Brüchau l Im Untersuchungszeitraum zwischen 2005 bis 2014 hat es rund um die Bohrschlammgrube Brüchau 51 Krebsneuerkrankungen gegeben. Das ist das offizielle Ergebnis einer Erhebung, die in Zusammenarbeit mit dem Gemeinsamen Krebsregister (GKR) in Berlin erfolgt und vom Landesamt für Verbraucherschutz analysiert worden ist.

Toleranzbereich-Obergrenze nicht erreicht

Demnach gibt es „keine Hinweise auf vermehrte Krebserkrankungen“ in der Untersuchungsregion (Brüchau, Jemmeritz, Kakerbeck und Neuendorf bei Klötze), heißt es in einer offiziellen Mitteilung des Landes-Sozialministeriums. Denn nach der, auf Grundlage von Statistiken errechneten, Toleranzbereich-Obergrenze wäre erst ab 75 Krebsneuerkrankungen im genannten Zeitraum von einer Erhöhung die Rede gewesen. Hierfür wurden die Zahlen des gesamten Bundeslandes und des Altmarkkreises Salzwedel zugrunde gelegt.

Aber wie aussagekräftig sind sie? Bei früheren Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Bohrschlammgrube Brüchau hatten Mediziner immer wieder angemahnt, dass das Melden von Krebsfällen ans GKR bislang eine mehr oder weniger freiwillige Angelegeheit gewesen sei. Deshalb hegt auch Karsten Ruth, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Kalbe, zu der Brüchau gehört, Zweifel an der Belastbarkeit der nun bereitgestellten Daten. Das Landesamt für Verbraucherschutz wiederum verweist auf die Meldepflicht der Ärzteschaft, die im Gesundheitsdienstgesetz von 1997 verankert ist, welches wiederum im Juni 2000 entsprechend geändert worden war.

Anhand der vorliegenden Zahlen kann laut Landesamt „die Notwendigkeit von Folgeschritten in Form einer näheren Beurteilung ... nicht abgeleitet werden“.

Für die Bürgerinitiative „Saubere Energie und Umwelt Altmark“, die seit Jahren für eine Auskofferung der mit Unmengen von Toxinen belasteten Bohrschlammgrube kämpft, sind die Ergebnisse der Erhebung nur ein weiteres Indiz dafür, dass „seitens der Landesregierung weiterhin daran gearbeitet wird, dass der giftige Schlamm dauerhaft in Brüchau verbleibt“, so ihr Sprecher Christfried Lenz. Denn die aussagekräftigste Quelle, der sogenannte ICD-10-Faktor (verschlüsselte Differentialdiagnosen) der Kassenärztlichen Vereinigung, sei nicht herangezogen worden. Das aber hat die Pressestelle des Sozialministerium am Dienstag nach Rücksprache mit dem Fachamt zurückgewiesen.