Kinderklinik

Keine Garantie für 24-h-Kinderarzt

Die Katze ist aus dem Sack. Laut dem Salus-Geschäftsführer ist ein durchgehend verfügbarer Kinderarzt im Altmark-Klinikum nicht mehr sicher.

Von Gesine Biermann 17.07.2020, 20:00

Gardelegen l Die jüngste Mitarbeiterinformation schlägt im Gardelegener Altmark-Klinikum ein wie eine Bombe. Fazit für viele Mitarbeiter: Das Aus der Kinderklinik ist offenbar längst beschlossene Sache. Vor allem ein Satz macht die Runde: „Für einen rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr verfügbaren Kinderarzt im Gardelegener Altmark-Klinikum können wir nicht garantieren.“

Hans-Joachim Fietz-Mahlow, Geschäftsführer der Salus Altmark Holding (SAH), wendet sich mit der Erklärung am 17. Juli direkt an die Belegschaft des Gardelegener Krankenhauses. Nicht zum ersten Mal. Diesmal ist offenbar eine Presse-Anfrage der Volksstimme Anlass für sein Rundschreiben, denn Fragen und Antworten sind fast identisch. Die Kernaussage in Kurzfassung: Gardelegen versorgt ambulant – Salzwedel übernimmt die stationäre Behandlung.

Von der Volksstimme angefragt waren unter anderem die laut SAH oft zitierten Fallzahlen in der Kinderklinik, die nach Angaben der Salus Altmark Holding stark abnehmen. Den Angaben zufolge, die der Volksstimme vorliegen, schwankten die Patientenzahlen in den vergangenen Jahren indes nur marginal.

Wie Hans-Joachim Fietz-Mahlow gegenüber der Volksstimme betont, spiele dieser Fakt aber eigentlich „nicht die zentrale Rolle“ in den Planungen für die Kinderklinik. Das ist insoweit erstaunlich, dass bislang alle möglichen Kürzungen auf diesem Fakt basierten.

Fietz-Mahlow verweist in seiner Antwort nun vor allem auf die geringe Schwere der Erkrankungen: Nur bei etwa einem Drittel der Fälle sei eine stationäre Aufnahme erforderlich.

Ein künftiges pädiatrisches Zentrum in Gardelegen werde deshalb familienfreundliche Sprechzeiten über das bisher übliche Maß hinaus – auch abends und an den Wochenenden –anbieten. Also vor allem zu „Spitzenzeiten“. So seien zum Beispiel 2019 lediglich 106 Patienten an einem Dienstag vorstellig geworden, an einem Sonnabend kamen 358. „Dies zeigt, dass insbesondere außerhalb der Sprechzeiten niedergelassener Ärzte alternative Versorgungsstrukturen erforderlich sind.“

Fietz-Mahlows Interpretation der immerhin 1435 jungen Notfallpatienten des vergangenen Jahres: „Mitunter kommen Familien mit ihrem Kind auch häufiger in die Notaufnahme, weil hier immer besetzt ist und eine gut ausgestattete Behandlungseinrichtung verfügbar ist.“ Viele der vorgestellten Kinder bedürften indes gar keiner Notfallversorgung im klassischen Sinne mit dringendem fachärztlichen Behandlungsbedarf, sondern können nach Diagnostik und Behandlung erfreulicher Weise wieder nach Hause entlassen werden.“

Es gelte deshalb: „Ressourcen (...) zu bündeln und sinnvoll zu vernetzen.“ Ein modernes pädiatrisches Zentrum mit ambulantem Schwerpunkt in Gardelegen und gestärktem stationären Angebot in Salzwedel wären „eine zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen“, insbesondere angesichts von Fachkräftemangel und Bevölkerungsentwicklung.

Thema Fachkräfte: Auf eine Ausschreibung des Altmark-Klinikums hatte sich laut Fietz-Mahlow ein Bewerber um die Stelle des ärztlichen Leiters der Pädiatrie gemeldet: „Leider kam im Ergebnis kein Arbeitsvertrag zustande.“ Ungeachtet dessen habe die SAH ihre Aktivitäten zur Gewinnung eines ärztlichen Leiters noch einmal intensiviert.

Laut Stellenausschreibung sucht das Klinikum derzeit allerdings gar nicht mehr nach einem Leiter für die Kinderklinik Gardelegen, sondern nach einem Chefarzt für ein „standortübergreifendes pädiatrisches Zentrum.“ Dabei soll offenbar der Standort Gardelegen für den ambulanten Teil zuständig sein.

Die Pläne der Salus Altmark Holding für die Gardelegener Kinderklinik sind also offenbar längst klar, auch wenn der Geschäftsführer auf Nachfrage der Volksstimme noch keine Angaben zur künftigen Struktur der Kinder- und Jugendmedizin machen will und auf das Konzept verweist, das „im Verlaufe des Sommers erarbeitet und diskutiert wird“.

Fietz-Mahlow: „Auch wenn es viele nicht gern hören und möglichst alles so belassen wollen: Um eine bestmögliche medizinische Versorgung im Altmarkkreis sicherstellen zu können, werden künftig nicht mehr an beiden Standorten des Altmark-Klinikums alle bislang vertretenen medizinischen Fachrichtungen mit stationären Kapazitäten vertreten sein können.“