Gardelegen l Mega aufgeregt sei sie gewesen. „Gott sei dank war ich nicht die Erste, die nach vorne musste“, räumt Sandra Gutsche ein. Und sie habe danach auch keine lange Rede halten können, sondern einfach nur glücklich „Danke“ gesagt, nachdem sie von Salvatore Russo vom Kunstkuratorium den internationalen Michelangelo-Kunstpreis für ihr Werk None (Keiner) erhalten hat. Der Empfang fand am jetzt im vornehmen Brancaccio Palace mitten in Rom statt. Ein Erlebnis, das San-dra Gutsche und ihr Ehemann Tino, der sie begleitet hat, nicht vergessen werden. „Am Anfang habe ich gedacht, das ist ein Fake, so unter dem Motto: Sie haben einen Preis gewonnen.“ Dieser internationale Kunstpreis wird jedes Jahr einmal vergeben. Das Kuratorium unter der Regie der Brüder Salvatore und Francesco Russo sucht international im Internet nach in Frage kommenden Kunstwerken. „Bewerben kann man sich dafür nicht“, weiß Sandra Gutsche. Während sich Salvatore Russo um die internationale Kunst kümmert, hat sein Bruder die italienische Kunst im Visier.

Zur Preisübergabe in Rom waren etwa 15 italienische Künstler und 15 Künstler aus dem Ausland wie Frankreich, USA, Norwegen und drei aus Deutschland dabei. Das erste Mal sei sie 2018 vom Kuratorium angeschrieben worden. „Da war ich noch nicht so weit“, gesteht die 43-Jährige. In diesem Jahr kam erneut eine E-Mail vom Kuratorium. „Am Anfang habe ich gedacht, das ist ein Fake, so unter dem Motto: Sie haben einen Preis gewonnen“, erinnert sich die Künstlerin. Dieses Mal habe sie dann nicht abgelehnt. „Ich habe mich sehr gefreut.“ Nicht nur über den Preis und das tolle Erlebnis der Preisübergabe in der italienischen Hauptstadt, sondern auch, dass ihr Werk None Aufnahme im Katalog Art International gefunden hat, der zu den führenden Kunstkatalogen gehöre. „Das ist ganz wichtig für einen Künstler“, weiß Gutsche, letztlich um den Marktwert und Bekanntheitsgrad international zu steigern. Die Kataloge gehen weltweit an Galerien. „Nur so hat man eine Chance, gesichtet zu werden. Ich hatte Glück. Es war die richtige Zeit, der richtige Ort, das richtige Werk und der richtige Mensch, der davor stand“, betont Sandra Gutsche mit einem strahlenden, immer noch ganz glücklichen Lächeln.

Preisübergabe in Rom

Und sie freut sich zudem ganz besonders, dass es gerade dieses Werk None war, das das Kuratorium begeistert hat. Es zeigt eine Frau und einen Mann mit starrem Blick – entweder schauen sie auf einen imaginären Punkt oder sie beobachten den Betrachter – in Öl auf einer 1,70 mal 1,40 Meter großen Leinwand. „Was will uns der Künstler damit sagen? Das kann ich nicht wirklich erklären. Es entsteht einfach“, sagt Gutsche. Die Malerei sei, wie die Kunst überhaupt, schon ein schwieriges Metier. Für sie sei es beispielsweise unmöglich, Bilder nach Gefallen zu malen, so nach dem Motto „Mal mal ein schönes Bild“. „Das Werk lebt vom Betrachter, der macht das Bild lebendig. Sicher, ich habe es erschaffen und gebe dem Bild eine Seele“, so Gutsche. Wenn einer aber sagt, „Alter, wie krass ist das denn“, wenn das Bild dazu bewegt, stehen zu bleiben und es zu betrachten, „dann habe ich es geschafft.“ „Ein norwegischer Künstler hat zu mir gesagt, ein Maler sei ein Werkzeug Gottes. Man setzt das um, was man empfängt. Ich fand diesen Ansatz sehr gut“, sagt Tino Gutsche.

Bilder

Für Sandra Gutsche steht das figurative Malen im Mittelpunkt, keine detailgetreuen Porträts, wie vom Foto abgemalt. „Das ist nichts für mich. Das würde mich nicht erfüllen“, betont Gutsche. Markant an ihren Werken sei allerdings eines: Es fehlt immer ein Körperteil. „Warum? Diese Frage habe ich mir nicht gestellt“, so Gutsche. Sie habe beim Malen ganz viele Dias im Kopf, die sich übereinanderschieben. „Das sind immer Sequenzen, kein fertiges Gebilde. Man entwickelt etwas und verwirft es wieder.“ Ein Stück weit ist die Malerei familiär begründet. Ihr Vater habe wunderschöne Porträts gemalt. „Da war ich als Kind schon fasziniert“, erinnert sich Sandra Gutsche, die aus Haldensleben stammt. Auch sie habe früh mit dem Malen angefangen, um ihre „Energie im Kopf auszuleben“.

2016 habe sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Kann sie davon nun leben? „Ich verkaufe schon, aber man sagt ja immer, das ist brotlose Kunst. Ich würde aber alles machen, um malen zu können. Ich würde auf alles verzichten, ich würde auch putzen gehen“, sagt Gutsche mit ganz viel Leidenschaft im Blick. Sie habe aber auch eine tolle Familie im Hintergrund, die sie sehr unterstütze. „Mein Mann ist so der ruhige Manager, der alles organisiert. Ich bin so mehr der Chaoskopf“, meint die Künstlerin. Es sei für sie ganz wichtig, mit ihrem Mann einen Gegenpart zu haben. „Es gibt Zeiten, da vergesse ich alles über die Malerei. Meine Familie gibt mir Rückhalt, das machen zu können.“