Letzlingen l Ein Vor- und Zuname, manchmal eine Berufsbezeichnung, eine Erfindung des Verstorbenen, ein eingraviertes Bild, das Geburtsdatum und der Tag, an dem alles endete: Nur ein paar Informationen am Grabstein bleiben oft von einem Menschenleben übrig. Was jedoch, wenn sich viele Jahre nach dem Tod einer Person andere für das Leben des Verstorbenen interessieren und etwas in Erfahrung bringen möchten?

Während einer Berichterstattung in Letzlingen ist der Gardelegener Volksstimme-Redaktion ein interessanter Grabstein aufgefallen. Darauf ist zu erkennen, dass an Ludwig Deussener (1882 bis 1938) sowie seine Frau Alma Deussener (1885 bis 1971) seit mehr als 80 Jahren mit einem imposanten Grabstein erinnert wird, welcher mit einem großen Engel verziert ist. Das Besondere an dem Grabstein ist aber, dass er Ludwig Deussener nicht nur als Betriebsleiter, sondern auch als Erfinder der bleifreien Emaille beschreibt.

Suche in Archiven ohne Ergebnis

Doch welchen Betrieb leitete er? Und warum wird er als Erfinder eines Materials geehrt, das nachweislich bereits 1836 von Chemiker Adolf Martin Pleischl erfunden wurde? Wochenlange Recherchen ergaben keine genauen Anhaltspunkte zur Person Ludwig Deussener. Hinzu kommt, dass es deutschlandweit offenbar keinen Bürger zu geben scheint, der heute noch diesen Nachnamen trägt.

Auch eine Nachfrage bei den ältesten in Letzlingen lebenden Einwohnern (Namen der Redaktion bekannt) ergab keine neuen Erkenntnisse. „Einige konnten sich an Alma Deussener erinnern“, erklärte kürzlich Dorfarchivar und Heimatforscher Karl-Ulrich Kleemann. Ob es jedoch Nachfahren der beiden gibt, konnte der Letzlinger nicht sagen. Auch eine Nachfrage im Stadtarchiv in Gardelegen blieb ergebnislos. Darüber hinaus konnten auch Mitarbeiter des Landesarchives in Magdeburg keine konkreten Informationen über Ludwig Deussener herausgeben. „In unseren Beständen konnten keine genauen Hinweise zu Herrn Deussener ermittelt werden“, erklärte Antje Herfurth, Dezernatsleiterin 21, die im Landesarchiv Sachsen-Anhalt für die Bestände vom 10. Jahrhundert bis ins Jahr 1945 zuständig ist. Um jedoch zu erfahren, welchen Beruf Deussener ausübte und wo er wohnte, habe sie die Sterberegister-Zweitschrift des Standsamtes Letzlingen für 1938 durchgesehen – ergebnislos. „Es kann vermutet werden, dass Ludwig Deussener zwar in Letzlingen beerdigt wurde, jedoch in einem anderen Ort gelebt haben könnte“, so Anja Herfurth.

Daraus resultiert aber auch, dass weitere Ansatzpunkte für weitere Nachforschungen fehlen, wie es die Dezernatsleiterin erklärte. Pfarrer Gerd Hinke, zuständig für den Pfarrbereich Letzlingen, ist der Grabstein bekannt. Auch er habe sich vorgenommen, über Alma und Ludwig Deussener etwas herauszufinden, da der Grabstein mittlerweile auch denkmalgeschützt sei.

Er sei sich sicher, dass die Grabstätte von Angehörigen gepflegt werde. Um mehr erfahren zu können, hat Gerd Hinke bereits eine Anfrage an den Kirchenkreis Salzwedel gestellt. Das Ergebnis steht noch aus.