Letzlingen l „Ich wünsche mir, dass du für nichts und niemanden marschieren musst“, sang Liedermacher Martin Rühmann zum Auftakt. Einen Marsch hatten die gut 60 Friedensschützer der Bürgerinitiative Offene Heide auf dem Letzlinger Marktplatz an diesem Sonntag aber dennoch vor. Sie machten sich – zum 300. Mal – wieder auf den symbolischen Friedensweg, der diesmal durch Letzlingen führte. Den ursprünglichen Plan, die Veranstaltung an der Barriere Zienau zwischen Gardelegen und Letzlingen abzuhalten, mussten die Organisatoren aufgeben. Die Waldbrandgefahr ist derzeit zu groß. „Schade“, fand Versammlungsleiter Siegfried Kratz aus Magdeburg, denn dort habe 1993 alles angefangen. „Da haben sich Leute getroffen, die gemerkt haben: Da läuft was schief, wir müssen was tun.“

Seither trifft sich die BI an jedem ersten Sonntag im Monat zum friedlichen Protest gegen die militärische Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide. Und dafür gab es gestern auch ein Kompliment vom Hauptredner: „Ich kenne kaum eine Initiative, die so lange so kontinuierlich an einem Thema drangeblieben ist“, versicherte Politikwissenschaftler Tobias Pflüger. „Klatscht euch selbst ruhig mal Beifall, dass es euch noch gibt.“ Und Pflüger empfahl den Anwesenden auch, weiterhin gegen das Gefechtsübungszentrum der Bundeswehr und die künftige Übungsstadt Schnöggersburg zu protestieren, denn: „wenn man Auslandseinsätze nicht üben kann, kann man auch keine machen. Das heißt, man muss das Gefechtsübungszentrum schließen.“

Landtagsabgeordneter Andreas Höppner (Die Linke) hatte eine andere Idee. Er könne sich zum Beispiel vorstellen, aus der militärischen Übungsstadt eine europäische Übungsstadt zu machen, in der Feuerwehr und Polizei für den Katastrophenfall trainieren könnten, schlug er vor. Das Jubiläum der BI sah Höppner zudem mit gemischten Gefühlen. „Dass ihr schon zum 300. Mal hier seid, ist ja auch ein trauriger Anlass“, denn wenn das Ziel, die zivile Nutzung der Heide, bereits erreicht wäre, „könnten wir uns heute hier einfach nur treffen und Kuchen essen.“ Und so mussten die Friedensschützer, von denen viele auch aus Magdeburg, der Börde, Stendal oder aus dem Wendland kamen, gestern wieder los. Zu Fuß und friedlich auf den 300. Friedensweg. Der 301. ist ebenfalls schon geplant. Er startet am 1. Juli um 14 Uhr in Landsberg zwischen Dolle und Lüderitz.

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