Kalbe l „Bleiben Sie bitte kurz vorn stehen und desinfizieren Sie ihre Hände“, fordert Ulrike Vatge freundlich die eintretende Kundin auf. Ein kleiner Tisch im Eingangsbereich ist vorbereitet. Dort steht Desinfektionsmittel. Ein Zettel weist auf das Abstandhalten hin. Ulrike Vatge kassiert eine Kundin ab. Während diese sich anschließend rechts um das sich inmitten des Ladens befindliche Regal zur Ausgangstür bewegt, schlägt die gerade eingetretende Kundin den Weg ins Geschäft links am Regal vorbei ein. Die Kunden in der Buchhandlung Vatge haben die Corona-Regelungen begriffen. Die Ladeninhaberin muss kaum mehr auf Abstandsregelungen hinweisen. „Darauf achten die Kunden von allein. Und wenn ich doch mal etwas sagen muss, reagieren die Leute aber auch verständnisvoll“, so Vatge.

Während viele Geschäfte in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft schon nicht mehr öffnen dürfen, kann Ulrike Vatge ihre Buchhandlung noch aufschließen. „Aber es kommen bedeutend weniger Kunden“, berichtet sie. Sie schätzt, dass nur noch etwa die Hälfte an Kundschaft in den Laden findet. Deshalb passt sie ihre Öffnungszeiten auch an. Gab es vor der Corona-Krise jeweils eine Stunde Mittagspause, dehnt sie diese nun länger aus. Von 12 bis 15 Uhr bleibt der Laden geschlossen.

Weniger Kunden, weniger Umsatz

Weniger Kundschaft geht auch mit weniger Umsatz einher. Existenzangst spürt Vatge, die seit 1986 in Kalbe als Buchhändlerin tätig ist und seit 1991 den Laden selbstständig betreibt, mitunter aufkommen. „Das wird aber nicht nur mir so gehen. Das wird allen Ladenbesitzern so gehen.“ Schließlich fallen die Einnahmen geringer aus. Aber: „Die Kosten laufen ja weiter“, sagt sie.

Erfreut ist Vatge über ihren treuen Kundenstamm, der auch in Krisenzeiten Bücher in ihrem Laden kauft. Die Onlinekonkurrenz ist schließlich groß. Einerseits freut sie sich, wenn Kunden zu ihr kommen. Andererseits weiß sie aber auch, wie wichtig und ernst zun ehmen der Aufruf der Landesregierung ist, der die Bevölkerung auffordert, zu Hause zu bleiben. „Ich hoffe nur, dass, wenn sich jetzt alle daran halten, die Krise bald überwunden ist“, so die Buchhändlerin.

Bestellung per Telefon

Derzeit rufen Kunden bei Vatge an, fragen, ob sie da ist. Älteren Menschen und Personen der Risikogruppe rät sie, sich nicht auf den Weg in die Buchhandlung zu begeben. Von ihnen nimmt sie die Bestellung auf. „Und wer in Kalbe wohnt, dem bringe ich die Bücher auch gern vorbei“, so Ulrike Vatge. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.