Zichtau l Die Vorleserin der Krimis selbst hatte sich vorsichtshalber Fencheltee mitgebracht. „Nein, nicht zur Beruhigung. Sondern für die Stimme“, sagte Charlotte Knappstein mit einem Augenzwinkern. Und das war sicher gut geplant, denn in den rund zwei Stunden Lesung fielen viele Worte. Für die rund 30 Gäste am Kamin des Kornspeichers auf Gut Zichtau gab es hingegen Birnenglühwein. Wem im flackernden Feuerschein nicht warm genug wurde, der durfte also von innen nachhelfen.

Lieber Knast als Weihnachtsgeschäft

Spannend wurde es allemal, als die Künstlerin mit der markanten Altstimme begann, aus „Früher war Weihnachten später“, dem Krimi-Adventskalender „Leise rieselt der Schnee“ und „O Du Schreckliche“ zu lesen. Sämtliche der kriminellen Geschichten spielten in der Weihnachtszeit. Und deren Figuren hatten keineswegs vor, besinnliche Weihnachten zu verbringen. Auch wenn sie selbst die mörderischen Wendungen ihres Lebens nicht immer selbst bestimmten. So wie Null12, die Verkäuferin, die eigentlich Simone Pelzer heißt, aber immer nur als Zahl gerufen wird. Dass ihre nervige Kundin an dem selben Gürtel hängend stranguliert aufgefunden wird, wegen dem sie Null12 richtig genervt hatte, dafür konnte Simone wirklich nichts. Aber lieber in den Knast, als auch noch das Umtauschgeschäft nach Weihnachten mitzumachen, dachte sich die Protagonistin.

Von diebischen Putzfrauen, die Robin-Hood-gleich das Kosmetikarsenal von Hotelgästen plündern oder Nachbarn im Lichter-Aufrüstungswahn zur Adventszeit, die plötzlich tot in Tannenbäumen und aufgespießt auf ihren leuchtenden Gartenzäunen hängen, las Charlotte Knappstein mimikreich und so mitreißend, dass sich ihre Zuhörer sogar selbst im kriminellen Milieu wiederfanden und erkannten. So mancher Lacher zeugte davon. Ein Mordsspaß war es, der Hilmsenerin zuzuhören.

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