Ackendorf l Die Idee kam ihm beim Melken. Und aus seiner Idee wurde eine hochmoderne Reitanlage mit 24 Boxen, einer Reithalle mit 25 mal 55 Metern und drei Angestellten. Der Estedter Dietmar Mewes betreibt den Ausbildungsstall am Weinberg in Ackendorf. Der Stall hell und freundlich, ein breiter Boxengang, modern mit Waschplatz und Solarium. Daran schließt sich direkt die Reithalle an. „Eine Entscheidung, die wir nicht bereut haben, denn das bringt viel Ruhe für die Arbeit“, sagt Mewes.

Reitanlage als Nebenbetrieb

Dass aus seiner Idee auf einem 1,96 Hektar großen Grundstück, wovon ein Teil seiner Familie gehört und ein weiterer Teil mit Wohnhaus dazu gekauft wurde, Realität wurde, ist ganz eng mit einem Namen verbunden: mit Pferdewirtschaftsmeister Karl-Heinz Finkler. „Ohne Kalle hätte ich es nicht gemacht“, sagt Mewes, der in Estedt ein Landwirtschaftsunternehmen mit Angestellten betreibt, außerdem einer von fünf Gesellschaftern der Gardeleger Biogas GmbH ist – und die Reitanlage eigentlich nur nebenbei betreut. Ausbilder Karl-Heinz Finkler genießt in der Altmark seit Jahren einen exzellenten Ruf: die Pferde immer bestens herausgebracht und auf den Punkt vorbereitet. Den jungen Vierbeinern wird bei der Ausbildung ausreichend Zeit gegeben, auf jedes Pferd und seinen Charakter gehen Finkler und seine Mitarbeiterinnen Michaela Nieswandt und Sarah Winkler individuell ein.

Mit Finkler zusammen schaute Mewes vor dem Bau der Reithalle viele Ställe in Schleswig-Holstein und Niedersachsen an. „Wir haben uns aus allen Ideen das rausgesucht, was für uns in Ackendorf optimal ist“, so der Estedter. Vor gut vier Jahren, im Dezember 2011, war die Eröffnung der Anlage. Die Hoffnung des Besitzers: „Ich habe Spaß an den Pferden, und ich möchte später einfach durch den Stall gehen und das dann genießen können.“ Doch es ist nicht nur Genuss, „ist es harte Arbeit“, so Mewes.

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Zwar sind die 24 Boxen nahezu ständig belegt – wer sein Pferd oder Pony einreiten oder einfahren lassen, zur Vorbereitung für Körungen oder Stuteneintragungen bringen möchte, muss eine Wartezeit in Kauf nehmen: „Klein, aber fein ist unser Motto.“ „Aber der Absatz der Pferde ist nicht einfach“, so Mewes, der in jedem Sommer einige gute Hengstfohlen – vielfach aus der Altmark – ankauft und sie dann zwei Jahre zusammen auf seinen Wiesen in der Gruppe aufzieht.

Acht Hengstfohlen jedes Jahr

Von den acht Absetzern bleiben meist fünf übrig, die für Körungen in Frage kommen. Im Schnitt zwei bis drei schaffen die Qualifikation zur Hengstkörung – und dann geht das große Bangen los. So wie übernächste Woche wieder bei den süddeutschen Hengsttagen in München im Olympia-Park, wo ein Ackendorfer Junghengst vom Dressurvererber Domherr aus einer Paradiesvogel-Kolibri-Stute die Körjury überzeugen soll. Der braune Junghengst kam 2013 im Stall von Ariane und Willi Beneke in Lüffingen zur Welt.

2014 waren Mewes und Finkler zum ersten Mal mit Junghengsten in München. „Das ist einfach ein ganz anderer Markt. Da ist viel mehr Geld bei den Käufern“, so der Estedter. Und sie stellten dann mit dem Olympic Fire-Levisto-Nachkommen sogar einen Prämienhengst. Die Körung ist gleichzeitig Verkaufsmarkt. Auch die nicht gekörten Hengste werden versteigert. Doch für Beschicker aus dem Norden sei es bei den Bayern nicht einfach. „Da wird man schon noch sehr kritisch angeschaut“, so Mewes. Nicht immer werde die Qualität der Pferde mit entsprechenden Preisen belohnt.

Er ist sogar dazu übergegangen, dass Fohlen, die er kauft, nicht mehr den Verbandsbrand Pfeil und Schlange erhalten, sondern nur gechipt werden. „Ich bin ja Lokalpatriot, aber das Brandzeichen bringt einen da unten nicht weiter.“ Auch bei der Körung 2015 in München stellte der Ausbildungsstall einen Prämienhengst, abstammend vom Trakehner Millenium, doch er brachte weniger ein, als Mewes erhofft hatte. Das sind Momente, die frustrieren.

Bis die Pferde es nach München oder zur Sattelkörung schaffen, ist es ein weiter Weg. Sie müssen gesund bleiben und sich optimal entwickeln. „Deswegen halten wir die Jahrgänge in Gruppen. Ein Hengst muss in einer Gruppe aufwachsen, um Sozialverhalten zu lernen.“

Gelassene Pferde, mit denen auch die junge Frauen im Stall gut arbeiten können. Darauf wird im Ackendorfer Ausbildungsstall Wert gelegt. So auch beim Training. Während Sarah Winkler die Pferde im Stall und auf der Stallgasse vorbereitet, longiert Michaela Nieswandt. In aller Ruhe geht der junge Köraspirant in die Reithalle – und zieht dann zum Aufwärmen im Galopp und Trab seine Runden. Schon wenige Schritte von Nieswandt zur Seite reichen, und der Hengst weiß, was er machen soll. Es geht ruhig zu, ab und zu gibt es lobende und beruhigende Worte. Nach dem Freispringen dampft der Braune. Auf dem Waschplatz spült Sarah Winkler den Schweiß mit warmem Wasser herunter, danach kommt die Abschwitzdecke drauf, die Arbeitsschicht für den Junghengst ist beendet.

Wer es vom einstigen Spitzenfohlen nicht zum Körkandidaten schafft, wird als Reitpferd verkauft – meistens auch in den Süden und Westen. Die gute Ausbildung der Pferde hat sich rumgesprochen, auch der TV-bekannte XXL-Ostfriese und Pferdetherapeut Tamme Hanken hatte schon einmal ein Pferd in Ackendorf. „Wir haben uns als Stall inzwischen einen Namen gemacht“, so Mewes. Kunden kommen aus Hamburg und Oldenburg, um ihre Pferde in der Altmark ausbilden zu lassen. Dennoch ist es ein schwieriges Geschäft, weil wenig vorhersehbar „und der Hengstmarkt extrem schnelllebig geworden ist“.

Anspannen am Sonntagvormittag

Die Fohlen von Cerstin und Dietmar Mewes kommen jedes Jahr im heimischen Stall in Estedt zur Welt. Elf Stuten, darunter nicht nur Deutsche Sportpferde, sondern auch schwere Warmblutpferde, werden täglich versorgt. Die schweren Warmblüter, imposante Fahrpferde in dunkler Jacke, hat Mewes schon bis nach Südfrankreich verkauft. Und sie sind sein ganz persönlicher Ausgleich: wenn er es schafft, am Sonntagvormittag mal anzuspannen und mit der Kutsche durch die Altmark zu fahren.