Gardelegen (iwi) l Diese Aktion ist ihm ein dringendes Bedürfnis, denn „es ärgert ihn schon seit Jahren: der Zustand des Hauptknotenpunktes des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs meiner Region“, wie CDU-Landtagsmitglied Uwe Harms es am gestrigen Montag formulierte. Und deswegen hat Harms am Freitagnachmittag gehandelt und Bändchen angeknotet. In einer Bushaltestelle auf dem Bahnhofsvorplatz hat er ein Banner aufgehängt mit dem Text: „Gesprächspartner gesucht! Wer trägt die Verantwortung, dass hier am Gardeleger Busbahnhof eine öffentliche Toilette fehlt. Bitte melden bei Uwe Harms im CDU-Büro am Gardeleger Rathausplatz.“ Die Schriftfarbe blau sei ganz passend zur Farbe der Haltestelle, so Harms.

Er habe das bewusst thematisiert, „auch wenn man sich als Landtagsabgeordneter um solche Angelegenheiten nicht so häufig kümmert“. Aber schließlich sei es ein Knotenpunkt, der nicht für Gardeleger wichtig sei, sondern auch für Personen aus den umliegenden Gemeinden mit insgesamt 40 000 Einwohnern und Gästen.

Keine Reaktion

Er suche mit dem Plakat viele Gesprächspartner „und ganz bewusst die Öffentlichkeit“. Und er habe es auch in den vergangenen Jahren immer wieder probiert, Gespräche geführt, sogar Fördermittel angeboten – doch nichts habe bisher zum Erfolg geführt. Wen er genau mit seinem Aufruf in Banner-Form ansprechen will, ließ Harms gestern offen. Auch das Ziel, etwa ein Dixie-Klo oder ein neugebautes Toilettenhäuschen, konkretisierte er nicht. „Ich will meinen Gesprächspartnern nichts vorweg nehmen“, sagte er kryptisch. Auch mit wem er in den vergangenen Jahren bereits gesprochen hat, sagte der Landespolitiker nicht.

Ein ganz bisschen mehr Inhalt gab es dann doch noch: „Es geht mir tatsächlich um mehr als nur die Toilette.“ Wenn etwa Gäste mit dem Zug anreisen und dann zum Vorstellungstermin ins Gewerbegiet wollen, „finden sie hier nicht einmal einen Stadtplan“. Und Gardelegen sei schließlich eine Industriestadt, so Harms. Und er frage sich auch, ob man in Gardelegen „so mit Touristen umgehe möchte“. Er möchte, dass der Busbahnhof ein attraktiver und leistungsfähiger Verkehrsknotenpunkt werde.

Bürgermeisterin Mandy Zepig teilte auf Anfrage mit, „dass Herr Harms mit mir noch nie über das Thema gesprochen hat“. Sie hätte sich gefreut, wenn er sich bei ihr gemeldet hätte, so Zepig. Öffentliche Toiletten seien ein Problem in der Stadt. Eine Toilette am Busbahnhof wäre natürlich eine schöne Sache. Aber: Die am Tivoli sei schon seit Jahren wegen Vandalismus geschlossen. Zepig: „Ein Problem, das alle Städte haben.“ Die öffentliche Toilette am Haus II werde zurzeit tagsüber geöffnet. Dort funktioniere das Bezahlsystem nicht mehr – „und eine Reparatur ist teurer als alles andere“, so die Bürgermeisterin.

Die Bushaltestelle, an der seit Freitagnachmittag das Harms-Plakat hängt, ist in kommunalem Besitz. Und da es sich bei dem Banner um Werbung handelt, hätte der CDU-Mann das beantragen müssen. „Bei uns liegt kein Antrag vor“, sagte dazu Isolde Niebuhr, Fachdienstleiterin im städtischen Ordnungsamt. Sie werde die Angelegenheit nun prüfen. Sollte ein Verstoß gegen die Nutzung von öffentlichen Wegen, Plätzen und Anlagen festgestellt werden, liegt eine Ordnungswidrigkeit vor. Die könne mit einer Geldbuße von bis zu 2000 Euro bestraft werden, so Niebuhr.