Gardelegen l „Willkommen im Krankenhaus Gardelegen, Ihrem Krankenhaus im Grünen. Von der Geburtshilfe bis zur Geriatrie. Wir stehen an Ihrer Seite – persönlich und ein Leben lang.“ Damit wird auf der Homepage des Altmark-Klinikums für den Standort Gardelegen geworben. Von der Geburtshilfe bis zur Geriatrie – ob das in jedem Einzelfall so bleiben wird, ist derzeit eher fraglich.

Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es nämlich, dass die Station für Kinder- und Jugendmedizin geschlossen werden soll. Und zwar spätestens zum 1. September, denn dann soll die verantwortliche Kinderärztin der Klinik, Ulrike Schulz, in den Ruhestand wechseln. Die hatte vor zwei Jahren die Leitung der Kinderklinik „Dr. Albert Schweitzer“ kommissarisch von Chefarzt Dr. Rainer Genseke übernommen, der seinerzeit in Pension gegangen war.

Gerüchte kursieren länger

Die Gerüchte sollen schon länger kursieren, heißt es. Am 15. Mai habe es eine Versammlung im Klinikum in Gardelegen gegeben. Da sei gesagt worden, dass es so aussehe, dass bis zum Ausscheiden Schulzes kein Nachfolger gefunden werden könne. Aus diesem Grund könne die Kinder- und Jugendstation nicht weitergeführt werden. Die Mitarbeiter der Station würden ihre Arbeitsplätze behalten, aber anderweitig im Klinikum an den Standorten in Gardelegen und Salzwedel eingesetzt.

In der Salus Altmark Holding befinde man sich aktuell in einer intensiven Diskussion über die strategische Weiterentwicklung des Altmark-Klinikums mit den Krankenhäusern in Gardelegen und Salzwedel, bestätigte Salus-Sprecherin Franka Petzke auf Volksstimme-Anfrage. Ein Punkt dabei sei die Zukunft der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung in der westlichen Altmark. Eingebunden in diesen Prozess seien dabei auch die Mitarbeiter der Pädiatrie, Kommunalpolitiker aus der Stadt und des Kreises sowie andere Akteure. Grundsätzlich gebe es aktuell noch keine abschließende Entscheidung über die Perspektive der Kinderstation, betonte Petzke.

Spezialisierung an den Standorten

Ziel sei es, sowohl in der Pädiatrie als auch in anderen Fachgebieten eine bestmögliche medizinische Versorgung der Patienten zu sichern. Das erfordere, den Versorgungsbedarf im Kontext mit der demografischen Entwicklung zu betrachten, die Notfall- und Grundversorgung zu sichern und die Spezialisierung zu fördern.

So wird es künftig nicht mehr an beiden Standorten alle bisher vertretenen Fachgebiete geben. Beispiele seien die Akutneurologie und die Kardiologie. In Gardelegen sei mit der akutneurologischen Behandlungseinheit in telemedizinischer Vernetzung mit der Charité ein Schwerpunkt herausgebildet worden. In Salzwedel wurde das mit dem Herzkatheterlabor auf dem Gebiet der Kardiologie eingeführt.

Fallzahlen rückläufig

Im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin sei es so, dass viele Krankheiten, die früher stationär behandelt worden seien, heute ambulant versorgt würden. Kinder würden zudem in ihrem familiären Umfeld häufig besser genesen als in Krankenhäusern. Die Fallzahlen in Gardelegen seien seit Jahren rückläufig, ebenso die Verweildauer. Die liege aktuell bei drei Tagen.

„Daher gehen die Vorstellungen dahin, die ambulante kinder- und jugendmedizinische Versorgung am Standort Gardelegen auszubauen und den stationären Bereich am Standort Salzwedel zu stärken“, erläuterte Petzke. Auch deshalb, um jungen Assistenzärzten mit Interesse an einer Facharztausbildung ein zeitgemäßes Wirkungsfeld bieten zu können. Die Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung der Chefarztstelle in Gardelegen seien nur ein Beispiel dafür, dass die Fachkräfteknappheit insbesondere im ländlichen Raum ein großes Problem darstelle.

Schreiben an Sozialministerin

„Wir sind im Gespräch“, bestätigte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher gestern auf Volksstimme-Anfrage. Beide Häuser würden sich in einem Weiterentwicklungsprozess befinden. „Und da wollen wir natürlich für Gardelegen so viel wie möglich rausholen“, so Schumacher, wobei die Stadt allerdings keinerlei Entscheidungsbefugnisse habe. Ein entsprechendes Schreiben an Landes-Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sei bereits in der vorigen Woche verschickt worden. Es handele sich um eine gemeinsame Aktion der Stadt, des Sozialausschusses und des Fördervereines der Kinderklinik.