Lindstedt l Beim Tanz in Lotsche hat es gefunkt, damals vor 65 Jahren. „Man fuhr ja früher zum Tanz in die Nachbardörfer. Meine Frau stammt aus Seethen. In Lotsche beim Tanz habe ich sie aufgefordert“, erinnert sich Arno Otte noch ganz genau. Und Tanzen war für Ruth Otte sehr wichtig. Hätte der Lindstedter damals nicht gut tanzen können, hätte er keine Chance gehabt, wie seine Frau zu verstehen gab. „Man hatte aufgefordert, und wenn die Frau bei der Damenwahl einen dann wieder aufgefordert hat, dann wusste man, dass die Richtung stimmt“, so der 86-Jährige.

Und die Richtung stimmte. Fünf Jahre nach dieser Begegnung auf dem Tanzboden feierte das Paar in Lindstedt Hochzeit. „Mit der Blaskapelle ging es zur Kirche“, berichtete Arno Otte. Die Bismarker Blaskapelle hatte auch am Abend im Saal bei den rund 120 Gästen für gute Musik und Stimmung gesorgt. Nach der Hochzeit kam der Alltag. Arno Otte, der zuvor eine Landwirtschaftsschule besuchte, übernahm den elterlichen Hof. Seine Ehefrau half ihm bei der Arbeit. „Als es 1960 mit der LPG losging, besuchte ich nochmal vier Jahre die Abendschule“, erzählte Otte. Er schloss die Ausbildung als staatlich geprüfter Landwirt ab und wurde Brigadier.

Aktiv bei Bärenleite und im Chor

Auch Ruth Otte setzte sich noch einmal auf die Schulbank. Die heute 81-Jährige ließ sich 1974 zur Melkerin ausbilden, absolvierte entsprechende Prüfungen und war danach ebenfalls für die LPG in Lindstedterhorst tätig. „Das hatte viele Vorteile und ließ sich besser mit der Familie im Einklang bringen. Ich hatte geregelte Arbeitszeiten. Wir konnten mit den Kindern auch in den Urlaub fahren. Mit dem eigenen Hof war das ja vorher nicht möglich gewesen“, schilderte Ruth Otte. Neben dem beruflichen Alltag zog sie drei Kinder groß, kümmerte sich um die Schwiegereltern, die mit auf dem Hof lebten. Hof, Garten und Haushalt waren zu versorgen. Der Garten werde noch immer gehegt und gepflegt. „Wir bauen Gemüse an, kochen ein, bringen Obst zum Mosten“, zählte Ruth Otte auf.

Arno Otte brachte sich aktiv in das Dorfleben ein. Bei der Bärenleite, der Winteraustreibung im Februar in Lind- stedt, war er immer dabei, ist es noch heute. „Meist gehe ich vorneweg.“ Und noch immer ist er Mitglied im Männerchor Lindstedt 1835. „25 Jahre lang war ich dort der Vorsitzende“, berichtete Otte. Nachdem er 1995 einen Herzinfarkt erlitt, gab er diesen Posten aber ab. Als Sänger gehöre er aber noch immer dem Chor an. „Ich bin im Moment der älteste Sänger dort“, machte er deutlich.

Schicksalschläge überwunden

Aber nicht nur der Herzinfarkt war ein Einschnitt in das Leben des Ehepaares. Einen weiteren Schicksalsschlag musste es bereits überwinden. Tochter Margrit erkrankte an Krebs und verstarb vor fünf Jahren. Zuvor sorgte sie aber noch dafür, dass das Badezimmer der Eltern altersgerecht umgebaut wurde.

Durch die schwere Zeit der Trauer halfen die übrigen Kinder und die Schwiegerkinder. Die Eheleute Otte freuen sich heute über sieben Enkelkinder und zwei Urenkelkinder. Im Kreise der Familie feiern sie am Wochenende ihr Ehejubiläum in Mehrin. Am Hochzeitstag empfingen sie Gratulanten, Freunde und Nachbarn. Am Abend waren Mitglieder des Männerchores zu Gast.