Biosphärenreservat

Gardeleger Stadtrat stimmt „grün“

Mehrheitlich entschied sich der Gardeleger Stadtrat am Montagabend dafür, das Projekt Biospärenreservat Drömling zu unterstützen.

Von Gesine Biermann

Gardelegen l Es war der einzige Beschluss, der am Montagabend zu fassen war. Bevor es überhaupt losgehen konnte, wurde die Stadtratssitzung aber zunächst einmal unterbrochen: Stadtratschef Kai-Michael Neubüser wollte geklärt haben, ob sich die beiden Drömlingslandwirte Norbert Tendler und Steffen Rötz bei der Abstimmung zum geplanten Biosphärenreservat Drömling enthalten müssen oder nicht.

Darüber durften die zwei dann zunächst zwar nicht mitentscheiden. Über den Beschluss selbst aber schon, denn nur fünf Stadtratsmitglieder sprachen sich für ein Mitwirkungsverbot aus.

Und so konnte Naturparkleiter Fred Braumann – mittlerweile übrigens zum 21. Mal in der Region – seinen Vortrag zum geplanten Unesco-Biosphärenreservat Drömling halten. Braumann warb besonders mit den positiven Auswirkungen in Sachen Tourismus, guten Argumenten bei Förderanträgen und der Chance auf eine höhere Wertschätzung der Region. Alle Umfragen in bereits bestehenden Biosphärenreservaten würden das nämlich bestätigen. Noch einmal versprach er zudem, dass niemand, auch nicht die Landwirte, mit strengeren Auflagen rechnen müssten. Insbesondere in Dannefeld, Mieste oder Miesterhorst war Braumann mit seinem Projekt in den vergangenen Wochen nämlich auf deutliche Ablehnung gestoßen.

Und auch in Gardelegen gab es Gegenwind: „Wir wohnen hier hoch und trocken auf dem Kiesberg und im Drömling sitzen die Leute im Nassen“, gab zum Beispiel Stadtrat Rüdiger Wolf (Freie Liste) zu bedenken. Ulrich Scheffler (SPD-Fraktion) hatte zuvor sogar einen offenen Brief an den Stadtrat geschrieben, in dem er auch seinen Protest, gegen die zu erwartenden Schäden durch die Wiederansiedlung von Wolf, Luchs und Biber deutlich machte.

Bedenken äußerte schließlich auch Edgar Grund, Justiziar des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt: „Wenn ich ein Gebiet mit Naturschutz überziehe, sinkt das Einkommen der Landwirte um 50 Prozent“, warnte er. Pro 300 Hektar werde ein Arbeitsplatz vernichtet. Grund erinnerte an die „Vermögenswerte von Generationen“, die durch „außergewöhnliche Härten“ gefährdet seien. Zudem dürfe in Naturschutzgebieten nicht gebaut werden.

Dem allerdings widersprach Braumann. Landwirtschaftliches Bauen sei vom generellen Bauverbot ausgenommen. Seinen Argumenten folgten schließlich auch 17 Stadträte. Acht votierten dagegen, einer enthielt sich. Gardelegen ist die ersten Kommune, die dem offiziellen Vorschlag des Ministeriums zustimmt.