Bekämpfung Eichenprozessionsspinner

Mit Würmern gegen Raupen: Erstes Aufbringen der Nematoden auf 255 Eichen am Wilhelmskanal bei Miesterhorst im Altmarkkreis Salzwedel

Sie sind winzig klein und mit dem bloßen Auge nicht erkennbar, sollen aber Großes im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner bewirken. Am Freitagabend, 14. Mai, wurden 255 Eichen am Wilhelmskanal bei Miesterhorst mit Nematoden (Fadenwürmer) besprüht.

Von Elke Weisbach
255 Eichen entlang des Wilhelmskanals bei Miesterhorst wurden am Freitagabend mit der Nematoden-Brühe besprüht. In 14 Tagen wird das noch einmal wiederholt, um später geschlüpfte Raupen des Eichenprozessionsspinner mit zu vernichten.
255 Eichen entlang des Wilhelmskanals bei Miesterhorst wurden am Freitagabend mit der Nematoden-Brühe besprüht. In 14 Tagen wird das noch einmal wiederholt, um später geschlüpfte Raupen des Eichenprozessionsspinner mit zu vernichten. Foto: Elke Weisbach

Miesterhorst - Zum Glück spielte das Wetter mit. Nach einem total verregneten Donnerstag, 13. Mai, und Freitagvormittag, 14. Mai, klarte es ab Mittag auf. Und es blieb trocken sowie weitestgehend windstill, so dass dem Vorhaben am Freitagabend bei Miesterhorst nichts im Wege stand. Das erste Ausbringen von Nematoden (Fadenwürmern) zur biologischen Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners konnte starten. Die Bedingungen waren laut Florian Kauer, Fachdienstleiter im Bereich Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung Gardelegen, sogar „ideal“, da durch den vorherigen Regen eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte, was als Vorteil angesehen wird.

Forschungsprojekt der Hochschule Anhalt

Mit dem Besprühen befallener Eichen im Biosphärenreservat Drömling mit Nematoden beschreitet die Hansestadt Gardelegen einen neuen Weg, der auch wissenschaftlich begleitet wird. Denn diese Art der Bekämpfung ist Teil eines Forschungsprojektes der Hochschule Anhalt zu innovativen, nachhaltigen und alternativen Methoden. Dafür waren am Freitagabend Henrike Wild und Felix Froch von der Hochschule vor Ort am Wilhelmskanal, der ersten Station an diesem Abend. Es folgte noch das Aufbringen an der Straße von Engersen zur L 20 sowie an der Landesstraße zwischen Buchhorstund Röwitz.

Mit dabei waren neben den beiden und Kauer auch Thomas Kölle von der Unteren Forstbehörde im Altmarkkreis Salzwedel und Moritz Emme als zuständiger Leiter des Revieres Solpke, in dem sich der Bekämpfungsbereich befindet. Und sie alle schauten Thomas Fromm und Thomas Klaus von der beauftragten Schädlingsbekämpfungsfirma aus Biederitz interessiert auf die Finger und verfolgten jeden Handgriff. Alle warteten gespannt auf die Fadenwürmer, die allerdings mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind.

Bäume von oben bis unten benetzt

Ein erdig aussehendes Pulver schüttete Klaus in den mit fünf Litern Wasser gefüllten Eimer, beides wurde von Fromm mit einem elektrischen Rührer ordentlich miteinander vermischt. Nach kurzer Ruhezeit wurde es noch einmal durchgerührt und kam dann in den mit weiterem Wasser und einem Zusatzstoff, der das Überleben der Fadenwürmer auf den Raupen für mindestens zwei Stunden sicherstellt, gefüllten Spritztank. Dort nahm Henrike Wild noch eine Probe, die sie später unter dem Mikroskop mit Blick auf die Fadenwürmer untersuchen wollte.

Dann hieß es schnell sein, damit die Nematodenbrühe dorthin kam, wo sie hin sollte, nämlich an die 255 befallenen Eichen, wobei darauf geachtet wurde, dass auch die Kronen vollständig benetzt werden. In Schrittgeschwindigkeit bewegte sich das Fahrzeug mit der Spritzvorrichtung vorwärts und nebelte die Bäume von oben bis unten ein.

Nach 14 Tagen zweites Besprühen

Dass am Abend nach Sonnenuntergang gesprüht wurde, liegt daran, dass die Raupen des Eichenprozessionsspinners hauptsächlich nachts auf Nahrungssuche sind und dazu im Verband, als Prozession, Baumstamm und Äste entlang wandern. Tagsüber ziehen sie sich in ihre Nester zurück. Doch es gibt immer Ausnahmen von der Regel, so Thomas Kölle. Er habe auch schon tagsüber große Prozessionen beobachten können.

In 14 Tagen wird das Besprühen wiederholt, erläuterte er , damit auch noch später geschlüpfte Spinnerraupen bekämpft werden. Dabei dringen die Nematoden, die bereits erfolgreich zur Schädlingsbekämpfung im Gartenbau eingesetzt werden, in sie ein und setzen ihr mitgeführtes Bakterium frei. Dies vermehr sich und tötet die Raupe innerhalb von zehn Tagen. Für Menschen sind die Fadenwürmer ungefährlich.

Thomas Klaus (links) und Thomas Fromm von der Biederitzer Firma lösen das Nematodenpulver zunächst in fünf Liter Wasser auf.
Thomas Klaus (links) und Thomas Fromm von der Biederitzer Firma lösen das Nematodenpulver zunächst in fünf Liter Wasser auf.
Foto: Elke Weisbach
Henrike Wild von der Hochschule Anhalt, die das Projekt wissenschaftlich begleitet, nimmt eine Probe der Spritzbrühe.
Henrike Wild von der Hochschule Anhalt, die das Projekt wissenschaftlich begleitet, nimmt eine Probe der Spritzbrühe.
Foto: Elke Weisbach