Burg/Genthin l „So kann es ja wohl nicht weitergehen“, sagt Birgit Müller aus Burg. Ihre beiden Kinder gehen zwar nicht mehr in die Schule, „aber das Ziel dieses Volksbegehrens unterstütze ich trotzdem gern. Der Unterricht muss zu jeder Zeit gewährleistet sein.“

Ihre Unterschrift auf der Liste ist deshalb eine Selbstverständlichkeit – und schnell erledigt. „Hoffentlich bewegt sich dann etwas“, sagt die junge Frau noch zu Barbara Bester, Barbara Scheppe und Heike Puschmann vom Stadtverband der Linken. Sie zählen mit zu den Initiatoren – ein breites Bündnis aus Eltern und Schülervertretungen, Gewerkschaften, Parteien und weiteren Vereinigungen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, eine Änderung des Schulgesetzes in Sachsen-Anhalt auf den Weg zu bringen. Ziel ist ein Schulsystem ohne Unterrichtsausfall und mit ausreichend Lehrern sowie pädagogischen Mitarbeitern und Sozialarbeitern. Dass hier Nachholbedarf besteht, weiß auch Willi Potschmann aus Burg. Der Rentner sieht seine Kinder und Enkel jeden Tag. „Ich bin manchmal richtig erstaunt, wie viele Lehrer fehlen“, sagt er.

Genau das müsse sich dringend ändern, sagt Heike Puschmann. Es müsse mit dieser Initiative erreicht werden, dass künftig anhand der Schülerzahl mit einem festen Schlüssel berechnet wird, wie viele Lehrkräfte und dazugehörige Mitarbeiter zur Verfügung stehen müssen.“ Nur so könne ein Stück Verlässlichkeit in der Bildungspolitik erzielt werden. Das unterstreicht auch Burgs Vize-Stadtratsvorsitzende Barbara Bester. Sie hat die Schulentwicklung in der Kreisstadt und im Jerichower Land über Jahrzehnte politisch mit begleitet. Ihre Forderung an die „Verantwortlichen in der Politik“ ist ganz eindeutig: „Auf Kosten der Bildung darf nicht länger gespart werden. Hier geht es um die Zukunft unseres Landes. Das haben einige leider vergessen.“

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165.000 Unterschriften nötig

Worte, die auch Heiner Kilz unterstreicht. „Das Land muss handeln“, betont der Burger. Er hofft wie viele andere, die ihre Unterschriften auf die Listen setzen, dass sich die Abgeordneten „mit dem Thema ausein- andersetzen“. Dafür sind rund 165.000 Unterschriften notwendig. „Und die werden garantiert erreicht“, ist sich Barbara Scheppe sicher. So besuchten am Donnerstagvormittag mehr als 50 Interessierte binnen einein- halb Stunden den Stand vor einem Supermarkt und nahmen den Kugelschreiber zur Hand.

Sollte das Volksbegehren erfolgreich sein, könnte das nach Berechnungen des Bildungsministeriums ein Plus von 3000 bis 3600 Vollzeitstellen zum Schuljahr 2021/2022 bedeuten. Das hätte auch Auswirkungen auf den Landeshaushalt. Etwa 200 Millionen pro Jahr müssten eingestellt werden.