Kalbe l Schockmoment für die Chefin des Kalbenser Reisebüros und eine Kundin, die am Freitag kurz nach 11 Uhr gerade von ihr bedient wurde. Da nämlich kam ein 27-Jähriger in den Beratungsraum an der Kreuzung Schulstraße/Westpromenade, bedrohte die beiden Frauen mit einem Messer und zückte dann eine Dose Pfefferspray und betätigte auch deren Druckknopf.

Unmittelbar danach entriss er der Kundin die Geldbörse, die sie fest an sich gepresst hatte und in der sich neben persönlichen Papieren und Geldkarten auch ein dreistelliger Bargeldbetrag befand, und verschwand aus der Tür. Die Geschädigte lief dem jungen Mann zwar sofort nach, konnte ihn allerdings nicht einholen. Immerhin ist die Dame 87 Jahre alt und war zudem durch den Pfefferspray-Einsatz auch noch zusätzlich gehandicapt. Sowohl sie selbst als auch die 39-jährige Chefin des Reisebüros klagten über brennende Augen und Probleme im Hals- und Nasenbereich. Deshalb wurde neben der Polizei auch ein Rettungswagen angefordert, dessen Team die beiden Frauen dann auch gemeinsam mit einem Notarzt versorgte. Eine Einlieferung ins Krankenhaus war nicht nötig.

„Ich habe den Typen gesehen. Er stand eine ganze Weile hier an der Ecke herum“, berichtete der Inhaber eines benachbarten Geschäftes. Auch anderen fiel der junge, etwa 1,70 Meter große, Mann mit den blonden Haaren auf, weil er sich so lange am Gebäude aufhielt. „Ich wollte schon rausgehen und ihn fragen, ob ich ihm irgendwie helfen kann. Aber ich hatte mich ja hier um meine Kundschaft zu kümmern“, berichtete die Chefin des Reisebüros, an das sich auch ein Lottogeschäft anschließt. In diesem herrschte zum Zeitpunkt des Überfalls ebenfalls Betriebsamkeit.

Als es passiert sei – der junge Mann habe sich einen Schal vor sein Gesicht gezogen und sei plötzlich zur Tür hereingestürmt –, habe sie laut um Hilfe gerufen und auch gleich zum Telefonhörer gegriffen, um die Polizei zu verständigen. Und die sei ja dann wenig später auch vor Ort gewesen, so die Geschäftsfrau gegenüber der Volksstimme.

Täter ist in Kalbe nicht unbekannt

Neben einem Regionalbereichsbeamten eilte auch die Besatzung eines Funkstreifenwagens zum Einsatzort. Es wurde eine Fahndung nach dem flüchtigen Täter eingeleitet, wobei auch ein Hubschrauber hinzugezogen wurde, der längere Zeit über Kalbe kreiste. Dessen Einsatz wurde aber dann ohne Ergebnis um 13.25 Uhr beendet.

Nach weiteren Ermittlungen wurde bekannt, dass sich der Räuber in einer Wohnung in Kalbe aufhalten soll. Weitere Maßnahmen ergaben, dass es in der Wohnung zu einem massiven Streit zwischen dem Täter und der 29-jährigen Wohnungsinhaberin gekommen war und von einer Bedrohungslage ausgegangen werden musste. Nachfolgend wurden Spezial-Einsatzkräfte (SEK und Verhandlungsgruppe) zum Einsatz gebracht. Der Täter konnte in der Wohnung festgenommen werden. Im Rahmen der Wohnungsdurchsuchung wurden die mutmaßlichen Tatmittel aufgefunden und sichergestellt. Der zuständige Bereitschaftsstaatsanwalt ordnete die vorläufige Festnahme an.