Gardelegen l Lüftungsgitter, Radabdeckungen oder Griffe werden hier im Spritzgussverfahren hergestellt. Das komplette Handschuhfach im Golf 7 stammt zum Beispiel aus Gardelegen. Im örtlichen Boryszew-Werk entstehen Kunststoffteile für die Automobilindustrie – vorrangig für VW.

Produziert wird im Vier-Schicht-System. Die Frauenquote ist hoch. 48 Prozent der Mitarbeiter seien weiblich, beziffert Personalchefin Janine Wittig auf Nachfrage. Aktuell 650 Männer und Frauen stehen in Gardelegen bei Boryszew in Lohn und Brot.

Standortnähe zum Hauptkunden VW

Und die müssen sich in naher und mittlerer Zukunft auch keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen, versichert Cezary Pyszkowski. Der Vorstand der Boryszew S.A., Muttergesellschaft der Boryszew-Gruppe, und Entwicklungsdirektor im Automobilsegment hat am Donnerstag überraschend zum Pressegespräch geladen. Denn es sieht gut aus am altmärkischen Standort. Und das sei „keine vage Zukunftsvision“, betont Pyszkowski. Gerade seien fünf neue Maschinen bestellt worden. Kostenpunkt: rund drei Millionen Euro. Verbunden damit sind möglicherweise auch einige neue Arbeitsplätze, vor allem aber eine deutliche Produktivitätssteigerung. Größter Vorteil in Gardelegen sei nach wie vor die Standortnähe zum Hauptkunden VW, macht Pyszkowski klar: „Wir sind einfach nah dran am finalen Hersteller.“ Das wirke sich vor allem auf die Logistikkosten aus.

Direkt ausgewirkt hatten sich im vergangenen Jahr allerdings auch die seit dem Abgasskandal geltenden strengeren Abgaskriterien. Die hätten zur Folge gehabt, dass VW im September kurzzeitig die Bänder angehalten hatte. Bei Boryszew in Gardelegen hätte man darauf mit Kurzarbeit reagieren müssen, erinnert Geschäftsführer Marek Schleiss. Doch das sei überwunden. „Mittelfristig rechnen wir mit einer positiven Dynamik vor allem bei E-Fahrzeugen.“ Der Wechsel zur Elektrotechnologie werde sich positiv auf das Produktportfolio auswirken. Alle Signale im mikroökonomischen Bereich wiesen darauf hin.

Haustarifvertrag wird ständig fortentwickelt

Und ständig fortentwickelt, werde „unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Möglichkeiten und der Weiterentwicklung des Standortes“, parallel dazu natürlich auch der seit 2015 geltende Haustarifvertrag, bestätigt Schleiss auf Nachfrage der Volksstimme. Ein wichtiges Thema für die Beschäftigten, zweifellos. In den vergangenen Jahren war zum Beispiel mehrfach das Weihnachtsgeld infrage gestellt worden. Hier ist offensichtlich Ruhe eingekehrt. Man arbeite gut mit der Geschäftsführung zusammen, bestätigt Betriebsratschef Michael Hörauf – auch in Sachen Kommunikation. Dass Firmenentscheidungen oft erst sehr spät mit der Belegschaft besprochen wurden, war in der Vergangenheit auch ein Kritikpunkt. „Eine Belegschaftsversammlung etwa ein Mal im Quartal“, auf der das lokale Management Neuerungen vorstellt, soll dem vorbeugen, versichert Schleiss. Cezary Pyszkowski erinnert in diesem Zusammenhang aber auch daran, dass so Personalentscheidungen in einem börsenorientierten Unternehmen erst publiziert werden müssen, ehe der Fakt dem Personal mitgeteilt werden könne.

Für eine gute Zusammenarbeit zwischen Management und Belegschaft sorgen seit Jahresbeginn mit Bernd Schütz nun auch ein neuer Werkleiter und seit eineinhalb Jahren mit Janine Wittig die neue Personalchefin, die nicht nur die Wiederbelebung der Boryszew GmbH als Ausbildungsbetrieb erreichen möchte, sondern ein echtes „Feel-Good-Management“ (siehe Infokasten) plant.