Eigenheime

Bauen ja, aber nicht am Dorfende: Köckter Ortschaftsrat und Bürger lehnen ab, Stadtrat vertagt Entscheidung

Da hat jemand etliches an Land bei Köckte und Dannefeld gekauft, will investieren und damit auch Geld verdienen. Allerdings stößt eines der Vorhaben, die Ausweisung von Eigenheimbauland an der Köckter Feldstraße, auf wenig Gegenliebe im Dorf. Der Stadtrat hat eine Entscheidung dazu zunächst erst einmal vertagt.

Von Cornelia Ahlfeld
Die eine Seite der Köckter Feldstraße ist bebaut. Nun möchten Investoren auch auf der Gegenseite noch Bauplätze anbieten. Das lehnt der Köckter Ortschaftsrat ab und hat einen eigenen Vorschlag für die Ausweisung von Bauland.
Die eine Seite der Köckter Feldstraße ist bebaut. Nun möchten Investoren auch auf der Gegenseite noch Bauplätze anbieten. Das lehnt der Köckter Ortschaftsrat ab und hat einen eigenen Vorschlag für die Ausweisung von Bauland. Foto: Elke Weisbach

Gardelegen/Köckte - Eine junge Frau aus Köckte, Anwohnerin der Köckter Feldstraße, hatte sich eigens auf den Weg gemacht und war nach Letzlingen gefahren, um dort im örtlichen Kulturhaus an der Sitzung des Gardelegener Stadtrates teilzunehmen. Und um dort auch ihre Sorgen los zu werden. Das war indes nicht so ohne weiteres möglich, denn Themen, die auf der jeweiligen Tagesordnung stehen, dürfen laut Geschäftsordnung des Stadtrates nicht Gegenstand der Einwohnerfragestunde sein. Die junge Frau (Name der Redaktion bekannt) zeigte sich enttäuscht, nahm aber dennoch an der Sitzung teil und nutzte auch die Gelegenheit, mit dem einen oder anderen Stadtrat ins Gespräch zu kommen.

Neuen Vorschlag für Eigenheimbau-Standort

Es geht um das private Vorhaben, an der Köckter Feldstraße eine Fläche von etwa 8000 Quadratmetern für den Eigenheimbau zu erschließen. Sie befindet sich zwar nicht im gleich angrenzenden Schutzgebiet des Biosphärenreservates Drömling, ist aber im Flächennutzungsplan als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen. Mit einer Ergänzungssatzung könnte dieser Außenbereich in den bebauten Ortsteil einbezogen werden, damit dort überhaupt ein Bauen möglich ist. Und diese Ergänzungssatzung war Thema im Stadtrat. Die Satzung wurde aber eingangs der Sitzung von der Tagesordnung genommen, weil offenbar noch einige Dinge zu klären sind.

Denn zuvor hatte sich der Köckter Ortschaftsrat einstimmig gegen dieses Vorhaben ausgesprochen. Das sehe auch die Mehrheit im Dorf so, betonte Ortsbürgermeister Torsten Polzin auf Volksstimme-Anfrage. Grundsätzlich gebe es in Köckte Bedarf an Bauland. Anfragen würden vorliegen. Aber Bauland stünde nicht mehr zur Verfügung. Auch eine Lückenbebauung im Ort sei nicht mehr möglich. „Wir haben hier nichts mehr“, so Polzin. Man sei von daher auch nicht gegen neue Bauflächen, aber eben nicht an der Köckter Feldstraße. Mal ganz abgesehen vom nahen Drömling seien es vor allem auch Emissionsschutzfragen, denn in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Bauland befinde sich ein landwirtschaftliches Unternehmen. „Keine 50 Meter weit weg, da hört man die Ketten der Ochsen rasseln“, so Polzin - nicht ganz ernstgemeint. Der Ortschaftsrat habe vielmehr einen Gegenvorschlag für Bauland, und zwar in Fortsetzung der bereits vorhandenen Bebauung am Stadtweg unweit des Ortseingangs, dort, wo jährlich das Schaupflügen stattfindet.

Bedarf wäre durchaus vorhanden

Das würden auch die Anwohner der Köckter Feldstraße begrüßen, sagte die Besucherin der Stadtratssitzung im Nachgang im Volksstimme-Gespräch. „Wir wohnen am Dorfende. Nach der Feldstraße, die eine Sackgasse ist, kommt nichts. Da kann man nur noch mit dem Rad oder zu Fuß weiter, denn dort schließt sich der Drömling an“, schilderte die junge Frau. Rauskommen würde man in Buchhorst. Bezüglich der nahegelegenen Landwirtschaft sei Ärger vorprogrammiert, wenn Ortsfremde dort bauen würden. „Ich bin hier groß geworden. Wir haben uns daran gewöhnt, dass es auch mal nach Gülle stinken kann“, so die Köckterin. Eine Geruchsbelastung sei für die Gegend gegeben. Darüber hinaus liege ihr die Natur sehr am Herzen. Das Areal hinter dem Dorf sollte weiter unberührt bleiben.

Diese Ansichten habe sie nicht nur allein im Dorf, sondern teile sie mit vielen Köcktern. „Wir werden dran bleiben“, versicherte die junge Frau. Sie zeigte sich erfreut, dass der Stadtrat noch keinen Beschluss dazu gefasst hat.

Denn, wie Stadtratsvorsitzender Kai-Michael Neubüser ausführte, gebe es da offenbar noch Gesprächsbedarf. Der Ortschaftsrat habe das Vorhaben abgelehnt und wolle einen eigenen Vorschlag einbringen.