Gardelegen l Die Worte sind berührend, auch wenn sie gar nicht so viel preisgeben von dem Leid, das der Schreiber erfuhr: Mit „Liebe kleine Frau und Puppe ...“ schreibt Louis Abel Allemandet am 2. Juli 1944 aus dem Konzentrationslager Buchenwald an seine geliebte Frau. Er freut sich, der Familie mitteilen zu können, dass er „bei bester Gesundheit ist“, bittet, ihm „Stümpfe und ein Stück Seife“ zu schicken. Im KZ „dürfen“ Häftlinge pro Monat zweimal an ihre Angehörigen schreiben, allerdings nur in deutscher Sprache. Zudem wird genauestens geprüft, was sie preisgeben – was den Kontrolleuren nicht gefällt wird geschwärzt und mittels Stempel zensiert. Auch sein Brief ist nicht mehr komplett lesbar.

Den nicht geschwärzten Text können künftig aber die Besucher der geplanten Ausstellung im Dokumentations- und Schulungszentrum lesen. In einer hochauflösenden Kopie liegt er Gedenkstättenleiter Andreas Froese-Karow vor. Denn es gibt eine Verbindung zwischen den Zeilen des Franzosen und dem schwärzesten Tag in der Geschichte Gardelegens: Als Louis Allemandet den Brief schreibt, weiß er noch nicht, dass er – nicht einmal ein Jahr später – sterben wird. Am 13. April 1944 wird der Franzose in der Isenschnibber Feldscheune bestialisch ermordet. Seine lieben Zeilen an Frau und Tochter Monique (heute Dardel) haben indes überlebt. Letztere hat sie nun für die künftige Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Brief liegt in Kopie vor

„Es ist eine spannende Zeit momentan“, sagt Andreas Froese-Karow. Er verfolgt derzeit schließlich nicht nur die Bauvorbereitungen auf der Gedenkstätte gespannt – mittlerweile sind alle Leitungen verlegt und die Einrichtung der Baustelle ausgeschrieben – gleichzeitig stellt der Historiker aktuell natürlich auch die Exponate der Ausstellung zusammen. Und immer wieder tauchen neue Objekte auf. Dazu ist Froese-Karow nicht nur in Archiven sondern auch in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter unterwegs, schaut sich Videos an und nimmt Kontakt zu Angehörigen der Opfer, aber auch zu Nachfahren der US-Soldaten des 102. Bataillons auf, die als erste auf das Massaker an der Feldscheune stießen. „Nicht jeder antwortet natürlich“, aber es habe schon viele Rückmeldungen gegeben, versichert er. „Es ist spannend zu sehen, wie sie die Ereignisse erlebt haben.“ So hätten zum Beispiel auch viele Soldaten selbst Kameras dabei gehabt, erzählt Froese-Karow. Es gibt also Aufnahmen, die noch nie veröffentlicht worden sind.

Und auch Gardeleger haben immer noch die Möglichkeit, sich mit Dokumenten oder Fotos an der Ausstellung zu beteiligen. Möglich sei auch, Kopien anfertigen zu lassen, betont Froese-Karow. Wenn alle Ausstellungsstücke vorliegen, werden Mediengestalter die Ausstellung auf 140 Quadratmetern genau planen. Gesucht werden übrigens auch Exponate aus der Zeit nach dem Massaker. „Sie gehören auch dazu, um das Geschehene einzuordnen“, betont Froese-Karow: „Denn die Geschichte hört 1945 schließlich nicht auf.“