Gardelegen l Sie sollen mittels einem effizienten Drei-Schicht-Filtersystem 95 Prozent aller Partikel in der Luft filtern und so im Alltag einen sicheren Schutz vor einer Corona-Infektion bieten, die FFP2-Masken. Die allerdings sind nicht gerade billig. Nicht jeder möchte und kann durchschnittlich um die zehn Euro für die Einwegmasken pro Stück aufbringen. Mit der „Verordnung zum Anspruch auf Schutzmasken zur Vermeidung einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2“ der Bundesregierung sollen nun alle Risikogruppen Zugang zu kostenlosen beziehungsweise vergünstigten FFP2-Masken erhalten. Dazu gehören unter anderem alle Menschen über 60 sowie Menschen mit Vorerkrankungen.

Ungenügende Vorbereitung

Der Start der Maskenaktion am Dienstag – die Vergabe erfolgt ausschließlich über Apotheken – verlief nicht reibungslos. Das lag allerdings nicht an den Apotheken, sondern an der ungenügenden, kurzfristigen Vorbereitung, wie Apotheker auch im Bereich Gardelegen kritisierten.

Der Start in die Ausgabe sei geradezu chaotisch gewesen, sagte Trang Jacobs, Inhaberin der La Vie Apotheke in Gardelegen. Der Ansturm war riesig, die Vorabinformationspolitik schlecht. Die Masken seien schon am ersten Tag restlos vergeben gewesen.

„Wir haben eine große Lieferung bestellt, aber ich vermute, dass die Masken erst ab Januar wieder vorrätig sind“, wagt Inhaberin eine vorsichtige Prognose. Bis dahin sollten jene Kunden, die ein Anrecht auf die kostenlosen Masken haben, auch Coupons, die zur Abholung berechtigen, von ihrer Krankenkasse erhalten haben.

Informationen nur aus den Medien

Die Apothekenbetreiber selbst hätten sehr kurzfristig aus den Medien von der Verteilaktion erfahren. Innerhalb kürzester Zeit habe sie reagieren müssen, berichtete Jacobs, der selbst die Apothekenkammer Sachsen-Anhalt keine ausreichenden Informationen vorab geben konnte.

Dass die Kunden Eigenerklärungen abgeben müssen, in denen sie sich verpflichten, nur aus einer Apotheke die ihnen zustehende Anzahl an Masken zu holen, erfuhr Jacobs erst am Nachmittag vor dem Ausgabetag. So hätten praktisch über Nacht viele Zettel ausgedruckt werden müssen, damit die Kunden diese dann vor Ort ausfüllen konnten. Nicht in allen Apotheken sei dies so umgesetzt worden. Ein weiteres Problem stelle die Tatsache dar, dass die Apotheken für die Masken in Vorkasse gehen mussten. Wann sie ihr Geld bekommen, ist noch nicht klar.

Verteilung durch Krankenkassen wäre besser

„Erst werden wir beschimpft, dass die Apotheken Schrottmasken anbieten, und jetzt werden wir mit so einer Nacht- und Nebelaktion belastet“, zeigte sich auch Ilona Ruchotzki, Inhaberin der Rosenapotheke, verärgert. Es sei nichts richtig geplant gewesen. „Die können doch nicht einfach sagen, ab Dienstag gibt es die Masken, noch bevor es eine gesetzliche Grundlage gibt. Soll ich als Unternehmerin dann auf Verdacht 5000 Masken bestellen, in Vorkasse gehen und dann bleibe ich danach darauf sitzen?“, diese Frage stelle sich ihr aus unternehmerischer Sicht. Auch in den Apotheken sei die Personalsituation im Moment schwierig, auch sie hätten mit Krankheit oder Quarantäne zu kämpfen. „Und dann wird einem im Weihnachtsstress noch so eine Hau-Ruck-Aktion aufgebürdet.“ Ruchotzki hätte einen besseren Vorschlag gehabt: „Diese Masken hätten doch auch von den Krankenkassen verschickt werden können. Die haben doch die ganzen Daten.“ In ihrer Apotheke gäbe es allerdings genug Masken. Natürlich würden aber zuerst die Stammkunden damit eingedeckt.

Genügend Masken waren zum Ausgabestart in der Ratsapotheke in Gardelegen vorhanden. Knapp 7000 Masken waren bestellt und auch rechtzeitig geliefert worden, erklärte Inhaber Tom-Florian Mracek. „Wir waren gut vorbereitet“, machte er deutlich, auch personell. Und dennoch sei der Dienstag „der Horror“ gewesen.

Es kamen mit rund 500 nämlich zwei Drittel mehr Kunden als an gewöhnlichen Tagen, an denen 150 bis 180 Kunden die Apotheke aufsuchen. Das habe zwar nicht nur an der Maskenausgabe gelegen. Denn zahlreiche Kunden hätten sich über die bevorstehenden Feiertage noch einmal mit ihren Arzneien bevorraten wollen. Und da aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln derzeit nur zwei Kunden gleichzeitig die Apotheke betreten dürfen, mussten die anderen vor der Tür warten, zum Teil sogar lange. Dabei laufe die Aktion des Bundesgesundheitsministeriums noch bis zum 6. Januar. Danach werden sie mittels Coupons über die Krankenkassen verteilt. Derzeit werden die Masken, wie Mracek erläuterte, an Bestandskunden verteilt, die im Computer der Apotheke gespeichert sind. Dazu müssen sie vor Ort auch noch eine Eigenerklärung abgeben und sich ausweisen.

Teure Einkaufspreise

Auch in der Miester Apotheke sind, wie Inhaber Klaus-Henning Drevenstedt sagte, ausreichend Masken vorhanden. Allerdings kam die rechtzeitig bestellte Lieferung vom Hersteller noch immer nicht an. „Zum Glück haben wir über den Großhandel noch welche bekommen“, so Drevenstedt, die allerdings im Einkauf teurer seien. Und die Nachfrage war von Anfang an immens. „Wir haben im Moment sehr viel zu tun“, so Drevenstedt. Auch in Mieste müssen sich die Kunden, die einen Anspruch auf die kostenlosen Masken haben, entsprechend ausweisen.

Kritik gab es auch von der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt. Die plötzliche extrem hohe Nachfrage bringe den Nachschub zum Erliegen. „Dafür können wir Apotheker aber nichts. Die entstandene Situation ist der Kurzfristigkeit geschuldet“, stellte Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer, in einer Pressemitteilung klar.

Die kostenlose Vergabe der Masken findet noch bis zum 6. Januar statt. Danach gibt es Coupons von den Krankenkassen für sechs Masken, für die ein Eigenanteil zu leisten ist.