Kalbe. Beagle Paul ist ein sehr ruhiger Vertreter seiner Art. Insofern verfolgt er auch ohne großes Knurren und Bellen, was da gerade an der Grenze zu seinem Revier passiert. Harald Müller, der für den Kalbenser Künstlerstadt-Verein die Stromkästen in der Einheitsgemeinde Kalbe bemalt, bringt einen schwarzen Hund auf das Metall, welches er zuvor grün grundiert hat.

Das Ganze passiert an der Vahrholzer Straße in Kalbe vor dem Grundstück von Regina und Wolfgang Wede. Und der Hausherr, so erzählt Harald Müller, habe schon scherzend zu ihm gesagt, dass er jetzt nicht nur einen Hund auf, sondern auch einen vor dem Hof habe.

Das Bild hat natürlich, so wie alle Stromkastenmotive, eine Geschichte. Es soll nämlich einst, so erzählt es eine Kalbenser Sage, ein Wandersmann mit seinem treuen Hund und einem prall gefüllten Geldbeutel auf der Straße zwischen Kalbe und Güssefeld unterwegs gewesen sein. Am Folgetag habe der Mann dann, von Räubern erschlagen, tot am Wegesrand gelegen, sein Hund winselnd neben ihm. Selbst als sein Herrchen begraben worden sei, habe sich das Tier nicht von dort vertreiben lassen. Und als es schließlich selbst das Zeitliche gesegnet habe, habe es fortan an der Stelle des Mordes gespukt. Ein großer Hund soll dort nächtens jedem Passanten aufgelauert und ihn mit roten Augen angeschaut haben – immer auf der Suche nach dem feigen Mörder.

Und wegen genau dieser Geschichte erhält der Hund auf dem Stromkasten nun auch ein rotes Auge, welches den mystischen Hindergrund der Sage symbolisiert, und ein braunes Auge für die Darstellung im Hier und Jetzt. Die Anwohner waren zuvor via Postwurfsendung gefragt worden, ob sie etwas gegen dieses Motiv einzuwenden hätten. Hatten sie aber nicht. Also konnte Harald Müller nun loslegen.

Knapp zehn Stromkästen hat er bereits bemalt. Rund 200 davon gibt es in der Kommune. Seine Arbeitsmaßnahme läuft noch zwei weitere Jahre.