Gardelegen l So eine Deutschstunde ist eine feine Sache. Sie mussten sich nicht melden, sondern durften einfach nur zuhören. Und dann auch noch einer richtig peppigen Geschichte: Meermädchen Nestis, die Hauptperson in Petra Hartmanns Kinder-Fantasieserie, ist ihnen nämlich ziemlich ähnlich. Zwar hat die Kleine einen Fischschwanz, „mit dem zum Beispiel Fahrrad fahren nicht so einfach ist“, wie die Autorin versichert, aber sonst geht es ihr genau so, wie den Jungs und Mädchen der dritten und vierten Klasse der evangelischen Grundschule.

Und das stellten die auch ganz schnell fest. Denn auch die kleine Nixe muss sich nämlich mit den Erwachsenen rumplagen, obwohl sie lieber mit ihren Kumpels spielen würde. Auch sie sagt ab und zu nicht ganz so erwachsenentaugliche Wörter, wie zum Beispiel „Walpups“. Und auch sie muss sich ab und zu mit anhänglichen Geschwistern herumschlagen, zum Beispiel mit Undine, diesem „Nervensägenfisch“, die ihr ständig an der Schwanzflosse klebt. Und genau damit geht ihre Lesung los: „Kleine Schwestern sind die Pest“, heißt nämlich das erste Kapitel ihres Kinderbuches „Nestis und die verschwundene Seepocke“, aus dem Petra Hartmann an diesem Morgen vorliest. „Dafür habe ich mich übrigens schon mehrfach bei meiner eigenen kleinen Schwester entschuldigen müssen“, verrät sie schmunzelnd.

Meermädchen auf Helgoland geboren

Ohnehin erfahren die Zuhörer an diesem Morgen auch einiges, was nicht im Buch steht, zum Beispiel, wie eine Schriftstellerin so zu ihren Ideen kommt. Nestis zum Beispiel sei ihr vor mehr als zehn Jahren bei einem Unwetter auf der Nordseeinsel Helgoland spontan über den Weg geschwommen, erzählt ihnen die Autorin. Zwar gab es die kleine Nixe schon damals nur in ihrem Kopf, dort aber blieb sie offenbar ziemlich hartnäckig und richtete sich gemütlich ein: „Manchmal wird man die Figuren eben einfach nicht mehr los“, verriet Petra Hartmann. Und weil das bei Nestis auch so war, erzählt sie seither in ihren Büchern die abenteuerlichen Geschichten, die ihr das kleine Meermädchen so zuflüstert.

Und das sind ganz schön viele. Drei Nestis-Bücher sind es nämlich mittlerweile schon geworden. Sie alle sind natürlich auch in der Gardeleger Bibliothek zu finden.

Überraschung für Verein

Dass die Jungs und Mädchen der evangelischen Grundschule dort am Mittwoch sitzen und Nestis kennenlernen durften, lag übrigens an einem ganz besonderen Tag: Am 23. April werde nämlich seit vielen Jahren der Welttag des Buches gefeiert, erzählte ihnen Bibliotheksleiterin Laura Zernecke. Und dazu lädt die Gardeleger Bibliothek immer Gäste ein.

Als Dankeschön für die geschenkte Lesung gab es dann auch für das Bibliotheksteam eine Überraschung: Die Kinder hatten nämlich einen grünen Sparfrosch gefüttert, der dem Bibliotheksförderverein zugute kommen soll. Über diesen werden regelmäßig Lesungen organisiert, und auch Kinderveranstaltungen und -projekte unterstützt. Deshalb freute sich Laura Zerneke auch sehr über das unerwartete Geschenk. Darüber, dass Petra Hartmann gekommen war, freuten sich auch die Bibliotheksmitarbeiter: „Schließlich ist es schon toll, dass wir eine Autorin ganz in der Nähe haben“, fand Cornelia Schön. Und so wird es bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Nestis in der Gardeleger Bibliothek herumschwimmen durfte.