Letzlingen l Ein Anspiel, Gesang, Vortrag und natürlich ein Frühstück in geselliger Runde – das Programm für das nunmehr sechste Frauenfrühstück in der Letzlinger Gaststätte Zur Heide war vollgepackt. Und erleben wollten dieses Angebot des Letzlinger Mütterkreises der evangelischen Kirchengemeinde des Heidedorfes 75 Frauen aus Letzlingen, Wannefeld, Roxförde, Klüden, Jerchel, Solpke, Gardelegen und Flechtingen.

Die Frauen des Mütterkreises hatten die langen Tafeln liebevoll mit herbstlicher Dekoration und klugen Sprüchen gestaltet.

Ins Gespräch kommen

„Lebensspuren, welche Spuren prägen mich, welche Spuren hinterlasse ich?“, war das Thema des Frauenfrühstücks. „Wir freuen uns, dass ihr euch auf den Weg gemacht habt“, betonte denn auch Renate Genz vom Mütterkreis bei der Begrüßung der vielen Besucherinnen. Als Referentin konnte Antje Rein vom Systemischen Institut für Beratung, Bildung und Coaching in Oebisfelde gewonnen werden. Vor dem Vortrag wurde aber zunächst gemeinsam gefrühstückt und miteinander geplaudert. Denn das war und ist die Intention dieser Treffen: Miteinander ins Gespräch kommen und den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen.

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Mit einem Anspiel von Doris Benze und Doris Römmer wurde dann der Bogen zum zentralen Thema geschlagen. Sie stellten ein Ehepaar dar. Sie las in der Zeitung von einem Casting für eine Nebenrolle im „Tatort“.

Einen Oscar für die beste Nebenrolle gew

Da wolle sie hingehen und sich bewerben, um dem alltäglichen Trott zu entfliehen, mal was Neues und nicht immer das, was andere machen, zu machen, teilte sie ihrem Mann mit. Der zeigte sich davon nicht sonderlich begeistert. Denn er sei mit seinem Leben – „Ich habe ein schönes Häuschen, der Job ist okay, und ich habe eine Frau, die mich liebt...“ – ganz zufrieden. Langweilig finde er es nicht. Diese Ansichten machte sie fast wütend. Sie wolle es nach dem Motto „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ mit dem Casting jedenfalls probieren. Und sollte es klappen und sie sogar den Oscar für die Nebenrolle gewinnen, dann könne auch ihr Mann wenigstens einmal im Leben etwas Wichtiges tun, erklärte sie. Weil sie nämlich Flugangst habe, müsse er nach Amerika fliegen, um den Oscar entgegenzunehmen. Und für ihre Autogrammkarten wäre er dann auch verantwortlich.

Was viele als Spinnerei abtun würden, sah Antje Rein als wichtig an. Denn in ihrem Vortrag zitierte sie unter anderem Golda Meir, die ehemalige Ministerpräsidentin Israels, die sagte, „ich glaube, für alle Menschen in der Welt ist das Wichtigste im Leben, den Mut zu großen Träumen aufzubringen.“ Und Albert Schweitzer, der die Spuren der Liebe als das Wichtigste im Leben ansah.

Das bestätigten auch die Frauen, die von Rein aufgefordert wurden, kurz darüber nachzudenken, wer sie im Leben geprägt habe.

Es waren die Menschen, die einen auf dem Lebensweg begegnet sind und begleitet haben. So dachte beispielsweise Giesela Volkmer, wie sie verriet, sofort an ihre Großmutter, die mit ihr als Kind Rechnen geübt habe, weil sie nicht so gut in Mathematik war.

Prägend seien zumeist nicht die materiellen Dinge, so Rein, sondern die Zeit miteinander, die Spuren im Herzen hinterlassen. Liebe und Aufmerksamkeit, die einem zuteil wurden und die man versuche, weiter zu geben.

Dabei dürften auch Fehler gemacht werden. Denn niemand sei perfekt, betonte Rein. So gibt es auch Prägungen, die einen einengen oder sogar schaden. Die sollten nicht nur hinterfragt, sondern auch losgelassen und gelöscht werden. Auch Gott, so Rein, habe in jedem eine Spur hinterlassen. „Unsere Aufgabe ist es, sie zu entdecken.“ Denn schon in Psalm 139, Vers 14 heißt es: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“

Das sollten sich alle täglich vor Augen führen. Antje Rein: „Guck dich an, wie toll du gemacht bist.“ Wer sich selbst liebe, könne Liebe weitergeben und prägende Spuren hinterlassen.