Nach Dürrejahren: Landwirte auf der Suche nach Alternativen

Wasser marsch auf den Feldern bei Gardelegen

Spätestens seit den vergangenen Dürrejahren ist jedem mit Bezug zur Natur bewusst: Wasser ist ein hohes Gut. Manch einer betrachtet deshalb argwöhnisch, wie auf Feldern die Beregnungsanlagen laufen und wertvolles Grundwasser scheinbar in die Luft jagen. Auch in der Altmark ist dies vereinzelt der Fall.

Von Stefanie Brandt
In der Altmark sind Beregnungsanlagen ? wie hier auf einem Getreidefeld ? eher selten anzutreffen. Nach den vergangenen Dürrejahren denken viele Landwirte aber darüber nach, welche Alternativen sie haben, um ihre Kulturen  mit dem wertvollen Gut zu versorgen.
In der Altmark sind Beregnungsanlagen ? wie hier auf einem Getreidefeld ? eher selten anzutreffen. Nach den vergangenen Dürrejahren denken viele Landwirte aber darüber nach, welche Alternativen sie haben, um ihre Kulturen mit dem wertvollen Gut zu versorgen. Foto: Jochen Lübke/dpa

Gardelegen - Einer der wenigen Landwirte im Altmarkkreis, die Felder beregnen, ist Norbert Tendler. Derzeit kommen bei ihm in der Nähe von Jeseritz Zuckerrüben und Mais in den Genuss der kostbaren, erfrischenden Dusche. „Kartoffeln und Zuckerrüben brauchten auf den Böden hier schon immer Wasser. Ich mache das schon seit den 90er Jahren, allerdings ist es super kostenintensiv und mit viel Bürokratie verbunden“, weiß der Landwirt.

Er komme selbst aus den alten Bundesländern und kenne diese Arbeitsweise schon seit Kindheitstagen. Aber selbst in Niedersachsen, wo dies früher gang und gäbe war, gebe es inzwischen starke Einschränkungen bei der Beregnung. Der Landwirt muss zum Beispiel die Grundwasserstände genau dokumentieren. Tendler stellt dabei aber fest, dass sie sich zum Glück immer wieder auffüllen.

Ich mache das seit den 90er Jahren, allerdings ist es super kostenintensiv und mit viel Bürokratie verbunden.

Norbert Tendler, Landwirt

Seine aktuelle Erlaubnis, Wasser aus einem Brunnen zu entnehmen, gilt nur noch für dieses Jahr. Aufgrund der Nähe zum Biosphärenreservat Drömling wird die Genehmigung zur Wasserentnahme für seine Felder nämlich jeweils nur für zwei Jahre erteilt. 2020 habe er, der diese Erlaubnis bisher immer wieder verlängern ließ, noch eine große Maschine für die Bewässerung angeschafft, berichtet er. Solche Anschaffungen bergen für die Landwirte immer ein gewisses Risiko, denn: Welche Maschine rechnet sich schon in nur zwei Jahren? Wenn die Untere Wasserbehörde nach Ablauf der Zeit entscheiden sollte, keine erneute Genehmigung zu erteilen, ist der finanzielle Schaden groß. „Im Naturpark Drömling, in dem man den Moorkörper erhalten will, gibt es eine ganz knappe Befristung. Im Zweifelsfall hat man Trommelberegner, Pumpe und Co. umsonst gekauft“, weiß Annegret Jacobs vom Kreisbauernverband.

Der Verband setzt sich deshalb dafür ein, dass eine einmal erteilte Genehmigung – wenn es nicht wie in Tendlers Fall eine Sonderregelung wegen der Nähe zum Wasserschutzgebiet gibt – zumindest für zehn Jahre gilt. Anderenfalls lohnen sich der bürokratische Aufwand und die Anschaffung der teuren Beregnungstechnik für die Bauern kaum. Hohe Hürden sind in Sachsen-Anhalt nämlich zu nehmen, um überhaupt eine wasserrechtliche Erlaubnis für das Zutagefördern von Grundwasser zu erhalten. Gutachten müssen eingereicht und Anträge gestellt werden. Abgewogen wird zum Beispiel, inwiefern es Auswirkungen gibt auf die menschliche Gesundheit, den Boden, die Landschaft, das Grundwasser, Pflanzen, Tiere, die biologische Vielfalt, Kultur- und Sachgüter.

Im Dürrejahr 2018 habe es vermehrt betriebswirtschaftliche Abwägungen gegeben, ob man auf eine Beregnung zurückgreifen sollte. Allerdings, so Jacobs, „müssen Landwirte schon mit 10 000 Euro Planungskosten für die Genehmigung rechnen.“ Es würde sehr restriktiv damit umgegangen. „Wasser ist ein hohes Gut“, sagt die Geschäftsführerin des Bauernverbandes.

Eine bestimme Qualität kann man ohne Wasser einfach nicht absichern. Beregnungswürdig ist bei uns die Kartoffel.

Annegret Jacobs, Bauernverband

Es wird deshalb auch über andere Möglichkeiten nachgedacht, den Feldern Wasser zukommen zu lassen. Die Milchviehanlage in Klötze würde zum Beispiel mit Wasser aus dem Klärwerk Immekath beregnen. Zumindest Überlegungen gebe es diesbezüglich auch auf dem Gebiet der Hansestadt Gardelegen seitens einiger Landwirte. Rückhalte- und Speicherbecken sind ein weiteres mögliches Mittel, um Wasser in den trockenen Monaten zu haben. „Eine bestimme Qualität kann man ohne Wasser einfach nicht absichern“, weiß Jacobs. Zum Beispiel für den Obst und Gemüseanbau braucht man Bewässerung. Hierzulande wird dies aber weniger angebaut. „Beregnungswürdig ist bei uns die Kartoffel“, erklärt die Fachfrau, dass dies praktisch die einzige Kultur ist, für die der Aufwand betrieben wird.

Der Erdapfel war zwar nach der Wende erst einmal von den Äckern der Altmark verschwunden. Inzwischen wird er aber wieder mehr angebaut, da die Kartoffelfabrik in Lüchow ihren Bedarf auch im Osten deckt, weil die Böden hier diesbezüglich ausgeruht sind. Beim Anbau sollte bekanntlich eine Fruchtfolge beachtet werden, da jede Pflanze dem Boden andere Stoffe entzieht. Es könne aus diesem Grunde auch einmal vorkommen, dass hier eine andere Kultur als die Kartoffel beregnet werde. „Wenn Brunnen, Technik und Genehmigung auf einer Fläche da sind, dann wird das natürlich auch genutzt“, kennt Annegret Jacobs die Erklärung, warum zum Beispiel bei Norbert Tendler dann eben auch mal Mais und Zuckerrüben die kühle Dusche genießen können.