Abiturzeugnisse

„Alles andere, als selbstverständlich“: 51 Abiturzeugnisse im Gardelegener Gymnasium überreicht

Es war eine Zeugnisausgabe in kleinerem Rahmen als sonst, aber nicht weniger feierlich und sehr besonders: Nach einem Jahr, wie es wohl kein Abschlussjahrgang je zuvor erlebt hat, verabschiedete das Geschwister-Scholl-Gymnasium gestern seine Zwölftklässler.

Von Von Gesine Biermann
Schulleiterin Steffi Ros gratulierte allen Abiturienten, hier Alexandra Kämpfer aus der Klasse 12c.
Schulleiterin Steffi Ros gratulierte allen Abiturienten, hier Alexandra Kämpfer aus der Klasse 12c. Foto: Gesine Biermann

Gardelegen - Zeugnishefte, Blumen, Glückwünsche und Tränen der Rührung. Es war wie immer – und doch war es das nicht. Und es war „alles andere als selbstverständlich“, betonte auch Schulleiterin Steffi Ros. Denn die 51 jungen Leute, die gestern  das Ergebnis  jahrelangen Lernens  in der Hand hielten, hatten Tage und Wochen im Homeschooling hinter sich, im wechselnden Präsenzunterricht, manche zeitweise in Quarantäne. Den Spruch der Zwölftklässler: „Die Schule war öfter dicht als wir“, hatte die Direktorin  denn auch in ihre Abschlussrede aufgenommen. So lustig er klingt: Der Hintergrund ist traurig. Feiern war verboten und das Lernen erfolgte zu Hause. Für die  Abiturienten 2021 war nichts so, wie es hätte sein sollen ...

Und  daran erinnerte  Steffi Ros natürlich in ihrer Rede. Sie wolle „keine guten Ratschläge“ geben, betonte sie,  „und auch nicht vom Ernst des Lebens predigen, der euch angeblich nun erwartet“. Schon deshalb nicht, weil sie damit unterstellen würde, dass das Erreichen des Abiturs, vor allem unter den schwierigen Bedingungen der vergangenen anderthalb Jahre, ein Klacks war, dass „alle Entbehrungen, die ihr erbringen musstet, der reinste Spaß gewesen wären“.

Dass selbst unter diesen Bedingungen  gute Leistungen möglich waren, zeigten dennoch viele der Schüler. Die fünf Besten (siehe Infokasten) nannte Steffi Ros namentlich.

Abiball mit viel Aufwand organisiert

 Zudem gab es ein großes Dankeschön für das außerschulische Engagement einiger Schüler. So für das langjährige Chormitglied Helene Grabert und für David Wolfowski und seine tolle Arbeit  in der AG Stolpersteine. Er durfte sich dafür, ebenso wie die fünf leistungsstärksten Schüler, in das Ehrenbuch der Schule eintragen.

Nicht unerwähnt ließ Ros aber auch den besonderen Einsatz vieler Schüler – und auch Lehrer –, der schlussendlich den gestrigen Abiball ermöglichte, auf den sich die Schüler freuen durften. Denn dessen Planung war diesmal nicht mit  Essensbestellung, Programm  und  Einladungskarten erledigt, sondern verlangte neben einem riesigen Organisationsaufwand auch ein Hygienekonzept und vieles mehr. Längst nicht allen Schülern in Sachsen-Anhalt war es gelungen,  ein solches Fest auf die Beine zu stellen.

Wie sehr sie von den Leistungen der Schüler beeindruckt ist, zeigte gestern zudem Bürgermeisterin Mandy Schumacher. Von wegen „Corona-Abi mit Makel: Im Gegenteil!“, betonte Schumacher, was die Absolventen in diesem Jahr geleistet hätten, sei ein Abi unter erschwerten Bedingungen. Sie empfahl allen, nun erst einmal in die Welt hinauszuziehen, dann aber wiederzukommen nach Gardelegen. Darauf und darüber würde sie sich freuen.

Bevor es die lang ersehnten Zeugnisse gab, wandte sich Ros noch mit einer besonderen Bitte an die Schüler: „In den letzten Monaten verschärften sich in unserer Gesellschaft die Fronten, der Umgangston wurde rauer, viele glaubten, als einzige die Wahrheit zu kennen, sei sie noch so alternativ. Verleumdungen wurden salonfähig.“ Das mache sie   „unglaublich fassungslos“ und das mache ihr Sorgen. Deshalb richtete sie ihren Appell an die Abiturienten, als reife, kritische und weltoffene Menschen ins Leben zu treten und bat: „Helft, den Egoismus und der Selbstsucht niemals die Überhand über Rücksichtnahme und Menschlichkeit gewinnen zu lassen. Ich baue auf euch!“