Naturschutz

Kellerberge bei Gardelegen: Hunde anleinen und Müll mitnehmen

Die Kellerberge bei Gardelegen umfassen wertvolle Biotope wie Zwergstrauchheiden und Sandmagerrasen. Um diese zu schützen, sollten Spaziergänger Regeln beachten.

Ein Hund in den Kellerbergen. Man mag fast glauben, dass er sich interessiert die Tafel mit den  Wanderwegen und Verhaltensregeln ? dazu gehört auch das Anleinen von Hunden ?  anschaut.
Ein Hund in den Kellerbergen. Man mag fast glauben, dass er sich interessiert die Tafel mit den Wanderwegen und Verhaltensregeln ? dazu gehört auch das Anleinen von Hunden ? anschaut. Foto: D. Riesner

Gardelegen - ca

In Zeiten der Pandemie würde es viele Menschen hinaus in die Natur ziehen. Auch die Kellerberge bei Gardelegen würden derzeit einen bisher ungewohnten Besucherandrang erleben. Allerdings würde das auch Gefahren für die sensible Tier- und Pflanzenwelt in den Kellerbergen mit sich bringen. „Daher bitten wir alle Besucher mitzuhelfen, die heimische Natur zu schützen“, betonte Susanne Belting, fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Die rund 300 Hektar große DBU-Naturerbefläche Kellerberge sei als Teil des Nationalen Naturerbes dem Naturschutz gewidmet. Das habe gute Gründe. Die Fläche umfasse wertvolle geschützte Biotope wie Zwergstrauchheiden und Sandmagerrasen, die außerhalb von Schutzgebieten bundesweit immer seltener würden. So auch die darauf spezialisierten Tier- und Pflanzenarten wie Ziegenmelker, Wiedehopf, Heidelerche, Schlingnatter und Heidenelke, die in den Kellerbergen noch einen Lebensraum finden würden.

Ungestörte Brut ermöglichen

Die weitläufigen Offenlandlebensräume sollen bodenbrütenden Vögeln wie der Heidelerche und dem Ziegenmelker einen geeigneten Nistplatz bieten.

„Die Nester im Gras sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Bei stetigen Störungen durch Menschen und freilaufende Hunde können die sensiblen Vogelarten ihre Gelege aufgeben, und die Eier kühlen aus“, erklärte Revierförster Detlev Riesner vom Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt. Er betreut im Auftrag der DBU Naturerbe gemeinsam mit seinen Forstwirten die Fläche vor Ort.

Forstarbeiter entdecken Müllkippen

Derzeit würden dort jedoch viele Besucher abseits der ausgewiesenen Wege spazieren gehen oder ließen dort ihre Hunde spielen.

Und immer wieder würden Forstmitarbeiter wilde Müllkippen in den Kellerbergen entdecken. Die müssten teils mit erheblichem Aufwand entsorgt werden.

Sperrmüll, Plastiktüten, achtlos weggeworfene Taschentücher, zurückgelassene Alu-Grillschalen, belasteter Bauschutt und Grünabfälle würden illegal im Wald entsorgt. „Dabei sind Grünabfälle keineswegs so harmlos, wie es auf den ersten Blick scheint. Pflanzliche Abfälle in Naturschutzgebieten können diese überdüngen und noch dazu Samen von Pflanzen eintragen, die in den DBU-Naturerbeflächen überhaupt gar nichts zu suchen haben, da sie natürlicherweise dort nicht vorkommen“, betont Belting.

Durch belasteten Bauschutt könnten Gifte ins Grundwasser eindringen. Plastikmüll stelle über Jahrzehnte eine Gefahr für Tiere und Kleinstlebewesen dar, wenn sie ihn aufnehmen oder sich darin verheddern. „Auch Zigarettenkippen haben in der Landschaft nichts zu suchen – zumal sie bei den von Trockenheit geschädigten Bäumen schnell zum Brandsatz werden könnten“, macht Belting deutlich.

Autos nicht auf Gras abstellen

Autos sollten nur auf ausgewiesenen und dafür vorbereiteten Parkplätzen, nicht auf trockenem Gras abgestellt werden, da auch dies ein Feuer entfachen könnte.

Ein weiteres Problem sei die Trockenheit. Die geringen Niederschläge der vergangenen drei Jahre hätten ihre Spuren hinterlassen. Vor allem Nadelhölzer leiden unter dem Trockenstress. Schädlinge wie Prachtkäfer und Borkenkäfer hätten dann ein leichtes Spiel.

Die Flächeneigentümerin möchte die Natur auf naturverträgliche Weise erlebbar machen. Doch das Nationale Naturerbe wie auch andere Naturschutzgebiete und ihre Schützlinge würden davon leben, dass Menschen der Tier- und Pflanzenwelt Raum und Ruhe lassen.

DBU Naturerbe betreut 71 Flächen

Freigegebene Wege seien auf den großen Hinweisschildern am Rand der DBU-Naturerbe-fläche eingezeichnet. „Wir laden alle ein, die Landschaft auf diesen offiziellen Routen zu erkunden und mit angeleinten Hunden die Ruhe zu genießen. Wir bitten aber darum, den Müll wieder mitzunehmen und nicht unachtsam einen Waldbrand zu riskieren“, fasst es Belting zusammen.

Die DBU Naturerbe ist für den Naturschutz auf 71 überwiegend ehemals militärisch genutzten Flächen – etwa 70 000 Hektar in zehn Bundesländern – zuständig.