Gardelegen/Calvörde l Pkw, schwere landwirtschaftliche Technik, Kremserwagen mit schweren Warmblütern vorweg und sogar Busse – auf der sogenannten Möllerbrücke im Biosphärenreservat Drömling herrscht reger Betrieb. Kein Wunder, ist es doch die Hauptstrecke zwischen Mieste und dem Kanal bei Piplockenburg. Allerdings ist die Brücke über die Ohre völlig marode. Aus diesem Grund wurde schon vor Jahren eine Tonnagebegrenzung auf maximal vier Tonnen festgelegt. Mähdrescher, Traktoren und Busse dürften allerdings wesentlich mehr wiegen.

Es gibt also dringenden Handlungsbedarf, was eine Sanierung des Bauwerkes betrifft. Darauf hatte schon im Juli 2013 der Leiter des damaligen Naturparkes Drömling, Fred Braumann, im städtischen Hauptausschuss hingewiesen, denn Eigentümer der Brücke sind jeweils hälftig die Stadt Gardelegen und der Flecken Calvörde. Festgestellt wurden die Schäden, unter anderem Risse im Fundament, bereits im Jahr 2002. Seitdem ist auch eine Sanierung im Gespräch. Ursprünglich sollte die über ein Flurbereinigungsverfahren erfolgen. Dann war die Brücke wieder raus aus den Planungen, dann wurde sie wieder ins Verfahren aufgenommen.

Risse im Fundament

Getan hat sich allerdings bis heute nichts – sehr zum Bedauern der Biosphärenreservatsverwaltung, betonte Ulf Stautmeister, stellvertretender Leiter der Verwaltung, auf Volksstimme-Anfrage. Die Brücke sei stark frequentiert. Mitarbeiter der Biosphärenreservatsverwaltung müssten die Löcher auf der Fahrbahn laufend mit Schotter auffüllen. „Das war jetzt erst wieder der Fall. Aber das hält ja nicht lange, in der Regel nur einen Monat“, so Stautmeister. Dass sich über die vielen Jahre nichts getan hat, „ist auch für uns nicht schön.“ Eine Sanierung wäre dringend erforderlich. Aktuell hat sich jetzt der Bauausschuss des Calvörder Gemeinderates im Rahmen einer Prioritätenliste von Maßnahmen im Zuge des Flurbereinigungsverfahrenes mit der Brücke beschäftigt. Denn die Sanierung soll ein gemeinsames Projekt der Stadt Gardelegen und des Fleckens Calvörde werden. Die Kosten sollen halbiert werden. Der zehnprozentige Eigenanteil der beiden Kommunen läge dann bei je 37.500 Euro. 80 Prozent der Baukosten könnten gefördert werden. Allerdings hat es die Brücke im Calvörder Bauausschuss erneut nicht unter die ersten drei priorisierten Maßnahmen geschafft.

Nur noch drei Bauwerke in Sachsen-Anhalt

„Soweit wir wissen, hat Calvörde wohl seinerzeit eine andere Brücke höher priorisiert als die Kämkerhorst-Brücke, weshalb der Fortschritt für diese Brücke stagniert“, sagte Gardelegens Bauamtsleiter Ottmar Wiesel dazu. Das war in der Tat so. Es handelte sich um die Sponstegbrücke, die bei Calvörde über die Ohre führt. Sie war erst im Juni dieses Jahres nach einer zehnmonatigen Bauphase freigegeben worden. Die Sanierung der Möllerbrücke sei nach wie vor Bestandteil des Flurbereinigungsverfahrens. Herr des amtlichen Geschehens sei das Amt für Flurneuordnung, Landwirtschaft und Forsten (ALFF), so Wiesel. Die Stadt Gardelegen habe bereits vor sieben Jahren ihren Kostenanteil an den Planungsleistungen ans ALFF bezahlt. In der Behörde mit Sitz in Salzwedel ist der Zustand der Brücke auch bekannt.

Sie sei auch nach wie vor Bestandteil der Planungen, bestätigte Christine Vodde, Abteilungsleiterin beim ALFF für Flurbereinigung. Ein konkreter Zeitpunkt stünde allerdings noch nicht fest. „Das wird noch eine Weile dauern“, betonte Vodde. Wesentlicher Grund sei die Finanzierung, denn „die Fördermittel werden nicht mehr“. Im Gegenzug würden die Baukosten kontinuierlich steigen. Die Sanierung der Sponstegbrücke beispielsweise habe knapp 600.000 Euro gekostet. „Es wird also noch eine Weile dauern“, sagte Vodde mit Blick auf die Möllerbrücke. Die wurde nach ihrem Erfinder, Professor Max Möller aus Braunschweig, benannt. Erbaut wurde sie 1906. Sie gehört zu den ältesten Stahlbeton-Brückenbauwerken Deutschlands. In Sachsen-Anhalt soll es nur noch drei dieser Überführungen, im Volksmund auch als Fischbauchbrücke bezeichnet, geben.