Möckern l Bereits am frühen Morgen schaut Natalie Nowacki nach den Pferden auf der Koppel am Lochower Weg. Denn nachdem hier in der Nacht zu Sonntag ein totes Pferd gefunden wurde und der Wolf als Verursacher vermutet wurde, kontrollieren die Mitglieder der Koppelgemeinschaft etwa alle vier Stunden die Weide und die Pferde.

Der jungen Frau aus Möckern fällt auf, dass der rechte Vorderlauf ihrer 26 Jahre alten Reitpony-Stute „Ronja“ blutet. „Es ist die gleiche Weide, erneut geht es um ein weißes Pferd, auch die Größe ist die vom letzten Pferd“, sagt Natalie Nowacki. Damit meint die Möckeranerin die Appaloosa-Stute, die am Sonntagmorgen tot auf der Weide lag, mit leichten Fraßspuren an Hinterteil und Maul. Am Mittwoch hatte das Landesamt für Umweltschutz eine Pressemeldung verbreitet, wonach das Pferd nicht vom Wolf gerissen worden sei und die genaue Todesursache vom Landesamt für Verbraucherschutz untersucht werde.

Keine Verletzung durch Zaun

Natalie Nowacki hält es dennoch für möglich, dass ein Wolf nun ihre „Ronja“ angegriffen hat: „Ich bin den Zaun abgegangen, das Pferd hat sich daran nicht verletzt.“ Nach Mitternacht müsse der Angriff stattgefunden haben, ist sie sicher, denn bis dahin habe ein Jäger in der Nähe einen Hochsitz bezogen.

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Natalie Nowacki informiert am Donnerstagmorgen einen Tierarzt und das Wolfskompetenzzentrum. Der Tierarzt Erich Vogt aus Loburg ist als erster da. Er möchte sich anhand der Spurenlage nicht völlig festlegen, sagt aber am Volksstimme-Telefon: „Zwei Wunden äußerlich und innerlich der Fessel mit Blutaustritt, so etwas kommt in der Natur nicht zufällig vor, das deutet auf einen Beißversuch hin. Das ist verdächtig.“

Jäger-Chef kann Angst der Tierhalter verstehe

Gegen 11 Uhr wird es betriebsam auf der sonst so ruhigen Koppel. Der Vorsitzende der Jägerschaft Burg, Peter Ziems, und ein Möckeraner Jäger, Thomas Brumme, kommen vorbei, suchen die Umgebung nach Wolfsspuren ab. Dass der Wolf in dem Areal heimisch ist, steht schon länger fest. „Verwirrend“ nennt Ziems die aktuelle Situation: „Ich bin selber Tierhalter und kann die Angst der Tierhalterin hier sehr gut nachvollziehen.“

Kurz darauf folgen weitere Medienvertreter. Nach dem toten Pferd vom Sonntagmorgen steht schließlich die Frage im Raum, ob der Wolf nun tatsächlich auch Pferde angreift. Es wäre das erste Mal in Sachsen-Anhalt, dass ein Wolf auch Großpferde angreift.

Experten hoffen auf schnelle Labor-Ergebnisse

Gegen 11.30 Uhr erreichen die Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrum den Schauplatz. Zu dritt sind sie gekommen. Sie nehmen DNA-Proben von der Wunde der Stute, fotografieren die Verletzung, gehen den gesamten Zaun der Koppel ab. An einer Stelle im Stacheldraht hatte Natalie Nowacki graue Fellreste gefunden. Beutel mit Proben verstauen die WZI-Mitarbeiter, Protokolle werden ausgefüllt. Dann ist die Arbeit vor Ort beendet. Die DNA-Untersuchungen werden zeigen, ob der Wolf in Frage kommt. Das Ergebnis könnte zwei bis sechs Wochen auf sich warten lassen. „Wir hoffen, dass wir die Proben als Eilauftrag losschicken können“, so WZI-Nutztierrissbegutachterin Julia Kamp. Vermutungen, ob die Verletzung des Pferdes von einem Wolf herrühren könnten, mag sie gegenüber den anwesenden Medienvertretern nicht äußern: „Die Erfahrung hat gelehrt, auf die Laborergebnisse zu warten.“

Die Mitglieder der Möckernaer Koppel-Gemeinschaft wollen ihre Weide sicherheitstechnisch aufrüsten. Wildkameras wurden bestellt, ebenso Tierstörer mit Bewegungsmeldern. Weidedrähte sollen angeschafft werden. Das alles kostet Geld. „So macht Pferdehaltung keinen Spaß“, so Pferdebesitzerin Natalie Nowacki.