Gardelegen l Schon von draußen hört man ihn krakeelen: Offensichtlich hat der Herr dort im Keller unter der Apotheke ein bisschen zu tief ins Glas geschaut. Und tatsächlich: Apotheker Bartholomäus Hecht selbst hat sich wieder mal heftig am – eigentlich für medizinische Zwecke bestimmten – Branntwein vergriffen. Seine liebe Frau Kunigunde, ist darüber zwar nicht entzückt. Weil ihr Liebster aber gar so schmeichelt, kriegt er zum Abschied noch einen Kurzen eingeschenkt. Aber dann soll er „endlich schlafen gehen“. Schließlich wollen die Gäste gemütlich feiern.

Meisterkoch Harald Storz in der Küche

Die Gäste, das sind an diesem Abend acht Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Lebensfreude für die Seele“, die sich von Kunigunde, in persona von Tourismusbüromitarbeiterin Gabriele Jülichs, überreden ließen, einfach mal das neue Angebot der Stadt auszuprobieren: Es heißt Schlemmen wie im Mittelalter und findet passenderweise im Keller unter dem Apothekenmuseum – also wirklich in mittelalterlichen Gemäuern – statt. Der Tisch ist allerdings für zehn gedeckt: Schlussendlich finden nämlich Gabriela Winkelmann, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit, und tatsächlich auch Apotheker Hecht noch ein Plätzchen am Tisch. Denn in Wirklichkeit steckt Stadtmitarbeiter Rupert Kaiser in dessen Rock, und das ganze Theater war wirklich nur Theater, versichert er, „obwohl Bartholomäus Hecht (1567 - 1590) laut Überlieferung tatsächlich gern tief ins Branntweinglas schaute, deshalb hieß die Apotheke damals auch Blauer Hecht.“

Dann freuen sich alle aufs Essen. Und dafür wiederum ist Meisterkoch Harald Stotz zuständig. Eine Treppe weiter unten schneidet er noch schnell Brot, bevor er mit der „Brühe vom Ochs mit Kräuterfädlen“ die Vorspeise serviert. Später wird es noch „geselchten Schweinebraten mit Tunke“ geben und „Käs vom Zicklein und einen Bratapfel“ zum Schluss. Alles ist schon vor Ort und riecht köstlich. „In Harald Storz und Kiro Marinow (Chef des Restaurants Trakia) haben wir tolle Partner für unsere neue Idee in gefunden“, freut sich Gabriela Winkelmann. Denn nach dem Testlauf soll das Angebot künftig für alle gelten: Etwa ab Mitte Januar kann man den mittelalterlichen Schlemmerabend im Museumskeller buchen. Mehrere Menüs stehen zur Wahl. „Allerdings sollten es mindestens zehn Gäste sein (etwa zwölf passen an den großen Eichentisch), damit sich das Kochen und Bewirten lohnt, macht Harald Storz klar.

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Mittelalterliche Unterhaltung als Angebot

Freuen können sich die Gäste dann auf ein fast echtes Mittelaltermenü, einschließlich Bier und Wein – aus dicken Humpen, versteht sich. „Und wer mag, kann sogar mit den Fingern essen“, verspricht Storz augenzwinkernd.Und noch eine weitere Idee haben die Initiatoren schon: So sollen die Kunden eventuell passende Unterhaltung dazubuchen können, wie zum Beispiel einen Bänkelsänger oder mittelalterliche Instrumentalmusik, sagt Gabriela Winkelmann. Und selbstverständlich können die Besucher sich das Museum anschauen, in dessen Keller sie etwa für zwei bis drei Stunden sitzen und schlemmen dürfen. „Das bietet sich ja einfach an.“