Vor Streik erst neue Gespräche

Von Andreas Mangiras

Wird es im Oktober zu neuen Kita-Streiks kommen? Die Gewerkschaften haben den Schlichterspruch abgelehnt.

Burg l Ob es im Herbst in Burg zu Streiks an den kommunalen Kindereinrichtungen kommen wird, ist es derzeit "noch viel zu früh für eine konkrete Aussage." Das erklärte Bernhard Ruth, Pressesprecher der Stadt Burg, auf Volksstimme-Anfrage. "Zunächst sollen erstmal die Gespräche wieder aufgenommen werden", betonte Ruth. "Solange wir miteinander sprechen, wird nicht gestreikt."

Hintergrund ist: Die Gewerkschaften Verdi, GEW und Deutscher Beamtenbund haben den jüngsten Schlichterspruch für die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst abgelehnt. Die Empfehlung der Schlichter lag im Kita-Tarifbereich bei Steigerungen von 2 bis 4,5 Prozent. Vor allem bei Verdi ist die Ablehnung an der Basis groß. 70 Prozent sagten bei einer Befragung Nein zum Schlichterspruch.

Die Gewerkschaften fordern eine höhere Eingruppierung der Erzieher von derzeit Stufe 6 (seit 1991 gültig) auf Stufe 10. Das entspräche einer Gehaltssteigerung von etwa zehn Prozent. Die Erzieherinnen sollen nach Gewerkschaftsforderung einkommensmäßig Technikern oder Meistern im öffentlichen Dienst gleichgestellt werden. Eine Erzieherin bekäme in diesem Fall nach acht Jahren im Beruf monatlich dann 3308 Euro statt 2877 Euro brutto.

An Realitäten orientieren

"Wir tun uns schwer damit, auszurechnen, was die einzelnen Forderungen und Abschlüsse für die Stadt Burg zum jetzigen Zeitpunkt bedeuten würden", sagt Ruth. Neun Kitas und zwei Horte hat die Stadt Burg.

"Natürlich wären höhere Abschlüsse und Einstufungen wünschenswert", stellte Ruth die prinzipielle Position der Stadt dar. "Aber die Tarifparteien müssen sich an den Realitäten orientieren." Der Burger Stadtsprecher verweist darauf, dass die Kommune die steigenden Kosten stemmen muss.

Anteilig werden auch die Eltern über monatliche Beiträge zur Finanzierung der Kinderbetreuung herangezogen. Der Gesetzgeber räumt die Möglichkeit ein, bis zu 50 Prozent der Kosten über die Elternbeiträge zu decken. In Burg sind es etwa 40 Prozent.

Der Geschäftsführer des kommunalen Arbeitgeberverbands in Sachsen-Anhalt, Detlev Lehmann, hatte mit Blick auf eine mögliche Tariflösung mehr Unterstützung von Bund und Land gefordert. Eine Aufwertung der Berufe sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb sollten sich Bund und Länder finanziell beteiligen, sagt er jüngst gegenüber dpa. Bei allen berechtigten Forderungen der Gewerkschaften dürfe die Belastung nicht allein an den Kommunen hängen bleiben.