Open Air

Endlich wieder feiern: „Projekt F“ in Brunau ist Lichtblick für die Musikszene

Rund 450 Gäste aus der Altmark und darüber hinaus haben am Sonnabend auf einer Wiese in Brunau zur Musik von über 20 DJs gefeiert. Ein hoffnungsvolles Zeichen für die Rückkehr der Livekultur.

Von Malte Schmidt
Willem Zieher (links, 22) und Lukas Fiete Kroth (23) gehören zum Organisationsteam. Unterstützt wurden sie von rund 50 Freunden und ihren Familienmitgliedern.
Willem Zieher (links, 22) und Lukas Fiete Kroth (23) gehören zum Organisationsteam. Unterstützt wurden sie von rund 50 Freunden und ihren Familienmitgliedern. Foto: Malte Schmidt

Brunau - Lachend nimmt sich ein Paar unter einer riesengroßen Diskokugel in den Arm. Sie küssen sich. Nachdem die beiden ihre Kontaktdaten am Eingang eingetragen hatten gab es für sie kein Halten mehr. Sofort rannten die beiden über das 18 000 Quadratmeter große Areal zu einer der drei Bühnen, fassten sich an den Händen und begannen zu tanzen ...

Es ist nur ein kleiner Moment, den man am Sonnabend beim Projekt-F-Open-Air auf der Brunauer Wiese an der Bahnhofsstraße beobachten konnte. Doch ein wichtiger, um mit wenigen Worten zu beschreiben, wie sehr Musik-Fans in den zurückliegenden Monaten die Livekultur vermisst haben.

50 ehrenamtliche Helfer unterstützen Organisatoren

Mit der Freak Out Eventagentur holte der Brunauer Lukas Fiete Kroth dieses Event unter dem Titel „Projekt F“ in seinen Heimatort. Er ist Planer und Organisator der Großveranstaltung. „Entstanden ist die Idee in unserem Freundeskreis“, erzählte der 23-Jährige. Zu diesem gehören DJ’s, Fotografen, Techniker, „junge Leute halt, die derartige Veranstaltungen auf die Beine stellen können“, fasste es Willem Zieher zusammen, der ebenfalls mit im Organisationsteam ist. „Wir haben die Veranstaltung aber nur auf die Beine stellen können, weil wir von rund 50 Ehrenamtlichen, Freunden oder unserer Familie dabei unterstützt worden sind“, blickte Lukas Fiete Kroth am Veranstaltungstag zurück.

Damit dieser reibungslos stattfinden konnte – es durften nur genesene, vollständig geimpfte oder getestete Gäste das Areal betreten – war das MobiTestCar aus Dresden vor Ort. „Gäste, die sich vorab nicht getestet haben, können das ganz einfach bei uns machen“, erzählte Jan Pauer, der an dem Tag die Daten der Besucher aufnahm. Per Handy erhielten die Leute dann vor Ort ihr Testergebnis. Und sobald das negativ vorlag, hieß es für sie: Die Party kann beginnen.

Und was denken die Gäste darüber, dass sie endlich wieder feiern dürfen? „Ich habe es in den vergangenen Monaten sehr vermisst, mit Freunden zu feiern oder sich einfach nur zu treffen“, resümierte zum Beispiel der Salzwedeler Til Wischer. Der 20-Jährige war mit zahlreichen Freunden an dem Tag vor Ort. Ihre gute Laune hörte man schon am Ortsausgang von Brunau. Dort hatten sie es sich nämlich noch vor der Party am Seitenstreifen gemütlich gemacht und wurden von jedem Einwohner, der mit seinem Auto oder sogar Traktor vorbeifuhr, mit einem Hupen freundlich begrüßt.

Bekannte DJs stehen auf den Bühnen

„Dass Partys oder Treffen wieder stattfinden dürfen ist einfach wichtig für das Gemeinschaftsgefühl“, machte auch der 19-Jährige Marvin Schulze deutlich. Ihm pflichtete einige Meter weiter auch die 18-Jährige Michelle Seiffert bei: „Es ist einfach ein schönes Gefühl, dass wir zusammen mit Freunden auf eine Party gehen können.“ Überhaupt war allen rund 450 Gästen, die am Sonnabend feierten, die Lebensfreude anzusehen. Sie tanzten zu den treibenden Beats der DJs. Dabei waren unter anderem  Justin Prince, KlangAkrobaten, Doppelhousehälfte, PIP, Florian van Berg, ZTROX,  Phantom Z oder Marten Beale.

Erleichtert, dass alles so gut lief, waren gleich nach Beginn der Veranstaltung auch Lukas Fiete Kroth und Willem Zieher: „Wir haben ein dreiviertel Jahr den Platz hier zusammen mit unseren Unterstützern hergerichtet“, erinnerte Kroth, der sich wünschen würde, dass das Festival vielleicht sogar in der Region etabliert werden könnte. „Dafür müssten wir natürlich zunächst mit den Dorfbewohnern sprechen und die Voraussetzungen schaffen.“ Falls das nicht klappt, soll zumindest ein Mal im Jahr ein Event in dieser Größenordnung stattfinden könne.

Philip Krahnert, alias DJ Pip, legte auf der Freak-Stage auf. Er hatte offensichtlich  Spaß.
Philip Krahnert, alias DJ Pip, legte auf der Freak-Stage auf. Er hatte offensichtlich Spaß.
Foto: Malte Schmidt
Die Gäste feierten zu den treibenden Beats der Musiker. Dabei wurde natürlich auf den Mindestabstand geachtet.
Die Gäste feierten zu den treibenden Beats der Musiker. Dabei wurde natürlich auf den Mindestabstand geachtet.
Foto: Malte Schmidt
Am Rand von Brunau machte es sich eine Gruppe noch vor dem Open-Air-Beginn gemütlich.
Am Rand von Brunau machte es sich eine Gruppe noch vor dem Open-Air-Beginn gemütlich.
Foto: Malte Schmidt