Letzlingen l Wenn sie reden könnten, hätten sie wohl viel zu erzählen – die Eichen im Letzlinger Schlosspark, der von den Einheimischen auch Busch genannt wird. Denn ein Großteil von ihnen sind gut 200 Jahre alt, manche wahrscheinlich noch viel älter. „Sie bilden das Grundgerüst des Waldes“, erläutert Sebastian Hey, der zuständige Leiter des Revieres Letzlingen im Forstbetrieb Altmark, in dessen Zuständigkeitsbereich sich der Schlosspark befindet.

Die knapp 18 Hektar, die zum Denkmalensemble Jagdschloss und Schlosskirche gehören, sind zum größten Teil als Wald, und nicht als Park in der Verantwortung des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt. Nur ein kleiner Teil befindet sich in privater Hand.

Buschbestand mindestens 200 Jahre alt

Erst vor kurzem fanden dort forstliche Arbeiten statt, die unter anderem auch dazu dienten, die qualitativ hochwertigen Stieleichen als Saatgutbestand des Landes zu schützen. Aus diesem Grund wurden, wie Hey erklärt, zahlreiche Buchen entnommen, die die Eichen bereits überwachsen und damit überschattet hatten.

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Denn die Eichen brauchen Licht, um gedeihen zu können. Einige Buchen wurden vor Jahrzehnten als Pflegebaumart für die Eiche eingebracht. Sie haben sich aber durch Naturverjüngung massiv vermehrt.

Auf sieben Hektar im Schlosspark sind die Eichen als qualitativ hochwertige Saatguteichen anerkannt, erläutert der Revierleiter. Dazu müssen verschiedene Kriterien erfüllt werden, wie unter anderem ein Mindestalter der Bäume von 70 Jahren. „Was für Eichen aber kein Alter ist“, betont Hey. Und die Bäume im Schlosspark erfüllen dieses Kriterium locker.

Zudem müsse der Bestand mindestens einen halben Hektar groß sein und mindestens 40 Bäume beerntet werden können, zählt Hey weitere Kriterien auf. Von diesen 40 Bäumen müssen dann am Ende mindestens 20 beerntet werden, um eine breite genetische Basis zu erhalten. Denn bei der Saatgutgewinnung gehe es um die Angepasstheit und Anpassungsfähigkeit an den jeweiligen Standort mit seinen speziellen Wuchsbedingungen.

„Vor allem mit Blick auf den Klimawandel braucht man anpassungsfähige Baumarten“, so Hey. Und die Nachfrage sei ungebrochen hoch, denn es gebe aufgrund der vergangenen Trockenheit und Sturmschäden einen massiven Aufforstungsbedarf in den Wäldern, für die auch die Eiche gefragt ist, wenn der Standort der Saatgewinnung mit dem Standort der Neuanpflanzung zusammenpasse.

Starke Blüte in diesem Jahr

Für die Frage, ob sich eine Ernte im Jahr lohnt, wird vom zuständigen Besitzer des Saatgutbestandes – im Schlosspark nimmt diese Aufgabe der Revierleiter war – im Frühjahr eine Blühprognose abgegeben. Und für 2020 hat Hey eine „sehr starke Blüte“ festgestellt. Im Spätsommer, wenn die Eicheln ausgebildet sind, erfolge von ihm dann eine Ernteprognose.

Geerntet werde im September/Oktober von den Mitarbeitern beauftragter Baumschulen. Die Ernte muss zuvor beim Landkreis als hoheitliche Stelle angemeldet werden, erläutert Hey den weiteren Werdegang. Denn die Untere Forstbehörde kontrolliert nicht nur die Vorbereitung der Ernte und die Ausführung an sich, sondern stellt für die geernteten Eicheln auch ein Stammzertifikat als Herkunftsnachweis aus.

Damit habe auch der spätere Käufer der jungen Eichen die Gewissheit, dass seine Bäume aus den Eicheln gewachsen sind, deren Standortmerkmale er für sich ausgesucht hat.

Wie die Ernte, wenn sie denn stattfindet, in diesem Jahr aussehen wird, kann natürlich noch nicht vorher gesagt werden. 2018, so Hey, wurden im Schlosspark 650 Kilogramm Eicheln gesammelt, im vergangenen Jahr gab es keine Ernte. Dass jährlich geerntet werde, sei auch nicht üblich. Früher gab es laut Revierleiter alle fünf Jahre eine Vollmast. Das bedeute, dass fast alle Bäume Samen tragen und von einem Baum eine Ernte von bis zu 50 Kilo Eicheln möglich sind.

Dürrejahre haben dem Schlosspark geschadet

Heute komme das in kürzeren Abständen vor, was auch daran liegen könnte, dass es den Eichen nicht gut geht. Denn wenn die Bäume das merken, werde immer viel Saat für Nachkommen produziert. „Die vergangenen zwei Dürrejahre haben auch dem Busch extrem geschadet“, schätzt Hey ein, obwohl die Eiche als standhafte und stabile Baumart gilt, die schon viel mitgemacht hat.

Dennoch führten die Trockenjahre 2018 und 2019 nicht nur dazu, dass viele kleine Bäume vertrocknet seien. Auch die Feinwurzeln der gestandenen Eichen haben Schaden genommen, was verzögert in diesem und wohl auch erst im nächsten Jahr zum Tragen komme. Man sehe aber jetzt schon, dass das Feinreisig in der Krone reduziert sei, die damit lichter sei und kein dichtes Blätterdach mehr aufweise.

„Man kann von unten durchgucken“, verdeutlicht der Forstfachmann. Und es könne sein, dass vielleicht auch alte Eichen aufgeben. Deshalb wurde auch bei den jüngsten forstlichen Maßnahmen Raum für Naturverjüngung geschaffen – mit Licht und Platz, die die Eiche zum Leben benötigt.