Tierrechtsorganisation setzt Belohnung aus

Tierquälerei in Letzlingen: Kater Benno mit Luftdruckgeschoss schwer verletzt

Das Entsetzen sitzt immer noch tief bei Familie Grieger aus Letzlingen (Altmarkkreis Salzwedel). Ihr knapp ein Jahr alter Kater wurde mit einer Luftdruckwaffe schwer verletzt. Die Familie hat Anzeige erstattet. Die Tierschutzorganisation PETA setzt eine Belohnung von 1000 Euro zur Ergreifung des Tierquälers aus.

Von Cornelia Ahlfeld 08.08.2021, 17:44 • Aktualisiert: 09.08.2021, 09:05
Der Federbolzen mit dem der Kater am Kopf getroffen wurde.
Der Federbolzen mit dem der Kater am Kopf getroffen wurde. Foto: C. Ahlfeld

Letzlingen - Diesen Tag werden Kerstin Grieger und ihre Tochter Tina nicht vergessen. Ein Tag, der für die Tierfreundinnen mit einem Schock endet. Es ist der 30. Juli abends. Kerstin Grieger ist schon ganz unruhig, denn normalerweise könne man die Uhr danach stellen. Wenn Futterzeit ist, kommen ihre Katzen pünktlich nach Hause.

„Punkt 17 Uhr gibt es Futter“, erzählt Kerstin Grieger. Auch Kater Benno kommt dann von seinen Streifzügen auf dem Feld gegenüber dem Wohnhaus nach Hause zurück. Nur nicht an diesem 30. Juli. Die kleine, knapp ein Jahr alte rote Fellnase lässt auf sich warten. „Es war dann so gegen halb acht Uhr abends. Da hat er sich nach Hause geschleppt“, erzählt Tina Grieger. Und er sieht schlimm aus. Das Köpfchen ist total geschwollen, dort sind mehrere Wunden – und im Kopf steckt ein Federbolzen. Tina Grieger macht geistesgegenwärtig Beweisfotos und ruft ihren Tierarzt an. Der ist sofort bereit, auch nach der Sprechzeit zu helfen. Die 26-Jährige fährt sofort in die Praxis.

Kater Benno mit dem Federbolzen im Kopf.
Kater Benno mit dem Federbolzen im Kopf.
Foto: Tina Grieger

Selbst der Tierarzt, der schon Jahrzehnte praktiziert, war entsetzt. „So was hat er auch noch nicht gesehen. Das war ein aufgesetzter Kopfschuss. Da war eine Tötungsabsicht vorhanden“, ist Tina Grieger noch geschockt. Der kleine Kater muss fürchterliche Schmerzen erlitten haben. Der Tierarzt entfernt das Geschoss aus dem Kopf, verpasst dem kleinen Kerl mehrere Spritzen. Schmerztabletten muss er heute noch nehmen, bis die Schwellungen im Kopf richtig zurückgehen. Auch wenn er mittlerweile wieder halbwegs fröhlich durch die Gegend streift. „Es ist ein Wunder, dass er das überlebt hat. Man hängt doch ein solch einem Tier“, sagt Kerstin Grieger.

Anzeige bei der Polizei

Doch die Angst bleibt. Der Tierquäler könne schließlich jederzeit wieder zuschlagen. Doch die Frauen haben auch einen konkreten Verdacht. Sie erstatten Anzeige bei der Polizei. Denn bekannt ist mittlerweile, dass der Täter den kleinen Benno mit einer Lebendfalle gefangen hat und es mindestens einen Zeugen gibt: Es soll im Zusammenhang mit der Tat eine Auseinandersetzung gegeben haben. Tina Grieger, die als Busfahrerin tätig ist, engagiert sich auch ehrenamtlich im Tierschutz, beim Tierbergungsdienst Sachsen-Anhalt. Keine einfache Aufgabe, denn es geht um die Bergung von toten Tieren und den Versuch, die Halter zu finden, um sie über das schlimme Schicksal ihrer Vierbeiner zu informieren. Sie wendet sich auch an die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland. Die setzt eine Belohnung von 1000 Euro aus für Hinweise, die den Verantwortlichen überführen. „Es ist unbegreiflich, dass Menschen Tieren zum Spaß oder aus Gehässigkeit großes Leid zufügen“, betont Peter Höffken, PETA-Fachreferent.

Fast täglich gebe es Meldungen über Fälle, bei denen Vierbeiner mit Druckluftwaffen, Schrot oder Armbrustpfeilen beschossen, mit ätzenden Flüssigkeiten übergossen oder anderweitig misshandelt werden. „Wir fordern harte Strafen für Menschen, die Tiere quälen. Wer wehrlose Tiere aus Spaß quält, schreckt möglicherweise auch nicht vor Gewalttaten gegenüber Menschen zurück“, so Höffken. Tierquälerei sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat und könne mit Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Es gebe dazu auch Forschungen, unter anderem von der Uni Darmstadt, wonach geschätzt 80 bis 90 Prozent aller extremen Gewalttäter vorher Tiere gequält hätten.

Tina und Kerstin Grieger hoffen, dass Belohnung und Ermittlungen der Polizei Erfolg haben und der Tierquäler gestellt werden kann.