Körbelitz l Einen Rechtsanspruch auf einen Winterdienst gibt es nicht, sagt Regionalbereichsleiter Stefan Hörold von der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt zum Hintergrund. Der Winterdienst habe „im Rahmen der Leistungsfähigkeit“ zu erfolgen. So sehen es die Straßengesetze von Bund und Land vor. Hörold ist zuständig für insgesamt vier Straßenmeistereien in Sachsen-Anhalt und auch Chef der Meisterei in Körbelitz. Von hier aus werden bei eisigen Temperaturen und bei Schneefall 363 Kilometer Straßen des Bundes, des Landes und des Kreises geschoben und gestreut. Die Straßenmeisterei in Körbelitz ist außerdem zuständig für 33 Kilometer Radwege im Jerichower Land. In der Zeit von 3 bis 6 Uhr muss das Gebiet bereits einmal vom Winterdienst durchfahren sein – so sehen es die Regelungen vor. Grundsätzlich sind die Mitarbeiter der Straßenmeisterei bei Eis, Glätte und Schnee von 3 bis 22 Uhr im Einsatz. Bei besonders extremen Bedingungen sogar rund um die Uhr.

„Wenn sehr viel Schnee fällt, dann hören wir natürlich nicht auf zu schieben“, sagt Hörold. Das werde aus der Situation heraus von der Straßenmeisterei entschieden und sei eher die Ausnahme. In der Regel wird in zwei Schichten von 3 bis 22 Uhr nach einem festen Tourenplan gefahren. Dabei gibt es mehrere Schleifen, die befahren, beräumt und gestreut werden.

Bundesstraße 1 hat Vorrang

„Vorrang haben die Bundesstraße 1 und die Bundesstraße 184“, sagt Hilmar Schell, technischer Mitarbeiter der Straßenmeisterei Körbelitz.

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Anschließend folgen die Landes- und Kreisstraßen. Für letztere gibt es eine Vereinbarung mit dem zuständigen Landkreis, dass die Straßenmeisterei den Winterdienst hier mit übernimmt.

Pro Schleifen zwischen 35 und 50 Kilometer

Acht Schleifen werden auf den Straßen gefahren, eine auf den Radwegen. Pro Schleife sind das zwischen 35 und 50 Kilometer. Dabei sind bis zu neun Fahrzeuge im Einsatz.

Zur Straßenmeisterei gehören zwei Lkws und ein Räumfahrzeug. Bei Schnee fahren zusätzlich sechs Lkw von Unternehmen mit ihren Schiebern über die Straßen. Pro Fahrzeug sind bis zu drei Fahrer in Schichten eingesetzt. Neun Mitarbeiter hat die Straßenmeisterei in Körbelitz. Im Sommer reicht das Personal für die Straßenunterhaltung aus. Im Winter werden zusätzliche Leistungen „personell und technisch“ eingekauft, sagt Hilmar Schell.

Von 6.30 bis 15.30 Uhr im Einsatz

„Wir haben hier ein Arbeitszeitmodell in drei Stufen“, erklärt Stefan Hörold. Wenn es keine besonderen Vorkommnisse gibt, dann arbeiten die Mitarbeiter von 6.30 bis 15.30 Uhr. In der ersten Stufe des Winterdienstes gibt es eine Rufbereitschaft und regelmäßige Kontrollfahrten, um zu überprüfen, ob die Straßen glatt sind. Wenn es die Wetterlage erfordert, greift dann der Schichtdienst mit mindestens zwei Schichten zwischen 3 und 22 Uhr, und bei Extremlagen der Rund-um-die-Uhr-Einsatz.

10.000 Tonnen Salz warten im Lager der Straßenmeisterei auf ihren Einsatz. Eingesetzt werden sie unter anderem von Heiko Ulrich, der das Salz mit dem Räum- und Streufahrzeug auf die Straßen bringt. 350.000 Euro kostet so ein Fahrzeug. Es ist mit modernster Technik ausgestattet. Vom Steuerpult in seinem Cockpit aus bedient Heiko Ulrich die Hydraulik. Mit dem Joystick wird der Schneepflug gesteuert. Eine Infrarotkamera gibt ihm Auskunft über die aktuelle Beschaffenheit der Straße. Nass? Gefroren? Genügend Streusalz aufgebracht? All das kann Ulrich vom Cockpit aus prüfen und entsprechend die Streubreite und die Menge des Salzes einstellen. Seit 1992 arbeitet Ulrich bereits als Fahrer im Winterdienst. 1995 kam er zur Straßenmeisterei nach Körbelitz. Pro Schicht im Winterdienst fährt er bis zu drei Runden mit jeweils etwa 150 Kilometer Straßen ab.

Informationen sind für Arbeit wichtig

Die Arbeit im Winterdienst habe insgesamt viel mit Erfahrung zu tun, sagt Stefan Hörold. „Und diese Erfahrung haben unsere Kollegen.“ Grundlage ihrer Arbeit sind viele Informationen: Der Deutsche Wetterdienst liefert Infos zum Wetter zehn Tage, drei Tage und 24 Stunden im Voraus. Die Fahrbahntemperatur, ihre Beschaffenheit und auch der Restsalzgehalt werden per Infrarotsensoren an verschiedenen Punkten der Straßen regelmäßig gemessen. Dadurch können die Mitarbeiter unter anderem abschätzen, in wie viel Stunden nachgestreut werden muss.

Auch präventiv wird die Straßenmeisterei tätig. Je nach Wetterlage fährt der Winterdienst schon in der Abendschicht Schleifen, um vorzusorgen, dass überfrierende Nässe gar nicht erst entsteht.

Enge Kooperation mit Polizei

Mit Polizei und Leitstelle arbeiten die Mitarbeiter eng zusammen. Sie tauschen Informationen zu Straßenbeschaffenheit und Verkehrslage aus.

Die Beschwerden über den Winterdienst halten sich in Grenzen, kommen aber vor, sagt Hilmar Schell. Allerdings erleben die Kollegen, die mit den Räum- und Streufahrzeugen unterwegs sind, immer wieder sehr gefährliche Situationen. Das Räumfahrzeug zu Drängeln ist dabei noch die harmlosestes Variante. Riskante Überholmanöver sind richtig gefährlich und leider gar nicht so selten, wie Schell sagt. Mehr Respekt und gegenseitiges Verständnis – das wünscht sich Hilmar Schell.