Sanierungspläne

Eine mutige Herausforderung: Das älteste Haus im Gardelegener Ortsteil Zienau soll saniert werden

In privater Regie wird Zienaus ältestes Fachwerkhaus saniert. Mit dabei ist auch Gardelegens ehemalige Bürgermeisterin und langjährige Stadträtin Hannelore von Baehr. Sie erzählt im Volksstimme-Gespräch, warum ein derart kaputtes Haus eine Zukunft haben soll.

Von Cornelia Ahlfeld
Sind täglich auf der Baustelle ihres Enkelsohnes im kleinen Ort Zienau: Christian (82) und Hannelore von Baehr (81), hier mit ihrem Schwiegersohn Mario Gaense.
Sind täglich auf der Baustelle ihres Enkelsohnes im kleinen Ort Zienau: Christian (82) und Hannelore von Baehr (81), hier mit ihrem Schwiegersohn Mario Gaense. Foto: Cornelia Ahlfeld

Zienau - „Wir sind steinreich“, sagt Hannelore von Baehr und zeigt lachend auf eine Mauer mit zahllosen aufgeschichteten Steinen, die als Einfriedung für das Grundstück mitten in Zienau dient.

Das Haus selbst fällt Vorbeifahrenden auf. Ein Fachwerkbau mit mehr als deutlichem Verfall. Es ist das älteste Haus Zienaus, über 300 Jahre alt, erzählt Hannelore von Baehr. Und dieses Haus soll irgendwann wieder bewohnbar sein.

Doch bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg, denn zunächst wird das Grundstück beräumt und hergerichtet für einen kleinen Spielplatz für Hannelore von Baehrs Urenkelin. Ein Garten und eine Erholungsfläche sollen auch noch gestaltet werden. Und fürs Auto wird noch ein Carport aufgebaut.

Die Unmengen an Steinen hat die Familie, dazu gehören Tochter und Schwiegersohn sowie die Familie ihres Enkels, aus der Erde geholt, dazu jede Menge Müll und Unrat. „Sieben große Container und zwei kleine“, so von Baehr.

Ich bin dann mit meinem Enkel zur Versteigerung gefahren.

Dass sich die Familie dieser mutigen Herausforderung stellt, hat eine Geschichte. In unmittelbarer Nachbarschaft steht ein kleines Häuschen, das sich Hannelore von Baehr und ihr Mann Christian vor vielen Jahren mal gekauft haben. Ursprünglich gedacht als Wohnsitz. Aus familiären Gründen hatten sich Christian und Hannelore von Baehr dann aber doch entschieden, in ihrem Haus im Gardelegener Schlüsselkorb, wo sie seit 1954 wohnen, zu bleiben. Das kleine Häuschen in Zienau wurde vermietet. „Zweimal, und zweimal wollten die Mieter das Haus kaufen, um dann kurz vorher einen Rückzieher zu machen“, erinnert sich von Baehr. Vermieten wollte sie nicht mehr. Vielmehr boten die Großeltern ihrem Enkelsohn das Grundstück an. Der lebt seit drei, vier Jahren mit Frau und Kind in dem Haus. Vor einiger Zeit hatte die Stadt festgestellt, dass der Carport am Haus zum Dorfplatz hin auf städtischem Grund und Boden steht. „Rückbau oder Kauf, hatte die Stadt damals gesagt“, so von Baehr. Das Kaufangebot sei zu hoch gewesen. „Das haben wir abgelehnt.“ Aber just in dem Moment stand das benachbarte Grundstück mit dem Fachwerkhaus zur Versteigerung an.

Der Familienrat hat getagt und entschieden: Wir versuchen das.

„Der Familienrat hat getagt und entschieden: Wir versuchen das“, erzählt Hannelore von Baehr. Denn mit diesem Grundstück – etwa 700 Quadratmeter groß – habe die junge Familie schlichtweg mehr Platz, und das Problem der Grundstücksecke mit dem Carport könne so auch gelöst werden.

„Das war im Oktober, November vorigen Jahres. Ich bin dann mit meinem Enkel zur Versteigerung gegangen“, so von Baehr. Vier Interessenten gab es seinerzeit. Darunter eine Firma aus London. „Deren Vertreter hat den Preis hochgetrieben“, erzählt von Baehr. Aus dem Kauf wurde nichts. Aber Hannelore von Baehr wäre nicht Hannelore von Baehr, wenn sie das kampflos hingenommen hätte, wie man sie eben aus Zeiten als Bürgermeisterin und Stadträtin so kennt – dranbleiben und immer wieder nachbohren. Mehrfach telefonierte sie mit dem Firmenchef in London. Bis der eines Tages fragte: Okay, was bieten Sie? Der Kauf kam zustande. „Nur die zwei Hektar Wald, die zum Grundstück gehörten, hat er behalten“, so von Baehr.

Seit Monaten wird fleißig gearbeitet. Die ganze Familie hilft mit. „Mein Schwiegersohn ist Tischler“, so Hannelore von Baehr. Und der habe als Handwerker goldene Hände. Sie selbst, 81 Jahre alt, und ihr Mann Christian, 82, sind täglich vor Ort, jeden Tag zwei bis drei Stunden. „Wir helfen mit Händen und Füßen und auch finanziell, wo es geht“, sagt sie. Und dazu gehört auch die Sanierung des alten Fachwerkhauses. Ein Abriss käme für sie nie in Frage. Denn das Haus gehöre zum Ort. Und sie erinnere sich noch an die alte Dame, die dort einst gewohnt hat, eine Frau Hundt, die immer aus dem Fenster geschaut hat. Quasi eben auch ein kleines Vermächtnis...