Gardelegen l Der Aufsteller am Haus II der Gardelegener Stadtverwaltung verkündete es am Mittwoch: „Mütterberatung heute!“ Seit Mai wird dieses umfangreiche und kostenlose Beratungsangebot in der Hansestadt allen Mamas mit Kindern bis zu drei Jahren offeriert. Und es wurde bisher, wie die für Gardelegen zuständige Familien-Hebamme Cornelia Striewski im Gespräch mit der Volksstimme  resümierte, auch schon angenommen, wenn auch verhalten: „Es könnte noch mehr werden.“ Dieses Malaber kam gar keine Mutti vorbei, was, wie Striewski vermutete, an der fehlenden Kommunikation gelegen habe. Die Mütterberatung wurde nämlich bisher im oberen Beratungsraum des Gardelegener Rathauses angeboten, den die Stadt kostenfrei zur Verfügung stellte. Der war auch sehr gut geeignet, so die Hebamme. Allerdings wussten die Muttis nicht, wo sie ihre Kinderwagen abstellen sollen. Unten an der Treppe ist der Platz begrenzt. Aus diesem Grund wurde gemeinsam nach Alternativen und einem Raum gesucht, der ebenerdig und ohne Barrieren zu erreichen ist. Die Wahl fiel auf den Raum Bornemann im Haus II der Stadtverwaltung. Allerdings wurde versäumt, dieses auch publik zu machen, bedauerte Striewski.

Nichtsdestotrotz wird das Angebot weiter aufrecht erhalten. Gut Ding braucht manchmal Weile, sagt ja schon ein Sprichwort. Und das der Bedarf vorhanden ist, davon sind Striewski, ihre für Salzwedel zuständige Kollegin Babett Gerke und die Netzwerk-Koordinatorin Susann Meinecke vom Jugendamt des Altmarkkreises überzeugt. Sie als Team hatten die Idee dazu, ein Angebot zu schaffen, das über die Zeit der Betreuung durch die Nachsorge-Hebamme hinausgeht. Denn da, das stellten sie laut Striewski fest, gebe es wenig Angebote für Familien, obwohl die Fragen rund ums Kind nicht weniger würden. Der Name Mütterberatung wurde gewählt, weil damit Positives verknüpft werde. „Was früher funktioniert hat, kann auch heute nicht schlecht sein“, so die Familien-Hebamme.

Muttis kommen einfach ohne Termin vorbei

Es gebe keine Zugangsvoraussetzungen. Das Angebot, das für Einwohner des Altmarkkreises kostenlos ist, sei ganz unbürokratisch für Eltern mit Kindern bis zu drei Jahren nutzbar. Sie kommen einfach vorbei, machen keinen Termin vorher. Allerdings sollte das Untersuchungsheft der Sprösslinge mitgebracht werden. Daraus können die Hebammen die medizinischen Daten ablesen, die für die Beratung notwendig sind. Die Fachfrauen empfehlen nur, die Untersuchungen in Anspruch zu nehmen, entscheiden müssen es die Eltern allein. Allerdings werden ab einem Jahr die Vorsorgeabstände größer, die Fragen, die oft Alltagssituationen betreffen, aber nicht weniger. Die häufigsten Fragen, die gestellt werden, betreffen laut Striewski die Klassiker Einschlafen und Durchschlafen, die Ernährung – wie lange sollte gestillt, wann der erste Brei und welcher zugefüttert werden –, die Körperpflege – wann müsse beispielsweise mit dem Putzen der Zähnchen begonnen werden – sowie die Entwicklungsstufen. Wer möchte, kann sein Baby messen und wiegen lassen.

Vermittlung zu anderen Hilfsangeboten

Manchmal sei es auch schon hilfreich, wenn man sich unvoreingenommen alle Sorgen und Probleme anhört, die sich rund um das Leben mit dem Nachwuchs und in der Familie ergeben können. Immer im Blick haben die Fachfrauen die Fürsorge und den Kinderschutz. Es gibt bei Bedarf Empfehlungen und Vermittlungen zu anderen Hilfsangeboten. Außerdem erfolgt auf Wunsch eine Zusammenarbeit mit der Kinderklinik oder weiteren medizinischen Einrichtungen und Ärzten. Cornelia Striewski: „Wir sind das Bindeglied zwischen Mutter und Arzt.“ Bei manchen Problemen können die Hebammen aufgrund ihres Erfahrungsschatzes schon hilfreiche Tipps geben, so dass nicht sofort ein Kinderarzt aufgesucht werden muss.

Jede Mutter, die das Angebot wahrnimmt, erhält übrigens ein kleines Täschchen mit nützlichem Inhalt. Darin enthalten sind unter anderem ein Fieberthermometer, ein Lätzchen in einem satten Karottenton, der Gutschein für einen Babykalender, ein Zahnpflegefingerling sowie Info-Broschüren zur Mütterberatung, Anfänge der Zahnpflege und Schüttelprävention mit Tipps für starke Eltern, deren Nerven auch einmal blank liegen können. Die Mütterberatung wird über das Netzwerk „Frühe Hilfen“ des Altmarkkreises Salzwedel angeboten und von der gleichnamigen Bundesstiftung gefördert.