Gardelegen l Sie stehen zwar bei Gardelegen und produzieren hier auch Windenergie, aber die ist eben international. Und so drehen sich die Rotoren der riesigen Windräder an der Deponie Lindenberg nicht mehr unter deutscher, sondern unter schweizerischer Flagge. Der Bauherr und bisherige Betreiber, die Energiequelle GmbH mit Hauptsitz in Brandenburg, hat den Gardelegener Windpark verkauft.

Insgesamt sind es drei Windparks mit elf Anlagen in Deutschland und Frankreich. Einer davon ist der Gardelegener Windpark vom Typ Enercon E-141. „Sie haben eine Leistung von jeweils 4,2 Megawatt und sind bisher die höchsten Anlagen, die die Energiequelle jemals errichtet hat“, teilte Unternehmenssprecherin Susanne Tauke mit. In der Tat, die Riesen sind weithin zu sehen. Die Anlagen haben eine Gesamthöhe von 229 Metern und überragen alle anderen Windräder, die nahe der Deponie stehen. Die Enercon-Riesen könnten es fast mit dem Main Tower im hessischen Frankfurt aufnehmen, denn der ist nur unwesentlich höher, nämlich gerade einmal zehn Meter.

Der Standort war mit Bekanntwerden der Pläne im Jahr 2017 nicht unstrittig. Vor allem in Hemstedt sorgten die Riesen für Diskussionsstoff. Letztlich wurden sie errichtet, da alle Vorgaben, wie der Mindestabstand zur nächsten Wohnbebauung, eingehalten worden waren. Der Bau selbst erfolgte dann 2018 und 2019. Die Inbetriebnahme fand erst im Januar dieses Jahres statt.

Ein ganz normaler Prozess

Neuer Eigentümer der drei Windparks ist der Schweizer Anlageberater re:cap. Der Verkauf der Windräder habe keine Auswirkung auf die Region, betonte Tauke auf Volksstimme-Anfrage. Es sei im Grunde ein ganz normaler Prozess. „Wenn ein Projektierungsunternehmen wie wir Windenergieanlagen plant und errichtet, müssen wir danach entscheiden, ob wir diese selbst betreiben oder verkaufen“, erläuterte Tauke. Die re:cap sei ein langjähriger Partner der Energiequelle GmbH, der unter anderem institutionelle Investoren bei der Auswahl, Bewertung und der langfristigen Verwaltung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien betreut.

„Es hat also im Grunde nur der Eigentümer gewechselt, die Anlagen laufen selbstverständlich weiter, und auch die finanzielle Unterstützung aus der Stiftung kommt wie vereinbart zum Tragen“, betonte Tauke. Das bestätigte auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher auf Volksstimme-Anfrage, die vom Verkauf allerdings noch nichts wusste. „Wir haben aber den Förderbescheid der Stiftung Energiequelle erhalten, und die Richtlinien sehen keinen Widerruf bei Veräußerung der Anlagen oder Ähnliches vor“, so Schumacher. Die Stadt hat von der Stiftung 100.000 Euro bewilligt bekommen, die für den Bau der neuen Skateranlage im Bürgerpark verwendet werden sollen.