Gardelegen l Das ist schon selten in Gardelegens Kommunalpolitik, dass es bei zwei Projekten im Umfang von vier Millionen Euro keine Debatten gibt. So geschehen in einer außerordentlichen Sitzung aller Fachausschüsse des Stadtrates am Montagabend im Letzlinger Kulturhaus und auch gleich im Anschluss in der Sitzung des Stadtrates selbst. Es ging um zwei Grundsatzbeschlüsse: zum Bau eines Kunstrasenplatzes im Rieselwiese-Stadion des SSV 80 Gardelegen für geschätzte eine Million Euro und um eine Sanierung des Potzehner Freibades für drei Millionen Euro. Es gab weder in den Ausschüssen noch im Stadtrat eine Diskussion dazu. Alle Ausschüsse und der Stadtrat waren sich einig. Beide Projekte sollen auf den Weg gebracht werden.

Grundsatzbeschluss für Förderanträge

Die Grundsatzbeschlüsse wiederum sind erforderlich für die „grundsätzlichen Anträge“ auf Fördergeld, erläuterte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher. Und die Zeit dränge, denn bis Mitte November müssten die Förderanträge beim Land gestellt werden. Sollten sie bewilligt werden, können jeweils 90 Prozent der Kosten aus diesem Förderprogramm gesichert werden. Und auch nur dann sollen die Projekte realisiert werden.

Es handelt sich um ein Förderprogramm, um einen Bund-Länder-Investitionspakt Sportstätten. Allein noch für dieses Jahr sollen 150 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Für 2021 bis 2023 sollen es 110 Millionen Euro sein und 2024 noch einmal 160 Millionen Euro. Wie groß die Chance ist, dass Gardelegen für die zwei Großprojekte Fördermittel bekommt, lasse sich im Vorfeld nicht sagen. Fest steht, dass viel Geld vorhanden ist, „aber es wird bundesweit auch viele Anträge geben“, betonte Schumacher.

Viel Geld im Fördertopf von Bund und Ländern

In der gemeinsamen außerordentlichen Sitzung aller Ausschüsse stellten die Projektbeteiligten die Vorhaben noch einmal kurz vor. Für den SSV 80 Gardelegen mit 500 Mitgliedern wäre ein Kunstrasenplatz in mehrerlei Hinsicht der Idealfall. Allein die Sektion Fußball habe 400 Mitglieder, etwa die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche, erläuterte Fußball-Sektionsleiter Torsten Bombach. Vor kurzem erst seien 20 Kinder neu aufgenommen worden. Der Verein stoße platzmäßig so langsam an seine Grenzen, um den Spiel- und Trainingsbetrieb absichern zu können. Vor allem in den Wintermonaten, denn die drei Naturrasenplätze des Vereines können witterungs- und jahreszeitlich bedingt nicht durchgängig genutzt werden. Ein Kunstrasenplatz könne immer bespielt werden. Der Pflegeaufwand sei gering. Dazu käme der ökologische Aspekt mit Blick auf Dürre und Wassereinsparung.

Drei Millionen Euro für das Potzehner Freibad – in dieser Kostenschätzung sei quasi alles drin. Es handele sich um einen ersten Entwurf, „wo alles beleuchtet wurde“, erläuterte Potzehnes Ortsbürgermeister Harald Rolletschek. Man könne durchaus noch Dinge weglassen und so Geld einsparen. Im Konzept sei beispielsweise ein neues Edelstahlbecken mit 50-Meter- und 25-Meter-Bahnen, einer Rutsche mit fünf Bahnen, neue Gebäude für die Technik und natürlich auch für eine komplett neue Technik- ausstattung enthalten. „Eine solche Rutsche braucht man vielleicht nicht unbedingt“, so Rolletschek. Es sei also noch Einsparpotenzial vorhanden.

Erfüllung eines Traumes

Man sollte ruhig erst mal die Anträge stellen und abwarten, meinte Mandy Schumacher auf Volksstimme-Anfrage gestern im Nachgang der Sitzung. Streichen könne man immer noch. Der zeitliche Ablauf sei auch noch offen. Sie geht davon aus, dass es erst im nächsten Jahr weiterführende Informationen dazu gibt.

Die Vorsitzende des Fördervereines des Freibades Potzehne, Claudia Plock, war am Montagabend jedenfalls überglücklich, dass die erste Hürde genommen werden konnte und der Stadtrat einstimmig den Grundsatzbeschluss für eine Sanierung gefasst hat. Sollte das Projekt auf den Weg gebracht werden, würde ein „Traum in Erfüllung gehen“.