Gardelegen l 26 Bretter – 27 Schachspieler. Das geht nur beim Simultanschach. Simultanspielerin ist in diesem Fall Josefine Heinemann. Im Sekundentakt geht die 20-Jährige von Brett zu Brett. Dahinter Grundschüler, Realschüler und Gymnasiasten. Manchmal muss sie ein bisschen überlegen, bevor sie zieht. Lange aber meist nicht. Schnell sammeln sich auf ihrer Seite des Brettes die Schachfiguren des Gegners. Nach vier Zügen ist der erste von ihnen Schachmatt ...

Traurig ist Christoph Neubauer von der Miester Grundschule aber nicht. Immerhin durfte er ja gegen eine Schach-Großmeisterin spielen. Und gegen eine ehemalige Königin. Denn einst war Josefine Heinemann selbst die Schachkönigin der Wander-Grundschule.

Zehnte bei Weltmeisterschaft

Seither sind allerdings elf Jahre vergangen. Mittlerweile studiert die junge Frau Wirtschaftsmathematik an der Universität Mannheim – und zwar mit einem Schachstipendium. 2016 wurde sie Zehnte bei der Weltmeisterschaft der unter 18-Jährigen, spielte auch schon in der Frauen-Nationalmannschaft mit.

Und so haben ihre Gegner an diesem Tag auch keine Chance: Nach zweieinhalb Stunden besiegt sie ihren letzten Kontrahenten – darunter auch Dieter Runge, Trainer der zweiten Männermannschaft in der Sektion Schach des SV Gardelegen, der als einziger Erwachsener gegen die junge Frau antritt.

Spiel der Könige

Das Ganze sei übrigens eine Idee von Egon Daugs gewesen, der vor 25 Jahren das Schachspiel an der Wander-Schule etabliert hatte, erzählt Schulleiterin Regina Müller. Er habe den Kontakt zu Josefine gehalten, sie zur Jubiläumsschachwoche eingeladen, „und sie hat zugesagt“, freut sie sich. Denn auch sie schaut ihrer „Josi“ an diesem Tag natürlich begeistert zu, ebenso wie Egon Daugs, sein Nachfolger Maik Schuhmacher, der aktuell die Schach-AG leitet, oder auch Walter Jakel vom SV Gardelegen, der derzeit in der Bibliothek Schachkurse gibt.

Schach, das Spiel der Könige, wird an der Wander-Schule seit einem Vierteljahrhundert gefördert. Mit Erfolg, wie nicht nur Josefine Heinemann beweist. Einen Tag zuvor zeigte auch die Schulschachmannschaft im Turnier gegen sechs andere Schulmannschaften, dass sie gut ist: „Den Pokal der Bürgermeisterin haben wir nämlich selbst geholt“, sagt Regina Müller stolz.