Lindstedt/Wollenhagen l „Die Grundwasserstände sind auf einem dramatischen Tiefstand. Die Wasserstände in den Gräben gehen auf Null. Im Secantsgraben ist so wenig Wasser, dass an einigen Stellen die Fische sterben, weil der Sauerstoffgehalt sehr gering ist.“ Lindstedts Ortsbürgermeister Siegfried Jordan ist in großer Sorge.

Alte Fehler korrigieren

Schon vor einem Jahr hatte er sich in dieser Angelegenheit an das Landes-Umweltministerium gewendet und Ministerin Claudia Dalbert zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen. Der kam nie zustande. Stattdessen gab es von einem Staatssekretär des Ministeriums die Aussage, „dass es in der Natur der Sache liegt, dass die Sommer immer trockener werden“, gab Jordan im Volksstimme-Gespräch wider.

Das sei wohl auch so, „aber Fehler, die man vor Jahrzehnten gemacht hat, kann, muss und sollte man korrigieren“, stellt Jordan klar. Er möchte, dass das ohnehin schon wenige Wasser nicht weiter über die Milde und Elbe in die Nordsee fließt, sondern in der Region bleibt.

Konkret geht es um die Regulierung des Wasserhaushaltes im Bereich des Secantsgrabens. Der Secantsgraben, auch Holzgraben genannt, war 1908 entstanden. Seinerzeit wurde ein Grabensystem durch das Sumpfgebiet gezogen, um die nassen Weiden und Wiesen, die im Frühjahr oft überflutet waren, landwirtschaftlich nutzen zu können.

Im Juni 1972 wurde im Rahmen eines Jugendobjektes „Melioration“ Fluter und Binnengräben neu gebaut und angelegt, um die Entwässerung der Wiesen noch weiter zu verbessern. Einst gab es auch viele Staustufen in den Gräben zur Regulierung. Viele wurden zurückgebaut.

Die verbliebenen Stauanlagen seien mittlerweile marode und kaputt, so dass eine Regulierung nicht mehr möglich ist, schildert Jordan die Situation. „Wir fragen uns nun, ob man nicht langsam umdenken muss, um auf die Trockenzyklen reagieren zu können“, betont der Ortsbürgermeister und weiter: „Wir wünschen uns einen Neubau von Staustufen.“

Frage der Verantwortung

Vor 48 Jahren sei von staatlicher Seite die Melioration beschlossen worden. „Wer übernimmt heute die Verantwortung? Wer ist zuständig, die Fehler von einst wieder rückgängig zu machen?“, fragt Jordan. Er hat sich nun damit auch an die Untere Wasserbehörde gewendet.

Das bestätigte Kreissprecherin Ivonne Ritter-Findeisen auf Volksstimme-Anfrage. Die Problematik sei der Unteren Wasserbehörde bekannt. „Es besteht Handlungsbedarf“, betont Ritter-Findeisen. Das sei nun im dritten Dürrejahr in Folge ganz deutlich geworden.

Das komplexe Gewässersystem unter anderem im Raum Kalbe erfordere – auch im Hinblick auf die Meliorationsmaßnahmen zu DDR-Zeiten, verbunden mit den aktuellen klimatischen Bedingungen – eine umfassende Betrachtung aller Gewässer. Dazu gehörten die Milde, die Untere Milde, der Königs- und der Secantsgraben. Im Ergebnis soll dazu eine Studie erstellt werden mit komplexen Lösungen.

Auf Basis dieser Studie soll dann ein Konzept für ein regionales Wassermanagement erstellt werden. Ursprünglich sollte zum Auftakt schon im April dieses Jahres ein Gewässerworkshop stattfinden „zur Definition der Aufgabenstellung dieser Studie“.

Coronabedingt fand dieser Workshop nicht statt und soll nun im Frühjahr des nächsten Jahres nachgeholt werden. „Dazu werden alle betroffenen Akteure, wie Interessengemeinschaften, Bürger, Anlieger eingeladen, um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln“, kündigte Ritter-Findeisen an.

Problem ist nicht neu

Aber offenbar sind noch viele Frage offen, vor allem eine grundsätzliche: Wer ist zuständig für die Stauanlagen im Secantsgraben? Der Unterhaltungsverband Milde-Biese jedenfalls nicht, betont Uwe Heinecke, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Jeetze und zurzeit auch unterstützend für die Verwaltung des Verbandes Milde-Biese tätig.

Der Verband sei laut Wassergesetz für die Gewässerunterhaltung und für die Gebietswasserhaushaltsregulierung zuständig, nicht aber für den Betrieb der Stauanlagen. Dazu würde derzeit die Rechtsgrundlage fehlen.

Man könne das natürlich ändern mit entsprechender Satzung, Mitgliedschaften und finanziellen Beiträgen, erläutert Heinecke. Der Gewässerworkshop könnte dazu dienen, entsprechende Aufgabe neu zu definieren. Allerdings sei die Problematik Secantsgraben auch nicht neu. Viele Stauanlagen seien schon seit Jahren nicht mehr regulierbar.

Das sieht auch Siegfried Jordan so. „Warum werden nicht einfach die Stauanlagen instand gesetzt? Nun soll alles noch mal wissenschaftlich beleuchtet werden. Ob das alles wirklich notwendig ist?“, fragt Jordan. Was immer jetzt auch passiert. Er wird an der Problematik dran bleiben, versichert Lindstedts Ortsbürgermeister.