Gardelegen l 1500 Euro waren einfach weg. Aus einem Portmonee im Sekretär. 5000 hätten es sein müssen. Dass Mario O. so viel Bargeld im Haus hat, hat einen Grund: Ab und an kauft der Chef eines Gardeleger Hausmeisterservicebetriebes und Geschäftsinhaber eines Trödelladens auch schon mal Antiquitäten auf. „Da muss ich flüssig sein.“

Doch nun fehlt plötzlich Geld. „Aus jedem Fach ein paar Scheine. Das war richtig geschickt gemacht“, sagt Mario O., und plötzlich ergibt für ihn Sinn, was eine seiner Mitarbeiterinnen tags zuvor schon beobachtet hatte: „Ihr war jemand auf meinem Grundstück aufgefallen, der da rumschlich.“ Außerdem war an seiner Wohnungstür „ein bisschen Farbe abgeplatzt“.

Anzeige nützt nichts

Mario O. geht zur Polizei und zeigt den Einbruch an. Die kommt auch und nimmt alles auf. „Aber ich habe nicht daran geglaubt, dass dabei was rauskommt“, sagt er achselzuckend. Er soll Recht behalten: Vor wenigen Tagen erst trifft der Brief von der Staatsanwaltschaft ein. Verfahren eingestellt. „Ich hab es ja gesagt.“

Allerdings liegt mittlerweile schon wieder eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft vor. Selber Ort, selbes Opfer - nur dass Mario O. nun nicht wirklich zum Opfer wurde, denn diesmal fängt er den Dieb und hält ihn fest: „Ich wusste einfach dass er es noch mal versuchen wird. Die Katze läst das Mausen nicht.“

Handy schlägt Alarm

Deshalb installiert er kurzerhand eine Kamera, versteckt über der Tür, vernetzt sein Handy per App, und ziemlich genau einen Monat später tritt tatsächlich ein, womit er seit Wochen rechnet: Die App springt an und zeigt ihm einen Herrn samt Werkzeug genau vor seiner Wohnungstür. „Ich konnte ihm quasi beim Einbrechen in meine Wohnung zuschauen.“

Sofort setzt sich Mario O. , der zu der Zeit gerade in seinen Geschäftsräumen ist, ins Auto und fährt gemeinsam mit einem Kollegen nach Hause, bittet eine Mitarbeiterin aber vorher noch die Polizei anzurufen.

Auge in Auge mit dem Einbrecher

Vor seinem Grundstück angekommen, lässt er sein Auto auf der Straße stehen, anstatt auf den Hof zu fahren, geht ins Haus, „und dann stand ich zwei Meter vor ihm. Zwei Bolzen aus der Wohnungstür hatte er schon rausgedreht und wollte gerade die Tür aushebeln.“

Dass der völlig überraschte Einbrecher ihm dann androht, die Polizei zu rufen, bringt Mario O. dann allerdings fast zum Lachen. Er kann den Mann aber beruhigen, denn die ist ja schon längst unterwegs.

Als der fliehen will, ruft er allerdings noch mal selbst im Revierkommissariat an: „Ich habe den Beamten gesagt, dass ich den Dieb erwischt habe und dass ich ihn nicht anfasse. Weil er weglaufen will, muss ich ihn aber möglicherweise festhalten ...“

Doch das muss er zum Glück nicht mehr. Denn die Polizei kommt und waltet ihres Amtes. Und sie sichert sogar das Fahrrad des Diebes vor Diebstahl. Das nämlich steht noch draußen an einer Mauer vor dem Grundstück, und der erwischte Einbrecher hat offenbar Angst, dass ihm Mario O. sein Eigentum klaut: „Ich trau dem nicht“, sagt er zu den Beamten. „Da mussten sogar sie lachen.“

Nun liegt der Fall beim Staatsanwalt. „Und natürlich hat er den ersten Einbruch abgestritten“, sagt Mario O. Deshalb hofft er nun, dass es trotzdem eine Gerichtsverhandlung gibt: „Ich will nur, dass er sich dafür verantworten muss. Mein Geld habe ich sowieso längst abgeschrieben.“