Gardelegen l Still war es im Rathaussaal, als Stadtwehrleiter Sven Rasch am Montagabend im Stadtrat über die aktuelle Lage in den freiwilligen Feuerwehren der Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen informierte. Die Situation sei zwar nicht hoffnungslos, aber dennoch gebe es dringenden Handlungsbedarf, was die Mitgliederzahlen in den Wehren, besonders im aktiven Einsatzdienst, betrifft.

Tagsüber fehlen viele Aktive

Rasch sprach von einem Missverhältnis, wenn man die Gesamteinwohnerzahl den aktiven Kameraden in den Feuerwehren gegenüberstelle. Denn von den 22.940 Einwohnern der Stadt seien gerade mal 644 Einwohner in einer Feuerwehr aktiv. „Das sind 2,81 Prozent“, betonte Rasch. Im Ernstfall allerdings könne man auf die 2,81 Prozent noch nicht einmal zurückgreifen. Denn tagsüber – viele aktive Kameraden arbeiten auswärts – seien von den 2,81 Prozent nur noch 0,45 Prozent verfügbar. „Unter drei Prozent der Bevölkerung unserer Stadt stellen sich der Aufgabe, in einer freiwilligen Feuerwehr aktiv mitzuarbeiten. Das ist eindeutig zu wenig“, fasste Rasch zusammen.

Hohe Belastung für die Wehr

Die Intensität der Einsätze würde einige Ortswehren zunehmend belasten. Als Beispiel führte Rasch die Gardeleger Wehr an. Die habe im vorigen Jahr 133 Einsätze von insgesamt 218 Einsätzen im gesamten Stadtgebiet meistern müssen. Auch in Gardelegen sei die Zahl der aktiven Einsatzkräfte zu gering. 58 Kameraden seien für 10.711 Einwohner verantwortlich. Ein weiteres Problem seien die Atemschutzgeräteträger. Auch die seien nicht ausreichend in den Wehren vorhanden. 187 Kameraden hätten diese zusätzliche Ausbildung absolviert. Tatsächlich verfügbar seien tagsüber allerdings nur 47. „Eine Feuerwehr steht und fällt mit den Atemschutzgeräteträgern“, betonte Rasch. Denn nur sie dürften bei Wohnungsbränden ins Haus, um Menschen zu retten und die erste Brandbekämpfung vorzunehmen. „Sorgenkinder“ gebe es auch in den Dörfern. Breitenfeld, Köckte und Kassieck etwa. In Letzlingen sei der Trend positiv. Ebenso in Mieste. Dort gebe es immerhin 44 Aktive. Insgesamt könne man einschätzen, dass die Wehren mit eigenen Kinder- und Jugendwehren eine positive Mitgliederentwicklung verzeichnen. Als Beispiel führte Rasch Jeseritz an. Dort werde eine professionelle Kinder- und Jugendarbeit gemeinsam mit Jerchel und Potzehne geleistet.

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Ein Aufwärts erhofft sich Rasch von daher auch für den Nachwuchs des Bereiches Estedt, Berge, Ackendorf und Laatzke. Dort wurde erst im vorigen Jahr eine Kinderfeuerwehr gegründet.

Eine Herausforderung für die Wehren sei insgesamt auch die große Fläche, die zu bedienen ist.

Stadt würdigt Ehrenamt

Um die Feuerwehren zu stärken und das Ehrenamt zu würdigen, hat die Stadt so einiges auf die Beine gestellt. Gezahlt werde beispielsweise ein Einsatzgeld, es gibt kostenfreien Eintritt in die städtischen Freibäder. Kinder- und Jugendwehren werden unterstützt, zählte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig im Nachgang der Sitzung auf. Gesorgt werde für eine gute Ausstattung der Wehren. „Denn nur dann macht die Arbeit auch Spaß und Sinn“, betonte Zepig. Zudem werden Lkw-Führerscheine finanziert. Bei Neueinstellungen im Verwaltungsbereich werden vorzugsweise – bei gleicher Eignung – Bewerber eingestellt, die Mitglied in einer Feuerwehr werden wollen oder es schon sind.

Gemeinsam mit dem Gardeleger Kreisfeuerwehrverband soll zudem eine Werbeaktion gestartet werden. Für diese Aktion wurden auch Spenden zum diesjährigen Bürgerempfang der Stadt gesammelt.

Traumziel: Fünf Prozent

„Mein Traum wäre es, wenn fünf Prozent der Bevölkerung in einer Feuerwehr mitarbeiten würden. Das wäre toll“, betonte Rasch im Stadtrat. Allerdings dauert es einige Zeit, bis man einen aktiven Dienst in einer Wehr leisten könne. Voraussetzung sei die Grundausbildung über 70 Stunden.