Gardelegen l „Sagt mal, was ist denn bei euch in Gardelegen los? Ich habe gehört, dass die Entbindung geschlossen werden soll.“ Die Pflegedienstleiterin im Gardelegener Krankenhaus, Sandra Giggel, hat in den vergangenen Tagen oft diese Frage gehört, wie sie erzählt. „Die Bevölkerung verbindet die Kinderklinik und die Geburtenstation“, schätzt sie ein. Und nachdem die noch nicht entschiedenen Umstrukturierungspläne im Altmark-Klinikum, das unter dem Dach der Salus Altmark Holding geführt wird, öffentlich wurden, geht die Angst um, dass man in Gardelegen künftig keine Kinder mehr gebären kann.

Dem sei bei Weitem nicht so, machte Chefarzt Olaf Schulz deutlich: „Die Geburtenstation ist nie in der Diskussion gewesen.“ Auch bezüglich der Kinderklinik in Gardelegen gebe es noch keine Entscheidung, aber eine Nachricht, die die Möglichkeit verschaffe, weiterhin „händeringend Kinderärzte für Gardelegen zu suchen“, so Scholz. Ulrike Schulz, die vor zwei Jahren die Leitung der Kinderklinik „Dr. Albert Schweitzer“ kommissarisch von Chefarzt Dr. Rainer Genseke übernommen hatte, werde erst zum 31. Dezember dieses Jahres in den Ruhestand gehen.

Angespannte Personalsituation

Ob die Suche in dieser Zeit zum Erfolg führen werde, müsse man sehen. „Die Personalsituation im medizinischen Bereich ist extrem angespannt“, betonte der Chefarzt. Doch er sei sicher, dass bis dahin eine Lösung gefunden werde – auch wenn bisher acht Firmen für Mitarbeitergewinnung noch keinen Erfolg hatten, pädiatrische Fachärzte für Gardelegen zu finden. Und auch bei der Durchforstung entsprechender Suchplattformen im Internet konnte kein Kollege und keine Kollegin für Gardelegen gewonnen werden. Kinderärzte würden immer weniger, das sei nicht so attraktiv, heißt es.

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Dennoch habe sich die Salus mehrfach dazu bekannt, am geplanten Mutter-Kind-Zentrum festzuhalten, auch weil die Politik hinter diesem Vorhaben stehe und Fördermittel in Höhe von 5,3 Millionen Euro dafür bereitstelle. „Die Agenda heißt: Erhalten!“, so Scholz, denn es gehe um Lebensqualität und Sicherheit für die Menschen. Das habe in allen Sitzungen im Mittelpunkt gestanden. Es gehe nicht um Geld, erklärte Scholz auch mit Blick auf das Banner, das vor dem Gardelegener Krankenhaus aufgehängt wurde (siehe Foto), denn auch die Geburtshilfe sei ein Zuschussgeschäft.

Station mit neuester Technik

Man könne nie genau planen, wie viele Mütter sich entscheiden, ihr Kind in Gardelegen auf die Welt zu bringen. Und in den ersten Monaten dieses Jahres war es auch etwas verhaltener. „Bis zum Jahresende wird es aber deutlich mehr“, ist sich Hebamme Nancy König sicher. Und sie, ihre sieben Kolleginnen und die Kinderkrankenschwestern auf der Station hatten am vergangenen Wochenende gut zu tun. Neun kleinen Erdenbürgern verhalfen sie auf die Welt.

Insgesamt verfügt die Geburtenstation, die aufgrund der Umbaumaßnahmen im Herbst vergangenen Jahres von der G 7 auf die G 4 gezogen ist, derzeit über 15 Betten in Ein- und Zweibettzimmern, die alle mit einem eigenen Bad ausgestattet sind. Das sei auf der alten Station noch nicht so gewesen. Nach dem Umbau werde das natürlich auch auf der neuen Geburtenstation so sein, erläuterte Scholz. Der Vorteil am gegenwärtigen Standort sei auch, dass sich alles nah beieinander auf einer Station befinde, also neben den Betten auch die beiden Kreißsäle sowie das Kinderzimmer mit Wärmebettchen und zwei Inkubatoren der allerneuesten Technik, so dass auch eine Intensivüberwachung, wenn sie notwendig sein sollte, vor Ort gegeben sei. Ab der 34. Schwangerschaftswoche kann in Gardelegen entbunden werden. Er empfehle den werdenden Eltern für die Geburtenplanung, noch einmal in der 36./37. Schwangerschaftswoche auf die Station zu kommen, so Scholz. Daran werde auch in der Coronazeit festgehalten. Zudem sei es jederzeit möglich, mit den Hebammen und Ärzten telefonisch unter 03907/79 12 85 Kontakt aufzunehmen.

Das hat auch Janine Ebneter aus Bismark getan, die am Montag ihren Sohn Mika in Gardelegen mit 3200 Gramm und 52 Zentimetern per Kaiserschnitt zur Welt brachte und seitdem das Familienzimmer mit ihrem Mann Samuel nutzt, um auch die ersten Tage bereits als Familie zu erleben. Denn auch das sei trotz der Corona-Einschränkungen möglich, so Nancy König. Eine Begleitperson könne auch bei der Geburt mit dabei sein. Sie habe sich schon beim ersten Telefonat gut in Gardelegen aufgehoben gefühlt, nachdem sie sich vorher schon ein anderes Krankenhaus angesehen hatte, was ihr nicht so gut gefallen habe, so Ebneter.