Möckern l Wie Polizei und Stadtverwaltung Möckern jetzt berichten, ist es bereits am 20. Januar zu dem Zwischenfall im Rathaus Möckern gekommen. Am dem besagten Montag hatte ein Obdachloser gegen 13 Uhr die Büroräume in den Obergeschossen im Rathaus Möckern betreten, wobei er sich „laut und unangemessen“ bewegt haben soll.

„Er forderte von einem Mitarbeiter Geld, Warmwasser in der kommunalen Notunterkunft und eine warme Wohnung“, berichtet Stadtbürgermeister Frank von Holly. Während der Mitarbeiter versuchte, dies telefonisch zu klären, sei das Verhalten des Obdachlosen so eskaliert, dass sich alle Mitarbeiter der beiden Etagen in ihren Büros einschlossen.

Mann zerschlägt Türfüllung

„Nach 35 Minuten erschien die hinzugerufene Polizei und klärte die Situation durch Hausverweis. Während dieser Zeit randalierte der Mann und zerschlug zum Beispiel eine Türfüllung. Im Ergebnis ist festzustellen, dass ein Mitarbeiter der Stadt langfristig ausfällt“, so der Stadtbürgermeister gegenüber der Volksstimme.

Laut Aussagen von Polizeisprecher Falko Grabowski wurde ein Platzverweis für den Bereich gegen den Mann ausgesprochen, nachdem der Mann aus dem Rathaus gebracht worden war. Eine Straftat habe nicht vorgelegen, der Mann sei nicht körperlich gewalttätig geworden.

Mitarbeiter sind geschockt

Für die Mitarbeiter habe der Schock tief gesessen, sagt dagegen Möckerns Stadbürgermeister. Nachdem die Polizei den Platzverweis ausgesprochen hatte, sei der Dienst für die Mitarbeiter im Rathaus beendet worden. Ein Wachdienst wurde engagiert, um ein wiederholtes Betreten des Rathauses auszuschließen.

Der besagte Obdachlose war zuvor in einer stadteigenen Notunterkunft von Möckern untergebracht gewesen. Dorthin hatte ihn die Polizei in der Nacht zum 11. Januar gebracht, nachdem der Mann im Polizeirevier Burg um Hilfe gebeten hatte, es in Burg aber keine Unterbringungsmöglichkeit gegeben habe. Polizeisprecher Falko Grabowski sprach von Amtshilfe, die nach Koordination der Leitstelle mit der Stadtverwaltung erfolgt sei.

Hausverbot für Obdachlosen

Bei der Unterbringung von Obdachlosen handelt es sich um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Die Unterbringung erfolgt solange, wie die Gefahr besteht. „Gefahr in diesem Sinne ist die Obdachlosigkeit, die abzuwehren ist“, so von Holly. „Für die Bereitstellung von Geld haben wir keine Zuständigkeit“, so der Stadtchef. Für die Unterkunft gibt es eine Hausordnung, die zum Beispiel regelt, dass keine Besucher empfangen und keine Drogen oder Alkohol konsumiert werden dürfen. Der Mann habe sich in der Möckeraner Unterkunft zuvor unauffällig verhalten, so Stadtchef Frank von Holly. „Es gab regelmäßig Kontakt mit Mitarbeiter der Stadt und des Ordnungsamtes.“

Nach dem Vorfall im Rathaus jedoch habe die Stadtverwaltung dem Mann ein Hausverbot für die Unterkunft ausgesprochen, so von Holly, „da der Obdachlose durch sein Verhalten zum Ausdruck gebracht habe, dass er den ‚Herbergsgeber‘ ablehnt und somit seinen Anspruch gegen die Stadt Möckern auf Unterbringung verwirkt hat.“

Damit sollte die Angelegenheit aber noch nicht beendet sein: Im Verlauf des Nachmittags musste die Polizei wegen Drogen- beziehungsweise Alkoholgenusses den Notarzt rufen: Man fand den Mann stark alkoholisiert und offensichtlich unterkühlt im Lochower Weg auf. Es erfolgte die Überführung in das Krankenhaus Burg.

Kein unbeschränkter Zugang zur Finanzkasse

Inzwischen soll der Mann, der zuvor auch in Magdeburger Unterkünften auffällig geworden sein soll, in anderen Teilen des Jerichower Landes unterwegs sein. „Mit einer Rückkehr in die Stadt Möckern ist aus meiner Sicht nicht zu rechnen“, schätzt Frank von Holly die Situation ein. Der Mann habe keinen Bezug zu Möckern.

Die Gründe, die den aufgebrachten Mann hatten ins Rathaus stürmen lassen, erwiesen sich laut Frank von Holly übrigens als haltlos: „Bei einer Objektkontrolle durch das Ordnungsamt wurde festgestellt, dass die Unterkunft durchaus warm war, eher überhitzt.“ Warmwasser habe „zumindest leicht erwärmt“ zur Verfügung gestanden.

Barrierefreier Zugang

Der Möckeraner Hauptamtsleiter Holger Maier forderte nach den Vorfällen eine sachliche Auswertung und mögliche Konsequenzen. Diese könnten schon beim Umbau des Verwaltungssitzes II in der Grätzer Straße (ehemalige Polizei) zum Tragen kommen. In der Sitzung des Bauausschusses war über die behindertengerechte Erreichbarkeit der hier unterzubringenden Finanzverwaltung geredet worden.

Dabei ging es über einen behindertengerechten Zugang über den Hof, der durch eine sich automatisch öffnende Tür geregelt werden könnte. Frank von Holly deutete an, dass eine solche Tür möglicherweise nur von Mitarbeitern – also von innen – zu öffnen sein soll.