Mieste/Himmelreich l Gegründet wurde die „Life Jugendhilfe“ von Gerd Lichtenberger aus Bochum. Der ehemalige Jugendamtsleiter hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendliche in individualpädagogischen Projekten zu betreuen. Begonnen hatte es damals mit der Arbeit mit straffällig gewordenen jungen Menschen, die kurz davor standen, jede Möglichkeit auf ein geregeltes Leben in der Gesellschaft zu verlieren. Inzwischen hat sich die Zielgruppe stark gewandelt, beziehungsweise, sie ist größer geworden. „Wir betreuen inzwischen Kinder und Jugendliche von drei bis 17 Jahren“, sagt Jennifer Krautscheid, die Tochter des Firmengründers, die mit ihm gemeinsam die Geschäftsführung innehat.

Eine Chance auf ein normales Leben

Darunter sind traumatisierte Kinder, Missbrauchsopfer, Jungen und Mädchen, die in der Obhut von Life wieder zur Ruhe kommen sollen und eine Chance auf ein normales Leben bekommen. Was sich allerdings nicht geändert hat: Jeder einzelne wird individuell und 1:1 betreut. Insgesamt 60 Projektstellen gibt es derzeit bei Life, davon 18 in Sachsen-Anhalt und 15 in Brandenburg. Jede Projektstelle ist ein Jugendlicher. Etwas über 800 Kinder und Jugendliche hat Life bisher betreut. „Rund 75 bis 80 Prozent haben wir mit einer guten Lebensprognose entlassen können“, sagt Jennifer Krautscheid stolz. Die Kinder und Jugendlichen erhalten Pflegeeltern, die sich um sie kümmern. Aber Pflegefamilien gibt es nicht nur in Deutschland: Ein Herzstück der Pädagogik bei Life ist es, die Jugendlichen auch für eine Zeit ins Ausland – nach Polen, Frankreich oder in die Ukraine – zu schicken und dort in Familien unterzubringen.

Eine junge Frau, die mit 14 Jahren zu Life gekommen war, habe nach zwei Jahren in Ungarn und einer speziellen Schulung über das Internet ihren Realschulabschluss gemacht und nun erfolgreich eine Lehre als Kosmetikerin absolviert, berichtet Jennifer Krautscheid. Einer, der seine letzte Chance bei Life genutzt hat, ist der 19-jährige Luca De Bernardo. Der ehemalige Bochumer kam 2013 zu Life, nachdem er ein paar „dumme Sachen“ gemacht hatte. Nach seiner Zeit in der Ukraine und der dortigen Web-Schule konnte er eine Lehre bei der STRABAG in Solpke im Straßenbau beginnen. „Das ist anstrengend, aber es macht Spaß“, sagt er. An der Klötzer Bahnhofstraße hat er mitgearbeitet und auf Baustellen in Braunschweig und Wolfenbüttel. Auch eine Mauer in Mieste hat er bereits errichtet. Bis zum Abschluss der Lehre wird er noch von Life betreut. Und danach würde er gern bei seiner Firma bleiben und weiter im Straßenbau arbeiten.

Bilder

Peter Nehring, in dessen Familie der junge Mann lebt, ist zuversichtlich, dass es mit dem Abschluss klappen wird. „Das ist eine tolle Firma, die sich noch kümmert um ihre Lehrlinge.“ Die neue Reittherapie-Einrichtung im Himmelreich ist ein weiterer Baustein im pädagogischen und therapeutischen Konzept. „Wir holen die Jugendlichen dort ab, wo sie stehen“, sagt Erzieherin und Trainerin Britta Meyer-Roschau, „es kann sein, dass sie erstmal nur an das Pferd herangehen, es streicheln, etwas putzen.“ Der Hannoveraner Don Tobiano und Dreamy, ein deutsches Reitpony, sowie die beiden Shetlandponys Boris und Bella werden als vierbeinige Therapeuten für die Kinder und Jugendlichen künftig im Einsatz sein.