Gardelegen l Eine Mischung aus Kokosfett, Maisstärke und Rohrzucker sowie weiteren Zutaten – alles hübsch aufgeschäumt im 96 Grad heißen Wasser und quasi wie Rasierschaum direkt auf die Eier, Raupen oder Nester aufgetragen. Dieser Cocktail soll die Eiweißstrukturen des Eichenprozessionsspinners zerstören. Die Brennhaare sollen danach nicht mehr ihre gefährliche Wirkung entfalten können.

Zweite Aktion in diesem Jahr

Das wiederum hat zur Folge, dass die Nester nicht mehr als Sondermüll entsorgt werden müssen. Dieses ökologische Verfahren will die Stadt erstmals im Rahmen eines Pilotprojektes ausprobieren. Und zwar an 50 Eichen im Bereich des Miesterhorster Bahnhofes zur Buschstraße hin, informierte Fachdienstleiter Florian Kauer vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung der Gardelegener Stadtverwaltung.

Das Pilotprojekt findet im Zuge der zweiten Bekämpfungsaktion in diesem Jahr statt. Anfang Juli startet die mechanische Behandlung mittels Absaugen der Nester von den Bäumen. Allerdings nicht in dem Umfang wie im vorigen Jahr, denn das Land habe für 2020 fast 90 000 Euro weniger Fördermittel als im vorigen Jahr bewilligt. Zugesagt sei seitens des Landes eine Förderung von 64 000 Euro, so Kauer. Damit könnten nur noch rund 1000 Bäume mechanisch behandelt werden.

„Abgesaugt werden dann kommunale Bäume innerhalb von Wohn- und Siedlungsgebieten, an öffentlichen Einrichtungen und stark frequentierten Orten“, erläuterte Kauer. Dabei sollen auch die Ortsbürgermeister eingebunden werden, die aufgrund ihrer Ortskenntnisse genau wissen, wo befallene Bäume stehen.

Das Absaugen sei allerdings nur dann sinnvoll, wenn sich alle Raupen in die Gespinstnester zurückgezogen haben. „Das müssen wir unbedingt abwarten“, betonte Kauer.

Die Arbeiten werden von einer Osterburger Fachfirma ausgeführt. Die war auch schon in den Jahren zuvor im Raum Gardelegen im Einsatz. Auch die chemische Bekämpfung im Frühjahr mit dem biologisch abbaubaren Insektizid namens Bacillus Thuriengiensis hatte die Osterburger Firma ausgeführt.

7677 kommunale und 275 private Bäume wurden damit behandelt – 344 Bäume mehr als im vorigen Jahr. Derzeit laufen noch die Erfolgs- kontrollen. In der Tendenz würden die Erfolge territorial allerdings sehr unterschiedlich ausfallen. Problematisch sehe es trotz des Chemieeinsatzes in Schenkenhorst und Estedt aus sowie im Bereich Dannefeld und Köckte. Gute Ergebnisse habe das Besprühen mit dem Bacillus der Eichenbäume an der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe gebracht.

Das Jahr 2020 sei insgesamt ein Jahr mit optimalen Bedingungen für den Eichenprozessionsspinner. „Warm und feucht, das mögen die Raupen“, so Kauer. Auch wenn die Wetterbedingungen bei der chemischen Bekämpfung vor wenigen Wochen stimmten, gebe es weitere Aspekte, die zu Einschränkungen beim Besprühen führen würden.

Beim Chemieeinsatz sei vorgeschrieben, dass man zu jeder Art von Gewässer einen Mindestabstand von 25 Metern einhalten müsse. „Das macht es an vielen Rad- und Wanderwegen im Drömling nahezu unmöglich, die chemische Bekämpfung einzusetzen“, so Kauer. Von daher sei man sehr gespannt, wie sich das Heißschaumverfahren auswirken wird. Denn dabei handele es sich um ein ökologisches Verfahren.

Für die mechanische Bekämpfung können sich Privatleute mit ihren Bäumen noch anmelden. Denn die zweite Runde wird sich über mehrere Wochen hinziehen, so dass auch noch kurzfristig private Stationen mit in den Tourenplan aufgenommen werden können.

Kontakt: Ordnungsamt der Stadtverwaltung, Telefon 03907/71 61 40, E-Mail ordnungsamt@gardelegen.de