur Erntezeit sind ja doch immer einige Störche auf den Äckern zu sehen“, sagt der Vehlitzer Dietmar Bensch, der einer der interessierten Einwohner vor Ort war. „Ich finde es gut, dass Vehlitz in Richtung Naturschutz immer aktiver wird“, freut er sich.

„Es kann bis zu vier Jahre dauern, ehe das Nest angenommen wird, hat man uns beim Storchenhof Loburg erklärt. Also müssen wir eine Weile warten, aber wir haben Geduld“, freut sich Birgit Specht schon auf die Bewohner des neuen Nestes.

„Schön würde ich es finden, wenn sich noch mehr Personen dem Gedanken des Naturschutzes öffnen und mehr Flächen brach liegen lassen würden, um der heimischen Flora und Fauna unter die Arme zu greifen“, so Birgit Specht.